Station: [4] HERRSCHAFTLICH: Karl Wittum, Bürgermeister (1835-1846 und 1859-1868) fordert mehr Anerkennung
Ich sage Ihnen: Das Amt des Bürgermeisters ist kein leichtes. Woher soll man mit Sicherheit wissen, ob man das Rechte tut? Man kann sich nur von seinem Gewissen leiten lassen – das ist allezeit meine Devise gewesen. Heute tadelt man mich bisweilen, weil ich das Vortor des Oberen Tores und die Altstadtkirche abbrechen ließ. Nun ja – manches Alte war baufällig, kostspielig im Unterhalt oder stand der Entwicklung der Stadt einfach im Wege. Und ich meine doch, dass ich am Aufschwung Villingens einigen Anteil hatte: Schwarzwaldbahn, Bezirksstrafgericht, Brigachkorrektur… das wäre ohne mein entschiedenes Eingreifen schwerlich zustande gekommen. Man sollte meinen, ein solcher Dienst müsse zuletzt doch Anerkennung finden. Allein, mir wurde nicht einmal eine Pension gewährt. Nennen Sie das gerecht? Als ob das Bürgermeisteramt ein bloßer Zeitvertreib gewesen wäre! Wenigstens haben einige Bürger meine Arbeit zu würdigen gewusst. Davon kündet die Inschrift auf dem mir verliehenen Ehrenpokal. Lesen Sie selbst: „In Anerkennung seines mehr als zwanzigjährigen, für die Gemeinde segensvollen Wirkens – dem Herrn Bürgermeister Carl Wittum – gewidmet von den ihn hoch verehrenden Bürgern seiner Vaterstadt.“ Das, meine Herren, lasse ich gerne gelten.
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