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[16] ehem. Fayencemanufaktur

Beschreibung

In diesen Gebäuden befand sich von 1770 bis 1848 die Fayence- und Steingutmanufaktur Hubertusburg. 

Am 31. Mai 1770 erteilte Kurfürst Friedrich August III. dem Maler und Keramiker der Meißner Manufaktur, Johann Samuel Friedrich Tännich, die Erlaubnis zur Gründung einer Fabrik in den Gebäuden des ehemaligen “Deutschen Jägerhofes” (heute Klinikgebäude 81 - 88). Ihm wurde auch der Transport von Waren auf den Poststraßen, die sonst nur kurfürstlichen Belangen diente, gestattet. Tännich bekam genau vorgeschrieben, was er zu erzeugen hatte: "Oefen, Geschirre für die Nachtstühle, Kübel zur Orangerie, Blumenäsche, Barbierbecken, Tischkrüge, Tiegel, Tischblätte, Fließen und Kacheln aller Art, Kamine, Vasen, Nischenstatuen, Tiere und Vögel, Schwenkkessel und Bassins, Nachttöpfe (nur zu 6 Groschen), Waschbecken nebst Gießkannen (zu 16 - 18 Groschen), Teller (zu 5 Groschen), Tafelservice, Schreibzeuge, Bouillon- und Suppennäpfe", um Konkurrenzproduktion zur Porzellanmanufaktur Meißen zu vermeiden. Tännich betrieb die Manufaktur bis 1774 und legte den Grundstein für die Fayence- und spätere Steingutfabrik Hubertusburg, die bis 1848 bestand und bis zu 100 Familien Arbeit und Brot brachte.

Die Produkte wurden auf der Leipziger Michaelismesse 1771 ein großer Erfolg. 1776 übernahm der Kurfürst die Manufaktur selbst. Aufgrund seiner geringeren Festigkeit und des höheren Preises konnte das Fayence-Geschirr mit dem neu auf den Markt kommenden Steingut auf Dauer nicht mithalten. Man schwenkte um und begann ebenfalls mit der Produktion von Steingut. In Hubertusburg begann man, das Fabrikat mit der Bezeichnung “Queensware” aus Wedgewood (England) in Form und Farbe zu kopieren. Die Manufaktur in Hubertusburg hatte eine derart große Nachfrage, dass der Betrieb 1799 räumlich erweitert werden musste. 

Mit Beginn der Kontinentalsperre ab 1815 brach der Umsatz ein. 1834 verkaufte der sächsische König die Manufaktur und 1848 meldete das Unternehmen Konkurs an. Bei Bauarbeiten für das neue Heizhaus für das Klinikum Hubertusburg auf dem Gelände des ehemaligen Barockgarten wurden 1979 meterdicke Scherben-Bestände gefunden - die Konkursmasse und das Erbe der einstigen Steingutfabrik Hubertusburg.

Nach wechselnden Nutzungen dieser Gebäude befand sich hier von 1940 - 1941  das mit ca. 3000 Bewohnern größte aller Umsiedlungslager für Bessarabiendeutsche im Deutschen Reich.