Station: [7] ANGEEIGNET: Wie kam Rudolf Kienzler, Weinhändler, im 19. Jahrhundert zu seiner Figur aus Indien?


Sie fragen mich nach dem Götzenbild? Ein seltsames Objekt, nicht wahr? Klein und grob gearbeitet, und doch von eigentümlichem Ausdruck... Ich erhielt es von einem Missionar aus Indien. Wie er mir erzählte, war er von der Küste aus tagelang ins Landesinnere gereist, auf beschwerlichen Wegen, bis in ein abgelegenes Dorf tief im Bergland. Dort habe er die Figur auf dem Markt erworben und zu uns herübergebracht. Solche Dinge ließen mich ahnen, wie viel es jenseits unserer Stadt noch zu entdecken gab. Ich begann mich mehr und mehr für koloniale Fragen zu interessieren, und gründete mit Bürgermeister Osiander und Pfarrer Amann eine Ortsgruppe der Deutschen Kolonialgesellschaft. Das war ganz in meinem Sinne: Vorträge, kleine Exkursionen, ein Blick über den Tellerrand... Aber vor allem ging es mir um Geselligkeit, ob bei den Schützen, den Bienenzüchtern oder in der Kolonialgesellschaft. Gewiss – manche dieser Kontakte erwiesen sich auch für meinen Weinhandel als durchaus vorteilhaft…

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