Station: [17] SPENDABEL: Zacharias Xaver Kegel und Clara Franziska Egg spenden um 1770 ihr Vermögen an Kirche und Stadt


Warum nur straft uns Gott so sehr? Ich weiß, dass man so nicht denken darf. Aber manchmal werd ich wankelmütig. Ich sah Zacharias, meinen geliebten Mann, erstmals in Freiburg, wo er Juristerei studierte. Unsere Familien kannten sich. Seine Mutter Anna war von hier. Als wir heirateten, war er schon im 32. Jahr, also nicht mehr ganz jung, ich selbst 24. Wir scherzten immer: eine ganze Schar von Kindern sollte unseren Villinger Haushalt füllen. Wie viele Frauen hatte ich zunächst einige Fehlgeburten, aber ich vertraute auf Gott. Indes mein frommes Flehen wurde nicht erhört. Dann starb jäh meine 11 Jahre jüngere Schwester Anna Katharina. Sie war erst 33, hatte nie einen Mann begehrt, wurde ehrfürchtig "Jungfer" genannt. Sie war schon zu Lebzeiten eine mildtätige Frau. Im eiligst aufgesetzten Testament gab sie ihr gesamtes Vermögen ans Freiburger Armenspital: 40.000 Gulden, - unser Vater war ja Granatschleifer gewesen, die Familie wohlhabend. Mich wusste sie in Villingen gut versorgt. Nun fühl ich selbst mein Ende nahen. Oh weh. So denk ich an mein Seelenheil und folge demütig meiner Schwester, im Denken und Tun.

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