Station: [13] EMANZIPIERT: Dora Arnd al Raschid, Künstlerin, geht ihren eigenen Weg, 1890er Jahre


Dora Arnd al Raschid: Was für ein exotischer Name! Ich habe ihn meinem Vater zu verdanken, dem Privatgelehrten Friedrich Arnd. Als er 1886 zum Islam übertrat, nannte er sich Omar al Raschid Bey. Ich bin in Leipzig aufgewachsen, mit drei Geschwistern. Ich wollte schon früh Malerin werden. Leider wurden Frauen damals nicht an Kunstakademien zugelassen. Als mein Vater sich scheiden ließ und nach München zog, ging ich mit. München war ein internationales Kunstzentrum mit vielen privaten Malschulen. Das war kostspielig, aber dort ließ ich mich als Porträtmalerin ausbilden. Danach ging ich für ein paar Jahre nach Freiburg: ein ganz anderes Pflaster, ländlicher, ruhiger, Schwarzwald eben. Ich hatte weniger Kundschaft für Porträts. Aber manch ein Museum kaufte sogenannte Trachtenbilder, "Typen in malerischer Verkleidung". Kein Mensch zog so was wirklich noch an. Daher steckte man zum Beispiel die Frau des Dorfbürgermeisters in so ein Monstrum und hoffte, dass alles passte. Später wechselte ich in den Norden, nach Kiel, und porträtierte bekannte Persönlichkeiten. Der klangvolle Name war meine Visitenkarte. 

Foto: visual artwork