Die evangelische Kirchengemeinde in Großenlüder
Nach der Reformationszeit blieb Großenlüder über viele Jahrhunderte ein überwiegend katholischer Ort. Erst im 19. Jahrhundert entstand wieder eine kleine evangelische Gemeinschaft. Im Jahr 1891 wurde für die Evangelischen in Neuhof, Großenlüder und Bieberstein eine Hilfspfarrei mit Sitz in Fulda gegründet. Am 23. August 1891 fand nach rund 300 Jahren Unterbrechung der erste evangelische Gottesdienst in Großenlüder statt. Dieser wurde von Pfarrer August Herchenröder im Sitzungszimmer des Amtsgerichts gehalten.
Ein wichtiger Förderer der evangelischen Gemeinde war der Oberförster Martin. In seinem Büro in der Oberförsterei fand auch der Religionsunterricht für evangelische Kinder statt. Gemeinsam mit Pfarrer Herchenröder setzte er sich für den Bau einer eigenen Kapelle ein. Durch Spenden, eine freiwillige Selbstbesteuerung der Gemeindemitglieder und Unterstützung des Gustav-Adolf-Vereins konnten bis 1898 bereits 6000 Mark gesammelt werden.
Der Bau einer Kapelle verzögerte sich jedoch zunächst, da der benachbarte Badeort Bad Salzschlirf bevorzugt wurde. Trotz dieser Rückschläge hielt die kleine Gemeinde an ihrem Ziel fest. Schließlich gelang es, ein Grundstück auf dem Habersberg gegenüber dem Bahnhof zu erwerben. Das etwa 7410 m² große Gelände wurde zunächst von Oberförster Martin privat gekauft und später von der Gemeinde übernommen.
Der Entwurf für die Kapelle stammte von Baurat Scheele aus Fulda. Das Gebäude sollte etwa 100 Sitzplätze bieten und rund 12.000 Mark kosten. Die Bauarbeiten wurden größtenteils von Handwerkern aus Großenlüder ausgeführt, unabhängig von ihrer Konfession. Dadurch verbesserte sich auch das Verhältnis zwischen der katholischen und der evangelischen Bevölkerung.
Am 20. September 1905 wurde der Grundstein gelegt, und am 18. Juli 1906 konnte die Kapelle feierlich eingeweiht werden. Der Festzug zog vom Amtsgericht zur neuen Kirche am Habersberg. Viele Gäste aus Kirche und Politik nahmen an der Einweihung teil. Auch die katholische Bevölkerung beteiligte sich an den Feierlichkeiten. Als besonderes Geschenk erhielt die Gemeinde eine Altarbibel von Kaiserin Augusta Viktoria.
Im Jahr 1948 wurde das Kirchspiel Bad Salzschlirf–Großenlüder gegründet. Heute gehört die Kirchengemeinde zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und bildet gemeinsam mit anderen Gemeinden den Kooperationsraum Fulda Mitte-West. Pfarrer Michael Grimm und Pfarrerin Sandra Jost betreuen rund 2200 Gemeindemitglieder in mehreren Ortschaften.
Die Gemeinde verbindet heute Tradition mit neuen Formen kirchlichen Lebens. Neben klassischen Gottesdiensten gibt es auch neue Angebote wie Abendgottesdienste, Andachten, Familienangebote oder besondere Tauffeste im Freien. Auch Kinder-, Jugend- und Familienarbeit spielt eine wichtige Rolle. Durch Engagement, neue Ideen und die Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher bleibt die evangelische Kirchengemeinde ein lebendiger Teil des gesellschaftlichen Lebens in Großenlüder.