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[10] Malchiner Straße, Stadtbibliothek, Synagoge

Beschreibung

Die Malchiner Straße ist eine der ältesten Straßen Stavenhagens. Zusammen mit dem Marktplatz wurde sie 1995 zur Wiederherstellung ortstypischer Gestaltung erneuert und führt nun als Fußgängerzone bis zur Basepohler Straße. Hier gibt es kleine Läden, Gaststätten und Dienstleistungsgeschäfte sowie eine Bibliothek, in der auch der Seniorenclub untergebracht ist.

Das straßenbildprägende Gebäude Nr. 26 wurde bis Anfang der 90er Jahre als „Kinderkaufhaus“ genutzt. Dann stand das Gebäude viele Jahre leer und war dem Verfall preisgegeben, bis die Stadt sich entschloss, das Gebäude zu sanieren. 2008 wurden die Bibliotheksräume eingeweiht.
In den großzügigen Räumlichkeiten findet man heute Computer- und Veranstaltungsräume und auch eine Kinderleseecke. Regelmäßig finden kindgerechte Veranstaltungen für Schulen und Kitas statt. Ab Herbst eines jeden Jahres wird das Programm außerdem um stimmungsvolle Abendveranstaltungen für Erwachsene ergänzt. Auf der Website oder aber direkt vor Ort finden Sie alle Infos über aktuelle und kommende Ausstellungen und Events.

Die Stadt Stavenhagen hat ab 2009 mit der Aktion Stolpersteine begonnen, um an jüdische Mitbürger zu erinnern. Um das Jahr 1759 sind erste jüdische Spuren in Stavenhagen nachweisbar. 1842 wurde der Bau an der Synagoge begonnen, jüdisches Leben hat eine lange Tradition in Stavenhagen. In der Reichsprogromnacht am 9.11.1938 wurde die Synagoge, wie viele andere Orte jüdischen Lebens in Deutschland, in Brand gesteckt und durch den Schuhmachermeister Bilsath gelöscht, weil er Angst hatte, dass die Flammen auf sein Geschäft übergreifen. Nur dadurch wurde sie als eine der wenigen jüdischen Gotteshäuser erhalten und im Jahr 1939 an einen Tischler verkauft. Dieser hat sie bis 1969 als Werkstatt genutzt und im Vorderhaus gewohnt, danach ist sie zunehmend verfallen.
Am 10.07.1942 wurden die letzten jüdischen Mitbürger ins Vernichtungslager nach Ausschwitz deportiert, die Stolpersteine dieser Personen findet man vor der Malchiner Straße 23 und am Amstbrink 15.
Seit 1988 steht die ehemalige Synagoge, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Ziegelfüllungen, einem Vollwalmdach und mit einem fast quadratischen Umriss, unter Denkmalschutz.
2011 gründete sich der Verein „Alte Synagoge Stavenhagen“ und ein Jahr später begann die Sanierung. 2016 wurde auch das Haus in der Malchiner Straße 34 durch den Verein erworben, umgebaut, saniert und als Vereinshaus genutzt. Heute ist der Synagogenkomplex, der neben dem Bürogebäude, dem Sozialgebäude und der Synagoge auch den Innenhof umfasst, für alle Interessierten geöffnet. Er dient als Stätte der Mahnung und Erinnerung sowie der Bildung und Kultur. Außerdem wird er als Austragungsort für Konzerte, Filmabende, Vorträge, Diskussionen, Lesungen und Ausstellung genutzt. Er ist für Besucher geöffnet und Führungen sind ebenfalls möglich. Durch den Verein wurden Stolpersteine gesetzt und alte jüdische Grabsteine geborgen und gesichert. Die Mitglieder engagieren sich aber auch in anderen Organisationen und Verbänden. Des Weiteren wurde das Buch „Geschichte der jüdischen Gemeinde in Stavenhagen 1750-1942“ herausgegeben.
Die Malchiner Straße ist der zentrale Punkt in Stavenhagen zur Erinnerung an jüdisches Leben, mit einer lebendigen Stätte der Begegnung. Es ist etwas ganz besonderes, dass die Synagoge erhalten geblieben ist. Der Verein und die Stadt haben ermöglicht, dass die Straße mit dunkler Vergangenheit, positiv besetzt wurde und ein respektvolles Erinnern ermöglicht. Stöbern Sie also nicht nur durch die bunten Läden, sondern machen Sie gerne auch einen kleinen Schwenker in die Geschichte Stavenhagens mit einem Besuch des Synagogenkomplexes. Die Synagoge liegt im Hinterhofbereich der Malchiner Straße, den Eingang finden Sie über die Hausnummer 34.