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Model für Backwerk: Ein kunstvolles Handwerkszeug - Backformensammlung wandert ins Museum

Lindenfelser Museum 13. Jul 2018

Museumsleiter Jan Hohmann konnte im Juni eine sehr interessante Spende für das Lindenfelser Museum entgegennehmen. Der Bensheimer Heinrich Reeb spendete seine umfangreiche Back- und Buttermodelle dem Lindenfelser Museum!

 

Heinrich Reeb bereiste, durch seine Versicherungstätigkeit, schon früh den Odenwald und hier besonders das Gebiet der heute neuen Stadt Oberzent. Bereits 1952 war er motorisiert, was damals keineswegs selbstverständlich war, und kam beruflich herum, auch in entlegene Weiler und Gehöfte.

 

Eines Tages konnte er beim Besuch einer Mühle einen hölzernen Stempel zum Bedrucken der Mehlsäcke mit dem Eigentumszeichen eben dieser Mühle, einem bekrönten Mühlrad gehalten von zwei Löwen und dem Anfangsbuchstaben des Müller-Namens, buchstäblich vom Hackklotz weg an sich bringen. Dies sollte die Initialzündung sein für eine fruchtbare Sammeltätigkeit in den nächsten Jahren. Er interessierte sich fortan für alte Modelle, meist waren es Back- und Buttermodelle, zu einer Zeit, als deren Eigentümer darin in aller Regel nur noch ‚altes Gelump‘ sahen.

 

Mehrheitlich wären die schönen alten Formen wohl heute nicht mehr da, hätte er sie nicht damals gesehen und aufbewahrt. Eine erste Ausstellung seiner Sammlung in der Adventszeit 1969 markiert zugleich einen gewissen Abschluss. Die Zeit des beruflichen Reisens durch den Odenwald war seit ein paar Jahren vorbei und was jetzt noch an Modellen dazu kam, ergab sich eher zufällig aus Kontakten mit anderen Sammlern oder aus dem Stöbern in Auktionskatalogen.

 

Damals betonte in einem Begleitwort zur Ausstellung Hans Gert Eichler, ein Doktorand der Volkskunde, der im Jahr darauf eine Dissertation zu Gebäckmodelen in Westfalen vorlegen sollte: „dass hier ein sachkundiger Sammler viele alte Stücke vor Verfall und Wurmfraß bewahrt hat“. Das ist sein bleibender Verdienst und aus dem Gedanken des Bewahrens heraus ist er auch im Jahr 2018, seinem siebenundachtzigsten Lebensjahr, den Schritt gegangen, die Sammlung als Ganzes dem Lindenfelser Museum zu schenken.

 

Jan Hohmann bestätigte, dass das Museum einen kleinen Teil der Modeln in die Dauerausstellung integrieren wird. Des Weiteren soll eine eigene Sonderausstellung geplant werden, diese könnte aber frühestens zum Beginn der Saison 2019 umgesetzt werden.

 

 

 

 

Ergänzende Informationen für die Presse:

 

 

 

Auszug aus dem Buch „Unser Odenwald. Ein Kulturbild des Odenwaldes aus alter und neuer Zeit., von San.Rat Dr. F. Maurer, Darmstadt 1914:

 

 „Demnach gab es gemäß einer Umfrage aus dem 1909 damals und auch 25 bzw.50 Jahre vorher jeweils etwa 3 bis vier Formenstecher im Odenwald, alle im Kreis Erbach. Einen davon aus Reichelsheim hat der Autor damals fotografiert und im Buch abgebildet. Maurer geht auf S. 56 unten von einer „Herstellung von etwa 4400 Formen verschiedener Größe aus Ahorn- und Birnbaumholz“ jährlich aus. Das bedeutet, wenn man regelmäßige Samstagsarbeit unterstellt 3-5 Formen am Tag je nach dem.“

 

 

Auszug aus einer Ausstellungsbroschüre von 1969:

 

Model für Backwerk: - Ein kunstvolles  Handwerkszeug

 

In steigendem Maße wächst das Interesse der Gegenwart an Geräten und Gegenständen vergangener Zeiten. So ist es nur zu verständlich, dass die hier ausgesteiften Model eine Sonderstellung einnehmen, sind sie doch in besonderer Weise durch ihre mehr oder weniger kunstvolle Gestaltung geeignet, Rückschlüsse auf vergangene Epochen zuzulassen.

