Ein Gasthof neben einem alten Kloster ist immer ein besonderer Anziehungspunkt und wenn das Hotel im Schwarzwald auch noch Schauplatz einer Verfilmung ist, wird das Interesse umso größer - so geschehen im Jahre 1929...
Mit der Erstnennung 1450 zählt sie zu den ältesten bezeugten deutschen Gasthöfen. 1495 bestätigte König Maximilian (Ewiger Landfriede), dass jeder Gast keiner anderen Gerichtsbarkeit unterstellt sei als derjenigen des Hirsauer Abtes Blasius. 1564 wurde die Herberge durch Brand zerstört und gleich wieder aufgebaut. 1861 erwarb Straßenbau-Inspektor Georg Heinrich Feldweg (1812-1895) den zweiflügligen Bau als Amts- und Wohnsitz, behielt aber das Recht, weiterhin einen Gasthof zu führen. Die Tochter Feldwegs heiratete 1888 den verwitweten Stuttgarter Verleger David Gundert, den Onkel von Hermann Hesse. Der Dichter hinterließ eine detaillierte Beschreibung über das „ehrwürdige alte Haus“ und sein Ambiente. Nach Eröffnung der Schwarzwaldbahn kehrten reichlich Sommergäste bei den „Feldwegs“ ein. 1925 erwarb die Gemeinde Hirsau den Bau und eröffnete das „Kurhotel Kloster Hirsau“. 1934 bohrte man in unmittelbarer Nähe nach Thermalwasser, dies verlief aber erfolglos und so blieb das Gebäude ein Sorgenkind mit wechselnden Pächtern. 1949 wurde das Hotel wiedereröffnet. Die Lage direkt an der Klosterruine ist einmalig.
1929 war Hirsau Schauplatz einer Filmproduktion, noch stumm und schwarz-weiß, basierend auf einer Operette von Leon Jessel, uraufgeführt 1917 an der Komischen Oper Berlin. Die Filmgesellschaft Merkur quartierte sich im Klosterhotel ein und verbreitete Großstadtflair. Die Naturaufnahmen von Bad Liebenzell, Triberg und Hirsau bildeten den reizvollen landschaftlichen Hintergrund, besonders das Hotel mit Kloster und Kurpark. Hauptrolle spielte Baronin Liane von Hämmerle-Haid, so ihr ganzer Name, als Schwarzwaldmädel Hanni, der Pflegetochter des Domkapellmeisters Römer. Die Titelheldin hatte mit ihren bisherigen
Kinofilmen das damalige Publikum begeistert. Nun drehte sie nicht nur in den Studios Berlins, sondern in den Tiefen des Nordschwarzwalds. Das Calwer Tagblatt berichtete darüber voller Stolz. Nach der Berliner Uraufführung wurde der Film 1930 im Calwer Kino gezeigt. Das Drehbuch stammte von Walter Reisch, einem österreichischen Autor, der u.a. Drehbücher für die Filme „Ninotschka“ mit Greta Garbo oder „Niagara“ mit Marilyn Monroe schrieb. „ Schwarzwaldmädel“ drehte sich um die Flucht der inzwischen feschen Schwarzwälderin vor dem Kapellmeister, der sich in sie verguckt hatte. In Berlin nach Arbeit suchend lernte sie einen jungen Großstädter kennen, mit dem sie große Pläne schmiedete. Er machte aber in Paris sein Glück und lernte andere Frauen kennen. Als er sich sehnsüchtig an seine Hanni erinnerte, war sie bereits wieder in ihre heimatliche Idylle zurückgekehrt. Reumütig suchte er sie in ihrem Schwarzwalddorf auf, musste aber einsehen, dass sie sich nicht in einer Großstadt wohlfühlen würde. So blieben sie für immer getrennt. Die damalige Filmkritik lobte das gute Zusammenspiel der Mitwirkenden in dieser Milieu-Schilderung: „Besonders lobenswert und wirkungsvoll gibt sich Liane Haid, so daß man zum Schlusse lebhaft bedauert, daß das Spiel schon aus ist.“ Das Bild zeigt sie in Elsässer Tracht. Der Bollenhut kam erst durch die Neuverfilmung 1950 mit Sonja Ziemann auf. Haid verbrachte ihren Lebensabend in der Schweiz und sagte einmal: „Man muss einfach gesund leben, nicht rauchen, nur mäßig trinken und möglichst lange nicht sterben.“ Sie wurde 105 Jahre alt.



































-1768312998.jpg)


