Am Ende der Romantik kam es in Hirsau zu ungeahntem Tourismus. Das aufsteigende Bürgertum schätzte die Natur, die gute Luft im Nordschwarzwald und die neuen Eisenbahnlinien. Sogenannte "Pensions-Mütter" sorgten für gute Unterbringung, angenehme Aufenthalte und künstlerische Entfaltung...
Zwei ledige Töchter, Emilie und Julie, gelten als die ersten Pensions-Mütter Hirsaus. Sie führten ein Gästehaus im Klosterareal, das die Eltern schon betrieben. Erster Kurgast war der Student Georg Ebers aus Berlin. Er kam 1860 und war voll des Lobs über den Service und das Ambiente. Von Gelenkbeschwerden befreit, erwarb er später als Ägyptologe mit 18 Metern den längsten Papyrus medizinischen Inhalts von einem Grabräuber. Mitten in der ehrwürdigen Kloster-Anlage neben dem Uhrturm genossen die Gäste die besondere Atmosphäre und so fanden sich bald Malerinnen und Kunstliebhaber ein. 1903 hielt sich hier die bekannte Scherenschnitt-Künstlerin Luise Walther auf. Sie schuf filigrane Portraits schwäbischer Persönlichkeiten. Nach der Insolvenz seiner Handels-Kompanie richteten Paul Staelin und seine Frau Antonie im Gebäude eine „Sommerschule“ ein. Während sie Musik und Kunstliebhaber bewirtete, ging er seinem Hobby nach, der Malerei. Nach seinem Tod unterrichtete sie Mädchen im Kochen.
Eisenbahnverbindungen nach Stuttgart 1872 und Pforzheim 1874 belebten den Tourismus so, dass weitere Unterkünfte entstanden. Den Anfang machte Marie Mayr 1877 mit einem Neubau, der Villa Waldeck. Der Kaufmann Karl Wintgens baute 1880 ebenfalls eine Pension und nannte sie Villa Luise nach dem Vornamen seiner Frau. Seinen beiden unverheirateten Töchtern Anna und Frieda schuf er damit eine Existenz-Grundlage. Sie führten das Haus erfolgreich bis ins hohe Alter.
Um 1900 zog die Witwe eines Professors nach Hirsau und erwarb ein Haus, um Fremdenzimmer für Kurgäste einzurichten. Sie nannte es nach der legendären Gründerin einer ersten Abtei am Ort: Villa Helizena. Dieses Gebäude in der Uhlandstraße steht 2025 noch. Weiter vorne war die Villa Vogler. „Vornehme“ Leute fanden hier das ihnen gemäße Wohngebiet.
Der Klosterort war beliebter Ruhesitz, z. B. für Theologen. Nicht weniger als zehn, oder deren Witwen, wählten ihn für sich aus. Allmählich entstanden durch Neubauten und Erweiterungen von Gaststätten viele Fremdenzimmer, so dass im Jahr 1903 weit über die Hälfte der Kurgäste in sieben Gasthöfen Unterkunft fand. Besucher aus dem In- und Ausland schätzten die gute Schwarzwaldluft und die Ruhe im Kurgarten. 1913
errichtete Hirsau nach Entwürfen des bekannten Stuttgarter Garten-Architekten Albert Lilienfein den heute noch liebens- und sehenswerten Kurpark, benannt nach Königin Charlotte.



































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