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[107] Der Löwen - „Haus am Sonnenhang“

Gasthaus Löwen
Copyright-Hinweis: Eberhard Bantel

Beschreibung

Der Löwen - „Haus am Sonnenhang“

Der Löwen war um 1900 eines der ersten Gasthäuser am Platz, als sich Hirsau vom Kloster- zum Luftkurort wandelte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde bedarfsgemäß ein Erholungsheim für kriegsgeschädigte Kinder eingerichtet. 1977 war die Nachfrage aber so zurückgegangen, dass die Tradition als Gaststätte durch eine engagierte Unternehmerin wieder belebt wurde...

Der Löwen

Durch neue Zugverbindungen aus Pforzheim und Stuttgart in den 1870er Jahren strömten „Luftgäscht“ nach Hirsau und waren zumeist in Fremden-Pensionen oder Privatzimmern untergebracht. Um 1900 gab es etliche Gasthäuser, die man mit Pferdekutschen anfuhr. Zu den größten mit etwa 30 Gästezimmern zählte der Löwen. 1931 wurde König Alfons XIII., der Großvater von König Juan Carlos, auf seiner Deutschland-Reise bewirtet. Nach dem 2. Weltkrieg war der Löwen zeitweise von der Besatzungsmacht konfisziert. 1952 kaufte der Caritas-Verband das Hotel, um für kriegsgeschädigte Kinder ein „Kinderverschickungheim“ einzurichten.

Kindererholungsheim „Haus am Sonnenhang“

Oberin Theogenes, gelernte Kindergärtnerin, tat sich durch rege Bautätigkeit hervor. Zahlreiche An- und Umbauten, wie die Einrichtung einer Liegehalle, entstanden. Da die katholische Kirchengemeinde bis 1955 keinen eigenen Kirchenraum besaß, benutzte sie die in einem Gasthaus-Nebenzimmer eingerichtete Kapelle mit separatem Zugang. Jeden Sonntag um 8 Uhr war Gottesdienst, dem die Kinder über den Gastraum beiwohnten. 1958 kam Schwester Assumpta nach Hirsau. Sie vertrat das Heim nach außen, führte einheimische Kinder zur Kommunion und leitete einen gemischten Kinderchor, die „Klosterspatzen“. Vielen blieb ihre ungezwungene Art in guter Erinnerung. Der Heimerfolg wurde daran gemessen, ob die oft unterernährten Kinder Gewicht zulegten und eine gesunde Hautfarbe entwickelten. Die Erziehungsmethoden waren in der Nachkriegszeit nicht immer frei von unangemessener Härte. Dem wurde bisher kaum nachgegangen, obwohl Zeitzeugen Vorkommnisse schilderten. Der Caritasverband strebt daher eine Aufarbeitung an. Mit der Verbesserung der sozialen Verhältnisse nahmen die Heim-Belegungen immer mehr ab. 1977 wurde das Haus geschlossen und zum Verkauf angeboten.

Wieder Gasthaus zum Löwen

1978 kaufte Nevenka Stojkovic das Heim und richtete erneut eine Gast-Stätte mit Übernachtungsmöglichkeit ein. Dies war ein hohes
wirtschaftliches Risiko und erforderte viel Unternehmergeist. Schon 1966
kam „Nena“ aus Kroatien nach Deutschland und arbeitete im Rössle in
Calw. Dort erwarb sie das Rüstzeug, das sie brauchte, um viele
Jahrzehnte erfolgreich und mit Herzblut ihr Hotel zu führen. Ihr Credo
war: Hauptsache, die Gäste sind zufrieden! Die Gäste schätzen nicht nur
die hervorragende Gastlichkeit, sondern auch die familiäre Athmosphäre.