Sicher wird in diesem Zusammenhang auch gelegentlich die Frage nach dem Alter der Modelle gestellt. Dieses Alter reicht in der Tat bis in die Kindheit der menschlichen Geschichte, denn die ältesten, heute bekannten Model stammen aus der Zeit um 2 500 v. Chr. und sind im Mohanjodaro im Industal gefunden worden. Es sind dies Tonformen, die in den besten einer frühgeschichtlichen Bäckerei gelegen haben und mit deren Hilfe besonders geformte Brote in beliebiger Zahl gefertigt werden konnten.

Was hat die Menschen bewogen, schon damals Brot in besonderer Form zu fertigen? Eine ge­naue Erklärung musste uns die Forschung infolge fehlende- Quellen bisher schuldig bleiben. Es wird angenommen, dass es sich bei den ersten Gebildbroten um Opferkuchen handelte, die die Ablösung alter Opfer durch gebackenen Ersatz ermöglichten, wie dieses durch die Substitution von lebenden Schweinen durch Teigbilder im Opferkult für Demeter aus späterer Zeit historisch belegt ist. Berücksichtigt man dabei die Tatsache, dass Ramses der 11. im 12. Jahrhundert v. Chr. während seiner 31jährigen Regierungszeit seine Kult­stätten mit 6 ½ Millionen Broten und 300 000 Kuchen beliefern lieb, so ist es verständlich, dass des Bedarf an Formen für die Kuchen rapide an­stieg und der Verbreitung der Model nichts im Wege stand. So sind uns aus dem gesamten Mittelmeerraum Model bekannt, trotzdem lernten sie die Römer jedoch verhältnismäßig spät ken­nen. Sie brachten die Model dann aber nach Norden über die Alpen und über den Umweg Byzanz in das gesamte Verbreitungsgebiet der Ostkirche, wo sie auch heute noch eine erhebliche Rolle spielen.

 

Im frühen Mittelelter war das Modelgebäck den Klosterküchen und Bäckereien vorbehalten. Erst mit dem Aufblühen des Bürgertums löst die Verwendung von Backmodeln die althergebrachte Form von handgeformten Gebildbroten ab.

So sind an Adelshöfen wie auch in wohlhabenden Bürgerhäusern fortan festliche Tafeln ohne die zu vorige Verwendung von Modeln nicht mehr denkbar. Eine Vielfalt von Zeugnissen berichtet über Schauessen an Fürstenhöfen, bei denen die Speisen in kunstvollster Weise hergerichtet wurden, besonders durch den neu eingeführten Rohstoff Zucker wurde die Anfertigung dieser essbaren Kunstwerke in hervorragender Weise begünstigt. Aus Frankfurt a. M, ist uns die älteste schriftliche Kunde über den Besitz solcher Model erhalten. Dort hat zwischen 1510 und 1530 Hartmann Kistener eine Vielzahl von Kuchelsteinen gefertigt.

Es gilt als erwiesen, dass der Mittelpunkt der Formenstecherei und auch der Verwendung von Modeln im Rheingebiet zu finden ist, wo mit der Renaissance eine Bewegung beginnt, die bereits im Biedermeier Aligemeingut geworden ist. Zwar wird gelegentlich der Niedergang der großen Formenstecherei als einer hohen Kunst beklagt, doch ist es für uns erfreulich, auch primitiv anmutende. Formen teils mit ungelenker Hand gefertigt, heute vor uns zu sehen, entspringen doch alle diese Formen letzthin einem uralten gleichen Bedürfnis.

