Das größere, überschwemmungssichere Kloster links der Nagold fing den Zustrom an Menschen auf. Reiche Adlige unterstützten materiell und politisch die Abtei. Tragischerweise wurde die Stätte auf Grund eines Irrtums niedergebrannt und als Steinbruch verwendet...
Judith (ca. 1045-91), Tochter von Adalbert I. von Calw, war verheiratet mit Hermann I. von Zähringen und brachte vermutlich das Gebiet um Baden-Baden in die Ehe ein. Ihr Mann schwor 1073 der weltlichen Macht ab und wurde Mönch in Cluny. Als er 1074 starb und der gemeinsame Sohn Hermann II. Markgraf von Baden wurde, blieb sie Witwe und ließ dem neu entstehenden Kloster Sankt Peter und Paul in Hirsau reiche Unterstützung zuteilwerden. 1082 begann man den Bau, weil das gegenüberliegende Kloster Aurelius infolge eines ungebremsten Zustroms zu klein geworden war. Bauherr war der 1069 nach Calw berufene Wilhelm von Regensburg, der aus Respekt und Kalkül erst nach dem Tod seines Vorgängers die Abts-Würde annahm. Er starb 1091, erlebte aber noch die Einweihung seiner Basilika, die zu den größten romanischen Kirchen des 11. Jh. in Deutschland gehörte. Auch Judith war zum Zeitpunkt der Weihe noch am Leben und hatte sich zu Papst Urban II. begeben, der vor der kaiserlichen Partei in Rom zu den Normannen ausgewichen war. Judith starb am 27. September 1091 in Salerno.
Uta (ca. 1115-97), Erb-Tochter des Pfalzgrafen bei Rhein, Gottfried von Calw, wurde bereits im Alter von 6 Jahren Welf VI. als Ehefrau versprochen. So wurde sie die dynastische Tante des späteren Kaisers Friedrich Barbarossa und Heinrichs des Löwen. Bis ins hohe Alter unterstützte sie das Kloster. Im Codex Hirsaugiensis werden ihre zahlreichen Stiftungen genannt. Ihre Statue im Kloster Lichtenthal erinnert an ihre Gründung des Klosters Allerheiligen bei Oppenau. Als Herzogin von Schauenburg verbrachte sie in der Orthenau ihren Lebensabend auf dem Erbe ihrer Mutter.
Hildegard (1098-1179) wirkte etwa zur selben Zeit als Kloster-Gründerin und ging als Heilkundige und Prophetin in die Geschichte ein. Hirsauer Mönche suchten bei der Äbtissin Rat, als es zum Beispiel darum ging, Abtrünnige wieder bei sich zu integrieren. Dies führte zur folgenden schriftlichen Stellungnahme von ihr: „O Schar, die du ruderst in der
schiffbrüchigen Welt, warum gehst du unter in den Gebrechen großer Gefahren stinkender Bosheit, die aus anmaßender Dummheit der Finsternis herrührt?“. Sie riet dazu, den Mönchen zu verzeihen und sie wieder in die brüderliche Gemeinschaft aufzunehmen.
Nach einer Phase des Niedergangs erlebte das Kloster Peter und Paul Mitte des 15. Jh., nach Anschluss an die Bursfelder Reformbewegung, einen Aufschwung mit erneut starkem Zulauf. Es wurde, bis auf die Kloster-Kirche, im spätgotischen Stil umgebaut, vermutlich durch Hans Sprys von Zaberfeld (1420–1507). Die geborene Kurpfälzerin Gräfin Mechthild von Württemberg (1419-82), in zweiter Ehe Erzherzogin von Österreich, förderte Literatur, Kunst und Bildung. Außerdem war sie eine großzügige Stifterin. 1468 vermachte sie Hirsau die Kirche und das Patronat von Böblingen mit allen Einkünften. Mit der Reformation 1517 wurde auch das Peter&Paul-Kloster aufgelöst und dort aus Steinen des abgebrochenen Aureliusklosters ein Jagdschloss errichtet. Württembergische Herzoginnen, wie Magdalena Sibylla, kurten und badeten in extra herbeigeschafftem Thermalwasser und sparten nicht mit Geschenken. 1692 wurde das Kloster im Pfälzischen Erbfolgekrieg in Brand gesteckt, vermutlich irrtümlich wegen des Schlosses. Im Innenhof der Ruine stand bis 1989 die Ulme von Ludwig Uhlands bekanntem Gedicht.



































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