Station: [18] ÜBERLEBT: Willy Harter, Kaffeehausbesitzer, sinniert darüber, wie nach 1945 alles wieder anfing
Ob morgens bei einer Tasse Kaffee oder abends bei einem Bier – im Café Harter konnten Sie Ihre Sorgen hinter sich lassen. Wer bei uns saß, blieb oft länger, als er eigentlich vorhatte. Mochte draußen auch die Weltgeschichte vorbeirauschen – dort drinnen lief alles nach seiner eigenen Zeit. Insofern passte es ganz gut, dass unser Café in den Räumen des ehemaligen Kapuzinerklosters untergebracht war. Die Bombennächte, die Not, die endlosen Vorschriften der Militärregierung: Mit dem Wirtschaftswunder ließen wir das alles hinter uns. Endlich wieder echte Butter statt Margarine, richtiger Bohnenkaffee statt Malzkaffee. Und statt Sirenen hörten wir nur noch das vergnügte Plaudern und Lachen der Gäste. Wenn wir dann im Sommer mit unserer "Hercules" nach Italien fuhren und uns ein warmer Wind entgegenblies, fühlten wir uns frei. Das Leben war gut. Nur manchmal zuckten wir noch kurz zusammen. Ich erinnere mich, wie ich in der Vorratskammer eine Kiste beiseitestellte, als dahinter eine alte Gasmaske zum Vorschein kam. Ich legte sie rasch wieder weg.
Foto: Franziskanermuseum