Wird bei dieser Ausstellung ein Teil der Sammlung Reeb der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so ist das aus mehreren Gründen begrüßenswert: Einmal ist es die Tatsache schlechthin, dass hier ein sachkundiger Sammler viele alte Stücke vor Verfall und Wurmfraß bewahrt hat, zum anderen hat nun ein breites Publikum eine lvlogIichke0; der Information über ein Handwerkszeug, das die Kunst der süßen Sachen erst ermöglichte; und letztlich wäre es nur wünschenswert, wenn in unserer schnelllebigen Zeit ein Verweilen vor den liebe- und kunstvoll geschnitzten Formen eine Spur von Nachdenklichkeit hinterlassen würde, (cand. phil, Hans G.ert Eichler Münster/Westfalen)

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Erste Aufgaben warten auf den neuen Museumsleiter Jan Hohmann

Lindenfelser Museum 19. Apr 2017

Über die Wintermonate muss das Lindenfelser Museum leider immer geschlossen bleiben, denn in dem alten Sandsteingebäude, der 1781 bis 1784 erbauten Zentscheune der ehemaligen Kurpfalz, gibt es keine Heizung. Mit Beginn des Frühjahres wärmt aber die Sonne das Gebäude und so kann, pünktlich zu Ostern wurde das Museum aber geöffnet.

Jan Hohmann, der neue Museumsleiter - der schon viele Jahre bei den Brauchtumstagen an der Schmiede die Besucher zu begeistern wusste -, weiß, dass auf den vier Etagen ein weitreichender Fundus an alten Gegenständen vorzufinden ist, was in dem Umfang sicher nicht oft in Deutschland zu finden sein ist.

Im Museum verdeutlicht das Burg- und Stadtmodell die geschichtliche Vergangenheit des Städtchens. Es gibt eine Fotodokumentation mit alten Ansichten, alte Werbeschriften und ein Fremdenzimmer um 1890 zeigen die Entwicklung der Stadt zum Kurort auf. Alles was zum bäuerlichen Leben in Stube Kammer und Küche benötigt wurde ist ebenso zu sehen, wie die Odenwälder Tracht, die in Lindenfels beim Burgfestumzug (6. August) im Mittelpunkt steht. Ein breiter Raum nehmen die alten und funktionstüchtigen Werkstätten vom Uhrmacher, Wagner, Schindelmacher, Glaser, Schuhmacher, Sattler etc. ein, die an den Brauchtumstagen oft noch mit Leben erfüllt werden können. Besonders stolz ist das Museum auf die Postkutsche, die 2014 als erstes „Regionales Kulturerbe des Kreises Bergstraße“ ausgezeichnet wurde.

Jan Hohmann freut sich auch immer wieder, wenn die Augen der Kinder bei Führungen von Schulklassen zu leuchten beginnen. Hier finden Sie unbekannte Dinge, denn in der damaligen Zeit bestimmten nicht Handy und Technik den Arbeitsalltag. Um noch besser auf die Wünsche von Gruppen eingehen zu können werden Bürger gesucht, die Interesse an der Stadtgeschichte haben und diese als Stadtführer gerne den Gästen näher bringen wollen. Derzeit stehen noch die Terminplanungen der vom Museumangebotenen historischen Stadtrundgange über die Sommermonate an.

Ein erster Schritt zu einer einheitlich Öffnungszeit der Museum wurde bereits umgesetzt. Und gemeinsam mit dem Deutschen Drachenmuseum wird auch wieder ein Kombiticket aufgelegt, die den Gästen beim Besuch beider Museum einen Preisnachlass gewährt.

Das Lindenfelser Museum hat ab 16. April an Sonn und Feiertage von 14 bis 17 Uhr und das Deutsche Drachenmuseum samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, sowie in Ferienzeiten am Dienstag und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr, geöffnet. Zudem hat der Mini Golf Garten im Schloßwaldweg die Saison bereits gestartet und damit zieht wieder Leben in den Kurort und rund um die Burg ein.

Informationsmaterial zu den Museen und zu Lindenfels erhalten Sie beim Kur- und Touristikservice, Burgstr. 37, 64678 Lindenfels, Tel. 06255 30644, oder touristik@lindenfels.de bzw. finden Sie im Internet unter www.lindenfels.de.

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