Das Rathaus auf dem Lindenberg
Der Lindenberg fällt direkt am Ortseingang ins Auge und liegt gegenüber dem ummauerten Kirchengelände. Seit den Anfängen Großenlüders besitzt dieser Platz eine große Bedeutung für die Ortsgeschichte. Bereits nach 822 war das Dorf in mehrere Lehen aufgeteilt, wobei auch der Lindenberg verschiedenen Herren gehörte, unter anderem dem erstmals 1116 erwähnten Convent von Lüder sowie dem Centgericht. Auf dem Gelände des Gerichts befanden sich bis etwa 1840 der Richtersitz und Steinbänke für die Schöffen unter Lindenbäumen. Aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit als Basaltkuppe wurde der Lindenberg früher auch „Rabenstein“ genannt; vermutlich befand sich hier einst ein freistehender Basaltfelsen.
Bis 1517 fanden auf dem Lindenberg zweimal jährlich Gerichtstage statt, jeweils am 1. Mai (Walpurgis) und am 29. September (Michaelis). Auch ein Galgen stand hier vermutlich bis zum späten Mittelalter, bevor er 1570 an den außerhalb des Ortes gelegenen Galgenberg verlegt wurde. Mit dem Bau eines Amtshauses wurde das Gericht im Jahr 1517 in die Ortsmitte verlegt. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten Besitz- und Zuständigkeitsverhältnisse, bis das Gericht schließlich unter der Herrschaft des Stifts Fulda stand und erst mit der Säkularisierung 1803 endete.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden auf den Lehnsgrundstücken Fachwerkhäuser, die das Erscheinungsbild des Lindenbergs bis zum Großbrand vom 30. Januar 1903 prägten. Bei diesem Feuer wurden neun Wohnhäuser mit Nebengebäuden zerstört. Menschen kamen nicht ums Leben, jedoch verendeten zahlreiche Tiere. Der Brand führte dazu, dass der Lindenberg teilweise abgetragen und eingeebnet wurde, um Platz für Neubauten zu schaffen.
Die Gemeinde erwarb das Gelände und beschloss unter Bürgermeister Adam Möller den Bau eines neuen Schulgebäudes. Die Schule wurde im Stil der Neo-Renaissance errichtet und 1908 fertiggestellt. Sie verfügte über moderne Ausstattung, großzügige Klassenräume und eine Lehrerwohnung. Aufgrund des Bevölkerungswachstums nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude erweitert und bis 1981 als Grundschule genutzt.
Nach dem Neubau der Mittelpunktschule Lüdertalschule diente das Gebäude am Lindenberg zeitweise als Archiv, Museum, Arztpraxis und Altentagesstätte. Seit 1997 befindet sich dort die Gemeindeverwaltung im St.-Georg-Haus. Der Lindenberg wurde zudem gestalterisch aufgewertet, unter anderem durch einen Brunnen mit Reliefdarstellungen der Ortsteile. Heute wird der historisch bedeutsame Platz wieder als öffentlicher Treffpunkt genutzt, beispielsweise bei Veranstaltungen wie dem Martinsumzug.