Die Geschichte der Rothschilds in Wien reicht bis zur Ankunft von Salomon von Rothschild in der Hauptstadt des Habsburgerreiches im Jahre 1816 zurück. Er wurde enger Mitarbeiter und Finanzier des österreichischen Staatskanzlers Fürst Klemens von Metternich. Schnell stieg Salomon Rothschild zu einem der führenden Unternehmer Österreichs auf. Im Laufe der Jahre wurde der Name Rothschild zum Synonym für unvorstellbaren Reichtum. Dieses Bild diente sowohl als positives Symbol für eine jüdische Erfolgsgeschichte und philanthropisches Engagement als auch als negatives Klischee in der antisemitischen Propaganda. Diese stellte die Rothschilds als Vertreter einer internationalen Plutokratie und als Angelpunkt einer „jüdischen Weltverschwörung“ dar. Von Anfang an waren die Wiener Rothschilds in große politische, wirtschaftliche und soziale Konflikte verwickelt, mussten sich gegen Konkurrenten durchsetzen und wurden mit antisemitischen Stereotypen konfrontiert. Immer wieder traten sie aber auch für ihre unterdrückten und verfolgten Glaubensgenossen ein. Zahlreich waren die Bildungs- und Wohltätigkeitsstiftungen, die die Rothschilds sowohl für jüdische als auch für überkonfessionelle Einrichtungen ins Leben riefen. 1938 nahm die Gestapo Louis Rothschild fest und hielt ihn als Geisel, um den Rothschilds ihr gesamtes Vermögen abzupressen. Erst nach über einem Jahr wurde er aus der Haft entlassen und konnte in die USA emigrieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde den Wiener Rothschilds zwar ein Großteil ihres geraubten Vermögens restituiert, doch um eine Ausfuhrbewilligung für einen Teil ihrer Kunstwerke zu erhalten, mussten sie wesentliche Werke an österreichische Museen zwangswidmen. Sie wurden quasi ein zweites Mal beraubt. Erst 1999 wurden diese Zwangswidmungen restituiert. Aber die Geschichte der Rothschilds in Österreich geht weiter: Bis heute kämpft ein Rothschild-Enkel vor Gericht um die Zukunft der Stiftung seiner Vorfahren, die Nathaniel Freiherr von Rothschild’sche Stiftung für Nervenkranke, das heutige Neurologische Zentrum Rosenhügel. Ziel der Ausstellung ist es, Mythen und Vorurteile abzubauen, die Errungenschaften der Familie für die Stadt Wien und das Land zu unterstreichen und Spuren des materiellen und immateriellen Erbes der Rothschilds in Österreich zu untersuchen.
08. Dec 2021 - 10:00
Dorotheergasse 11
Wien
1010
Austria

Current event for "Jüdisches Museum Wien"

Die Wiener Rothschilds. Ein Krimi

08. Dec 2021 - 10:00 – 05. Jun 2022 - 18:00
Jüdisches Museum Wien

Die Geschichte der Rothschilds in Wien reicht bis zur Ankunft von Salomon von Rothschild in der Hauptstadt des Habsburgerreiches im Jahre 1816 zurück. Er wurde enger Mitarbeiter und Finanzier des österreichischen Staatskanzlers Fürst Klemens von Metternich. Schnell stieg Salomon Rothschild zu einem der führenden Unternehmer Österreichs auf. Im Laufe der Jahre wurde der Name Rothschild zum Synonym für unvorstellbaren Reichtum. Dieses Bild diente sowohl als positives Symbol für eine jüdische Erfolgsgeschichte und philanthropisches Engagement als auch als negatives Klischee in der antisemitischen Propaganda. Diese stellte die Rothschilds als Vertreter einer internationalen Plutokratie und als Angelpunkt einer „jüdischen Weltverschwörung“ dar.

Von Anfang an waren die Wiener Rothschilds in große politische, wirtschaftliche und soziale Konflikte verwickelt, mussten sich gegen Konkurrenten durchsetzen und wurden mit antisemitischen Stereotypen konfrontiert. Immer wieder traten sie aber auch für ihre unterdrückten und verfolgten Glaubensgenossen ein. Zahlreich waren die Bildungs- und Wohltätigkeitsstiftungen, die die Rothschilds sowohl für jüdische als auch für überkonfessionelle Einrichtungen ins Leben riefen.

1938 nahm die Gestapo Louis Rothschild fest und hielt ihn als Geisel, um den Rothschilds ihr gesamtes Vermögen abzupressen. Erst nach über einem Jahr wurde er aus der Haft entlassen und konnte in die USA emigrieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde den Wiener Rothschilds zwar ein Großteil ihres geraubten Vermögens restituiert, doch um eine Ausfuhrbewilligung für einen Teil ihrer Kunstwerke zu erhalten, mussten sie wesentliche Werke an österreichische Museen zwangswidmen. Sie wurden quasi ein zweites Mal beraubt. Erst 1999 wurden diese Zwangswidmungen restituiert. Aber die Geschichte der Rothschilds in Österreich geht weiter: Bis heute kämpft ein Rothschild-Enkel vor Gericht um die Zukunft der Stiftung seiner Vorfahren, die Nathaniel Freiherr von Rothschild’sche Stiftung für Nervenkranke, das heutige Neurologische Zentrum Rosenhügel.

Ziel der Ausstellung ist es, Mythen und Vorurteile abzubauen, die Errungenschaften der Familie für die Stadt Wien und das Land zu unterstreichen und Spuren des materiellen und immateriellen Erbes der Rothschilds in Österreich zu untersuchen.

Infos:
www.jmw.at

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