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Fotoausstellung „EULER. Werner Baumann. Bilder der Heimat.“ - Eröffnung am 6.11.2020 um 17 Uhr

27. Oct 2020
Keramikmuseum Westerwald

Oktober 1982 hielt Werner Baumann in einer der letzten alteingesessenen Töpfereien in Höhr-Grenzhausen das traditionelle Handwerk mit seiner Kamera fest. Mit der Schließung der Eulerei Johann Höfer III in der Töpferstraße 23 endete eine Epoche im Kannenbäckerland. Der Ofen wurde ein letztes Mal ausgesetzt, die Ware verladen und die Werkstatt geschlossen. Der bereits seit den dreißiger Jahren vollzogene Umstellungsprozess auf kostengünstigere Gasöfen wurde somit vollendet.

Ein Brand im holzbefeuerten Kannofen ist heute ein Event, damals eine wiederkehrende Selbstverständlichkeit, die zum Leben gehörte. Werner Baumann ahnte, dass seine Kinder – und damit auch wir – dieses Stück Heimat so nicht mehr kennen lernen würden und nahm die letzte Möglichkeit für ein fotografisches Zeugnis wahr.

Mit seiner Kamera folgte er Heinrich Kilb beim Wirken, den Schwestern Elli und Irmgard Höfer beim Ohren und Blauen und Helmut Höfer beim Stochen. Euler nannte man diese Menschen, was vom lateinischen und galloromanischen Wort „ōlla“, übersetzt Topf, hergeleitet ist.

Auch wenn Bilder zunächst den Sehsinn bedienen, so spürt man bei Baumanns Fotografien den feuchten Ton auf der Drehscheibe, hört das Buchenholz im Ofen knacken und riecht den Salzdampf. Für die Porträts benutzte er eine Hasselblad 6x6 Kamera mit Zeiss Objektiven, die statischen Motive wurden mit einer Linhof Super Technika 4x5 mit Schneider Objektiven fotografiert.

Baumanns Bilder dokumentieren auf eine poetische Art das immaterielle Kulturerbe der Töpfertradition des Kannenbäckerlandes. Sie sind von 7.11.2020 bis zum 24.1.2021 in einer Ausstellung im Keramikmuseum Westerwald zu sehen. Werner Baumann stellt seine Werke dem Museum unentgeltlich zur Verfügung. Mit einer Spendenaktion wird zur Beteiligung an den Druckkosten der Serie aufgerufen, damit die Bilder dauerhaft im Keramikmuseum präsentiert werden können und uns daran erinnern, auf wessen Schultern wir stehen.

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