Stadt.Land.Kultur. > Großenlüder >

[8] Historischer Naturpark Sodegarten

Sodegarten
Ohne Beschreibung
Sodegarten
Ohne Beschreibung
Sodegarten
Ohne Beschreibung
Sodegarten
Ohne Beschreibung
Sodegarten
Ohne Beschreibung

Beschreibung

Die Anfänge der Salzgewinnung in Großenlüder 

Die reichen Bronzebeigaben in den umliegenden Hügelgräbern führen zu der Vermutung, dass schon in der Bronzezeit vor ca. 3.500 Jahren hier Salz gewonnen und als Tausch- bzw. Handelsgut verwendet wurde – nachweisen lässt sich diese Annahme jedoch bisher nicht. Der älteste Hinweis auf Salzgewinnung stammt aus einer Urkunde vom Anfang des 9. Jahrhunderts. Darin stiftet Graf Ditho dem Kloster Fulda eine Salzquelle zwischen Bimbach und Großenlüder, zusammen mit weiteren Grundstücken, Häusern und unfreien Personen. Die genaue Lage dieser Quelle konnte nicht bestimmt werden. Auf der Fläche des heutigen „Historischen Naturparks Sodegarten“ wurde spätestens ab dem 15. Jahrhundert Salz gesiedet, was auch archäologisch nachgewiesen werden konnte.

Die Salzgewinnung und ihr wechselhafter Erfolg 

Die Salzgewinnung hatte eine äußerst wechselvolle Geschichte, da sie von verschiedenen Pächtern mit unterschiedlichem Kapitaleinsatz und wechselndem Erfolg betrieben wurde. Mal befand sich der Betrieb technisch auf dem neuesten Stand, mal stand er kurz vor dem endgültigen Verfall. Große Schwierigkeiten bereitete der schwankende Salzgehalt der Quelle. Dazu kamen äußere Beeinträchtigungen, etwa durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Es liegen kaum Hinweise auf Gebäude bzw. technische Anlagen vor. Einige Reste konnten aber durch archäologische Ausgrabungen wiederentdeckt werden.

Spätphase der Saline

Etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts versuchte das Kloster Fulda, noch einmal den Salinenbetrieb zu beleben. Da das Kloster den „Sodegarten“ einschließlich der Quelle aufgrund von Besitzstreitigkeiten zunächst nicht nutzen konnte, wurden südlich der Lüder ein Gradierwerk und ein neues Sudhaus errichtet, bevor später auch der „Sodegarten“ übernommen werden konnte. Die damals errichteten Anlagen werden heute auf den Infotafeln beschrieben und in alten Karten dargestellt. Im Zentrum des Siedeplatzes befand sich der Brunnen. Die während der archäologischen Ausgrabung freigelegten Teile der Brunneneinfassung liegen heute wieder in der Erde und wurden obertägig nachgebildet. Die Brunneneinfassung war rechteckig, wobei die Seiten leicht ausgeschwungen waren, um dem Erddruck entgegen zu wirken. Eine durch Wasserkraft angetriebene Pumpanlage beförderte das Wasser zunächst in die  Brunneneinfassung und von dort weiter auf das westlich gelegene Gradierwerk. Dort lief das Wasser über Schwarzdornreisig, das mehrere Meter hoch aufgeschichtet war, wodurch sich mittels natürlicher Verdunstung sein Salzgehalt erhöhte. Dadurch konnte bei dem anschließenden Siedeverfahren Brennmaterial gespart werden.

Einige Steinfundamente südlich des Brunnens stützten das Widerlager des Wasserrads, während ein östlich gelegenes Kreuzfundament einen Hebebaum zum Wasserschöpfen getragen haben kann. Um genügend Wasser zum Betrieb des Pumpwerks zu erhalten, wurden zwei Kanäle gegraben, die sich unmittelbar vor dem Pumpwerk vereinigten.

Auch dieser letzte Versuch, einen rentablen Salinenbetrieb aufzubauen, hatte keinen dauerhaften Erfolg. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde in der bereits wieder verfallenden Saline eine kleine Siedeanlage von einer Witwe aus Großenlüder betrieben, die jedoch bald wieder aufgegeben wurde. Damit endete die etwa 900-jährige Salzgewinnung in Großenlüder.

Ende der Salzgewinnung im Sodegarten. Das Wasser der Quelle wurde weiterhin genutzt. Als St. Georgsbrunnen, im Volksmund auch Bauernbrunnen genannt, wurde aus ihm das ,,Hessische Bitterwasser“ für die Gemeinde Bad Salzschlirf gefördert. Diese erwarb 1850 (1815?) die Nutzungsrechte an der Salzquelle, bevor die Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf 1912 den Sodegarten samt Quelle kaufte. Dazwischen war 1899 den Bürgern von Großenlüder das Recht zur immerwährenden unentgeltlichen Wasserentnahme aus dem Brunnen eingeräumt worden. 1997/1999 kaufte die Gemeinde Großenlüder den „Sodegarten“ einschließlich der Quelle und ließ 2014 den „Historischen Naturpark Sodegarten“ anlegen, um an die örtliche Salzgewinnung zu erinnern, die viele Jahrhunderte die Entwicklung der Gemeinde maßgeblich mitbestimmt hatte.

Ausgrabungen Salzsiedeanlagen im Sodegarten bei Großenlüder 2013

Im Zuge der Neugestaltung des Geländes sollten durch archäologische Untersuchungen neue Erkenntnisse zu den alten Salzsiedeanlagen gewonnen werden. Tatsächlich wurden bei den 2013 von der Kreisarchäologie Fulda durchgeführten Ausgrabungen mehrere Salzsiedeplätze freigelegt, die bis ins späte 15. Jahrhundert zurückreichten. Zu den interessantesten Funden zählen eine alte Brunneneinfassung sowie ein Sudhaus mit mehreren Umbauphasen. zu dem Sudhaus gehören eine Salzsiedeanlagen, Trocknungsräume sowie Absetzbecken, die später zu einem Kellerraum umgebaut wurden. Die Überreste weiterer Siedeanlagen sowie eines Gradierwerks runden das Bild ab. Zu den großen Überraschungen der Ausgrabungen gehört die hohe Zahl an Fundstücken. Die zahlreichen Überreste von Ton und Glasgefäßen geben einen interessanten Einblick in den Hausrat des 16. bis 18. Jahrhunderts. Relieffierte Ofenkacheln ergänzen dieses Bild. Eine gläserne Destillierhaube sowie Glasflaschen und Glasröhrchen sind in das Umfeld einer Labor- bzw. Apothekenausstattung zu setzen. Schließlich wurden noch einige Silbermünzen entdeckt. Neben regionalen Prägungen aus Mainz oder Hanau liegen auch überregionale Exemplare aus England und dem Raum Salzburg vor.

Die freigelegten Mauerreste einer Siedestelle, eines Sudhauses und weitere Grabungsfunde wurden ausführliche dokumentiert und sind auf Infotafel im heutigen „Historischen Naturpark Sodegarten“ zu sehen. Die Fundstücke und die Dokumentation sind auch im Heimatmuseum zu sehen.