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[104] Die Frauen im Hause Dr. Römer

Römerklinik Hirsau
Copyright-Hinweis: Eberhard Bantel

Beschreibung

Die Frauen im Hause Dr. Römer

Frauen arbeiteten schon immer in hauswirtschaftlichen und pflegerischen Bereichen eines Krankenhauses. Im 20. Jh. gab es aber immer mehr Ärztinnen, die inzwischen die Männer überholten. Die Klinik Dr. Römer ist ein Beispiel dafür, was Frauen leisten...

Frau „Sanitätsrat“

Am 3. Mai 1900 kam Margarita mit ihrem Mann, Dr. Carl Römer, und ihren beiden Söhnen Carlo und Helmuth in Hirsau an, zusammen mit einigen Patienten der kleinen Cannstatter Vorläufer-Klinik. In einem neuen Sanatorium im Schwarzwald mit intakter Natur versprach sich der Nervenarzt für seine Patientinnen und Patienten bessere Heilungschancen. Von Beginn an prägte seine Frau den Geist des Hauses, weil sie sich nicht nur um die eigene Familie, sondern auch um Gäste und Angestellte kümmerte. Junge Mädchen vom Ort lernten Kochen und Haushalten, Frauen arbeiteten in der Waschküche und der Bügelstube und Krankenschwestern kümmerten sich um die Patienten. Margarita war eine allseits geachtete Respektsperson und unternahm einiges mit Patientinnen und Patienten, wie das gemeinsame Lesen von guten Texten. Schließlich lag ihr die Familie sehr am Herzen.

Dr. Anna Kleemann

Frau Dr. Kleemann arbeitete nach dem 1. Weltkrieg im Sanatorium Hirsau, als Ärztinnen in Deutschland noch eine Ausnahme waren. 1918 schloss sie in Tübingen mit Studium und Promotion erfolgreich ab und engagierte sich in München in der Tuberkulose-Forschung. 1921 fing sie bei Dr. Carl Römer an, der sich auf Psychoanalyse, Psychosomatik und Parkinsonismus spezialisiert hatte. Sie war wissenschaftlich tätig, besonders auf dem Gebiet der Enzephalitis im Zusammenhang mit dem Parkinson-Syndrom, und arbeitete schließlich als Oberärztin. Von 1932-54 betrieb sie eine eigene Praxis als Fachärztin für Innere Medizin und Nervenkrankheiten.

Aidlinger Schwestern

Die Schwesternschaft des Aidlinger Mutterhauses war und ist ein verlässlicher Faktor für die Krankenpflege und Aufrechterhaltung des Betriebs. 1945 kamen die ersten Schwestern mit dem Fahrrad in Hirsau an. Sie erwiesen sich als Multitalente. So arbeiteten sie nicht nur auf Station, verabreichten Spritzen und waren im Labor oder in der Ambulanz tätig, sondern gestalteten auch Weihnachtsfeiern, musizierten und machten Ausflüge mit Patienten. Sie dachten mit und waren zur Stelle, auch bei angespannter Personallage. Es gibt ein Nebengebäude auf dem Klinikareal, das einigen Aidlinger Schwestern ab 1956 zu Wohnzwecken zur Verfügung stand.

Erika Römer-von Thellmann (1902-1988)

Als Tochter eines k.u.k-Offiziers debütierte Erika Römer-von Thellmann am Württembergischen Landestheater in Stuttgart. Als Ehefrau von Dr. Helmuth Römer und Mutter stand sie zu ihren familiären Aufgaben. Ihr Sohn Hans-Bernhard leitete später die Klinik. Da sie in der Kindheit ungarisch lernte, kamen auch ungarisch sprechende Frauen aus Nord-Serbien als Berufstätige in die Klinik. Auch sorgte sie dort singend und rezitierend für das Kultur-Programm. Frühzeitig trat sie im Stummfilm in Erscheinung und wurde in fortgeschrittenem Alter in zahlreichen Neben-Rollen zu einer sehr bekannten Figur des deutschen Spielfilms. Sie spielte, mit der Tendenz zur Komik, liebenswerte, oft auch etwas törichte oder weltfremde Damen. Mit etwa 160 Filmrollen gehörte sie zu den meist-beschäftigten Filmschauspielerinnen deutscher Sprache. Parallel dazu setzte Sie ihre Theaterlaufbahn fort und wurde 86 Jahre alt.