Leipzig hat durch seine reiche Musiktradition eine außergewöhnliche Stellung im deutschen Musikleben. Aber Musik ist – aus nationalsozialistischer Perspektive – auch Politik und Propaganda. Kaum an die Macht gekommen, begann unter Hitlers NS-Regime die systematische Gleichschaltung des musikalischen Lebens in der Stadt. Konzert- und Musiktheaterbühnen wurden reglementiert, missliebige Künstler entfernt, unerwünschte Musik aus den Spielplänen getilgt und in den Kirchen und Konzertstätten verboten. Die Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung jüdischer Musikschaffender war der Tiefpunkt des Bestrebens der Nationalsozialisten, das Musikleben vom „verderblichen jüdischen Einfluss“ und allem „Nicht-Arischen“ zu „säubern“. Nicht wenige Komponisten, Solisten, Dozenten und Dirigenten profitierten entweder von „frei gewordenen“ Stellen oder dienten sich dem System auf andere Art und Weise an. Die Sonderausstellung ist die erste Schau in Leipzig, die sich mit diesem Thema umfassend beschäftigt. Einige der geplanten neun Kapitel nehmen die wichtigen musikalischen Institutionen der Stadt wie Thomanerchor, Gewandhaus, Konservatorium und Oper unter die Lupe. Andere richten den Blick auf die Musikausübung an den Leipziger Synagogen, die lokale Jazz- und Swing-Szene und die Rolle des Reichssenders Leipzig. Ein zentrales Kapitel widmet sich dem Umgang mit den beiden Leipziger Musikheroen Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner und ihren Denkmälern. Anhand von Erinnerungsstücken, Fotos, Zeitungsartikeln, überlieferten Zeitzeugengeschichten und historischen Tondokumenten wird dargestellt, wie sich das musikalische Leben seit 1933 gestaltete – und wo es verstummte. Jenseits der neun Ausstellungskapitel werden neun besondere Menschen der damaligen Musikszene anhand ihrer Lebenswege oder Karrieren vorgestellt.
27. Jan 2023 - 15:14
Böttchergäßchen
Leipzig
04109
Germany

Current event for "Stadtgeschichtliches Museum Leipzig - Haus Böttchergäßchen"

Hakenkreuz und Notenschlüssel. Die Musikstadt Leipzig im Nationalsozialismus

27. Jan 2023 - 15:14 – 20. Aug 2023 - 15:14
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig - Haus Böttchergäßchen

Leipzig hat durch seine reiche Musiktradition eine außergewöhnliche Stellung im deutschen Musikleben. Aber Musik ist – aus nationalsozialistischer Perspektive – auch Politik und Propaganda. Kaum an die Macht gekommen, begann unter Hitlers NS-Regime die systematische Gleichschaltung des musikalischen Lebens in der Stadt. Konzert- und Musiktheaterbühnen wurden reglementiert, missliebige Künstler entfernt, unerwünschte Musik aus den Spielplänen getilgt und in den Kirchen und Konzertstätten verboten. Die Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung jüdischer Musikschaffender war der Tiefpunkt des Bestrebens der Nationalsozialisten, das Musikleben vom „verderblichen jüdischen Einfluss“ und allem „Nicht-Arischen“ zu „säubern“. Nicht wenige Komponisten, Solisten, Dozenten und Dirigenten profitierten entweder von „frei gewordenen“ Stellen oder dienten sich dem System auf andere Art und Weise an.

Die Sonderausstellung ist die erste Schau in Leipzig, die sich mit diesem Thema umfassend beschäftigt. Einige der geplanten neun Kapitel nehmen die wichtigen musikalischen Institutionen der Stadt wie Thomanerchor, Gewandhaus, Konservatorium und Oper unter die Lupe. Andere richten den Blick auf die Musikausübung an den Leipziger Synagogen, die lokale Jazz- und Swing-Szene und die Rolle des Reichssenders Leipzig. Ein zentrales Kapitel widmet sich dem Umgang mit den beiden Leipziger Musikheroen Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner und ihren Denkmälern. Anhand von Erinnerungsstücken, Fotos, Zeitungsartikeln, überlieferten Zeitzeugengeschichten und historischen Tondokumenten wird dargestellt, wie sich das musikalische Leben seit 1933 gestaltete – und wo es verstummte. Jenseits der neun Ausstellungskapitel werden neun besondere Menschen der damaligen Musikszene anhand ihrer Lebenswege oder Karrieren vorgestellt.

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