Station: [14] ZÜNFTIG: Anton Berin, Künstler, erntet große Anerkennung um 1620
Bin auf dem Weg zur Frühjahrsmess´. Drei Tag bis Straßburg – mit guten Gäulen. Hab mir den ausstehenden Lohn erschwatzt. Musste den Herren Pflegern etwas um den Bart gehen. Ich will mir ja die Kundschaft nicht vergraulen: "Glückwunsch zum Neuen Jahr" etcetera. Jetzt kann ich billige Leinwand für Gemälde kaufen, Farben und Pigmente und auch die eine oder andere Flasche. Der Elässer gilt zurecht als der beste deutsche Wein. Nicht für mich, nein, mein Eheweib schätzt ihn – wurd schon etliche Male vom Rat gescholten. Ich frag Euch: Was geht das die "Ehrsamen Müßiggänger" an, wie sie sich selbst nennen? Bin ich nicht "Anton Berin, der Conterfetter"? Da sitzt so manch Neider auf der Holzbank im Ratssaal. Es ist nicht mehr so, dass jeder auf seiner Stufe bleibt auf ewig. Schaut Euch Michael Schwerdt an. Durch sein Bergwerk wurd´ er steinreich. "Meine Feindt mögens nit erwören, wenn Gott mich will ernören" ließ er mich auf sein Porträt pinseln. Recht hat er. Wer gut verhandelt, tüchtig, und beliebt ist, soll seinen Lohn genießen. Und ich helf ja auch. Bin Pate von bald 20 Bälgern anderer Leute. Nur manchmal, wenn ich ans Jenseits denke, beschleicht mich eine Angst, - dass mich die "Herterin" neulich so seltsam angesprochen hat? Man sagt, sie sei eine Hexe…
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