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[3] Pfarrkirche St. Georg

Pfarrkirche St. Georg Großenlüder
Ohne Beschreibung
Pfarrkirche St. Georg Großenlüder
Ohne Beschreibung
Pfarrkirche St. Georg Großenlüder
Innenansicht
Pfarrkirche St. Georg Großenlüder
Pfarrkirche St. Georg Großenlüder
Ohne Beschreibung

Beschreibung

Außenansicht und Innenausstattung der Pfarrkirche St. Georg

Die Pfarrkirche St. Georg besitzt im Grundriss die Form eines Kreuzes mit kurzen, breiten Querarmen. Die Westfassade gilt als einzigartig im Fuldaer Land. Zwischen vier Pilastern mit den Wappen der Fuldaer Stiftskapitulare von 1735 befindet sich das Hauptportal mit Segmentüberdachung und dem Wappen des Weihbischofs Amand von Buseck. Darüber liegt ein Rundfenster, flankiert von Figuren des Herz Jesu und Herz Mariä aus der Zeit um 1900. Den oberen Abschluss bildet ein Giebel mit Voluten und dem Wappen des Fürstabtes Adolph von Dalberg.

Der fünfgeschossige Glockenturm auf der Ostseite enthält Bauteile aus romanischer und gotischer Zeit. Charakteristisch sind Rundbogen- und Spitzbogenfenster verschiedener Epochen sowie der gotische Chor mit achteckigem Abschluss. Im Turm hängt ein Geläut aus sechs Glocken. An der Nordseite schließt sich die sogenannte karolingische Kapelle an.

Beim Betreten des Innenraums fällt die großzügige Weite auf. Die korbbogige Flachtonnendecke mit Stichkappen und Gurtbögen ruht auf Wandpilastern mit ionischen Kapitellen und reicher Ornamentik. Zwölf große Fenster mit Farbverglasungen aus den Jahren 1912–1914 zeigen unter anderem Darstellungen von Petrus und Paulus, der Dreifaltigkeit, der Heiligen Familie sowie Engelsmotiven.

Der barocke Hochaltar wurde 1740 von Franz Adam Weber geschaffen. Das Altarbild des Hofmalers Emanuel Wohlhaubter zeigt den Kirchenpatron St. Georg. Flankiert wird der Altar von großen Figuren des heiligen Benedikt und des heiligen Bonifatius. Die beiden Seitenaltäre aus Stuckmarmor stammen ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert. Der Kreuzaltar zeigt ein Kruzifix, der Marienaltar eine Darstellung der Geburt Christi. Weitere bedeutende Kunstwerke sind Gemälde Wohlhaubters sowie die Kreuzwegstationen von Johann Andreas Herrlein aus dem Jahr 1798.

Zu den wertvollen Ausstattungsstücken gehören außerdem ein Taufstein von 1501 mit Darstellung des heiligen Georg, mehrere neubarocke Holzfiguren aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie ein spätgotisches Vesperbild aus dem 15. Jahrhundert. Die Orgel geht auf einen Entwurf von Johann Markus Oestreich aus dem 18. Jahrhundert zurück und wurde später mehrfach erneuert.

Vom Altarraum führen Zugänge zum Turmuntergeschoss und zur gotischen Kapelle aus dem 13. Jahrhundert mit Kreuzgewölbe, Wandmalereien und Sakramentshäuschen. Die sogenannte karolingische Kapelle diente lange Zeit als Sakristei und wurde später restauriert. Sie beherbergt heute unter anderem einen spätgotischen Flügelaltar mit Darstellungen verschiedener Heiliger.

Die Pfarrkirche St. Georg vereint Bauelemente und Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten und stellt ein bedeutendes Beispiel barocker Sakralarchitektur im Fuldaer Land dar.

 

Geschichte der Pfarrkirche St. Georg in Großenlüder 

Die Geschichte der Pfarrei St. Georg Großenlüder beginnt im Jahr 822 n. Chr. mit der Weihe der ersten Kirche durch Fuldaer Mönche unter Abt Eigil. Das kleine Gotteshaus wurde auf klösterlichem Grundbesitz im damaligen „Ludera“ errichtet und der Gottesmutter Maria, dem Apostel Petrus sowie dem heiligen Sebastian geweiht. Mit diesem Bau gehört Großenlüder zu den ältesten Pfarreien im Fuldaer Land. Der ursprüngliche Bau hatte eine Größe von nur 7,50 m × 5,60 m und blieb rund 400 Jahre lang Mittelpunkt des religiösen Lebens.

Entgegen der häufigen Bezeichnung als „karolingische Kapelle“ handelt es sich bei dem heute sichtbaren Bau um einen spätromanischen Anbau, der vermutlich um 1185/86 entstand und später als Sakristei genutzt wurde. Mit wachsender Bevölkerung wurde um das Jahr 1220 eine größere Kirche im spätromanischen Stil errichtet. Der ursprüngliche Bau wurde dabei teilweise integriert. Vermutlich war diese zweite Kirche bereits dem heiligen Georg geweiht, dessen Verehrung im Mittelalter stark verbreitet war. Der Bau besaß eine Länge von etwa 26,40 m und eine Breite von 14,40 m und blieb bis ins 18. Jahrhundert hinein das religiöse Zentrum des Ortes.

Die heutige Pfarrkirche entstand zwischen 1731 und 1735 unter Leitung des Barockbaumeisters Andreas Gallasini. Der Neubau wurde vom Fuldaer Stiftskapitel angestoßen und sollte zugleich religiöse und repräsentative Bedeutung besitzen. Gallasini integrierte vorhandene Bauteile der älteren Kirchen, darunter Turm und Kapelle, in den Barockbau. Trotz wirtschaftlicher Bauweise führte der Bau zu finanziellen Belastungen und bereits im frühen 19. Jahrhundert wurden erhebliche Baumängel festgestellt. So musste 1810 die Turmspitze entfernt und provisorisch gesichert werden.

Erst im Jahr 1885 erhielt der Kirchturm eine neue Spitze. Auch in jüngerer Zeit wurden Schäden festgestellt: Untersuchungen ab 2018 zeigten erhebliche Mängel am Dachstuhl und Risse im Innenputz, die unter anderem auf feuchtes Bauholz und ungünstige Luftzirkulation zurückzuführen waren. In den Jahren 2021–2022 wurde die Kirche umfassend renoviert und zugleich modernisiert, unter anderem durch neue Licht- und Beschallungstechnik.

Heute verbindet die Pfarrkirche St. Georg Bauelemente aus verschiedenen Epochen und stellt ein bedeutendes historisches Zeugnis der regionalen Kirchen- und Baugeschichte dar.