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[109] Helizena, Wiltrud u. Sankt Aurelius Kirche

Aureliuskirche
Copyright-Hinweis: Eberhard Bantel

Beschreibung

Helizena, Wiltrud und die Sankt Aurelius Kirche

Die sagenhafte Gräfin Helizena soll eine erste Abtei gestiftet haben. Das folgende Aurelius-Kloster verfiel, bis Gräfin Wiltrud für den Wiederaufbau sorgte. Später wurde es abgetragen, aber das Kirchenschiff blieb erhalten und wird von der Katholischen Gemeinde genutzt ...

Helizena-Sage (verkürzt)

Vor langer Zeit lebte eine reiche Gräfin mit Namen Helizena. Täglich bat sie Gott im Gebet, ihr einen Weg für die Verwendung ihres Reichtums zu zeigen. Eine Stimme sprach zu ihr: „Baue von deinem Geld eine Kirche dort, wo auf einer Lichtung drei Tannen stehen!“ Sie zog ins Tal hinab und fand die Stelle, weinte vor Freude und hängte ihr schönstes Kleid an einen Baum. Die Onkel, Grafen Egwart und Leupold, freuten sich mit ihr und stimmten zu. Wieder hörte sie die Stimme, sie solle Männer versammeln. Und wieder tat Helizena, wie ihr gesagt, und rief Mönche zu der Kirche…

Kirche aus vorkarolingischer Zeit?

1950 führte Erich Schmidt in der Aurelius Kirche Grabungen durch und fand innenliegende Grundmauern mit Säulen, aber ohne Querhaus, und „nicht weniger als 3 Bodenschichten übereinander“. Möglicherweise stammt sie aus vorkarolinigischer Zeit. Nach Albrecht Kottmann entspricht das zugrundeliegende Bau-Maß nicht dem römischen oder karolingischen, sondern ähnelt dem Baukörper von Lorsch. Diese erste Klostergründung
erfolgte vermutlich 764 und ein Jahr später wurden die Gebeine des Heiligen Nazarius feierlich dorthin überführt.

Wiltrud von Lothringen

Die Geschichte des Klosters Sankt Aurelius begann mit der Überführung
der Reliquie des Heiligen Aurelius aus Italien um 830. Für diese wurde bis 838 ein erster Bau fertiggestellt. In der nachfolgenden Zeit wurde aber das Kloster von den Calwer Grafen vernachlässigt, so dass es verfiel. Graf Adalbert II., der Neffe von Papst Leo IX., heiratete im Jahr 1049 Wiltrud, die Tochter Gottfrieds des Bärtigen. Sie und der Papst veranlassten, dass
Adalbert 1059 mit dem Wiederaufbau begann. Im Streit zwischen Kaiser und Papst über die Vertretung Gottes auf Erden und die Ernennung von Bischöfen und Äbten (Investiturstreit) wäre das Kloster 1077 fast zerstört worden. Nach dem Vorbild Clunys und zur Aktualisierung der Ordensregeldes Heiligen Benedikt führte Abt Wilhelm die „Hirsauer Gewohnheiten“ ein. In der Folge kam es zu einem ungeahnten Zulauf an Mönchen, so dass schon 1082 der Neubau des viel größeren Klosters Sankt Peter und Paul auf der anderen Nagoldseite begonnen wurde. Nach der Weihe der neuen Klosterkirche 1091 wurde das Aurelius-Kloster zunächst zum Priorat zurückgestuft und nach der Reformation in den 80er Jahren des 16. Jh. abgerissen. Durch weltliche Nutzung blieben das Mittelschiff und die Seitenschiffe bis zur Vierung erhalten. Dieser Torso wurde 1955 wieder geweiht und dient seitdem der Katholischen Kirchengemeinde als Pfarrkirche. Nach langer Odyssee sind wieder Teile der Gebeine des Heiligen Aurelius durch glückliche Umstände in die Kirche zurückgekehrt. Eine Bodenplatte im Mittelgang erinnert an das ursprüngliche Grab Bertholds I. von Zähringen (der Bärtige), gest. 1078.