Vortrag: Dr. Jürgen Matthäus, Washington DC. Moderation: Klaus Hesse, Berlin Topographie des Terrors, Auditorium Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg Eintritt frei In den 1990er Jahren sorgte neben der „Wehrmachtsausstellung” auch die öffentlich geführte Debatte über die je nach Interpretation als „ganz normale Männer” oder „ganz gewöhnliche Deutsche” gesehenen Angehörigen des Hamburger Reserve-Polizeibataillons 101 dafür, dass Fotos von deutschen Tätern und Zuschauern des Holocaust breit diskutiert wurden. Generationswechsel und veränderte Sichtweisen brachten weitere Privatsammlungen und Nachlässe ans Licht, die erahnen ließen, wieviel Bildmaterial zur Judenverfolgung Polizisten, Wehrmachtssoldaten und andere Funktionsträger im „Dritten Reich” trotz Fotografierverboten angehäuft hatten. Gleich-zeitig hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Bilder keineswegs für sich sprechen, sondern der Ergänzung durch andere Quellen bedürfen. Der Vortrag versucht, anhand von erst jetzt zugänglichen Privatalben eines Angehörigen des Polizeibataillons 101 aus der Perspektive des Zeithistorikers zu beleuchten, welches Erkenntnispotential fotografischen Quellen dieser Art innewohnt und mit welchen Problemen sie behaftet sind. Jürgen Matthäus, 1959 geboren, ist Historiker und leitet die Forschungsabteilung am Jack, Joseph and Morton Mandel Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum, Washington, DC. Er ist Mitglied im Internationalen Beirat der Stiftung Topographie des Terrors. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Naziverbrechen. Täter, Taten, Bewältigungsversuche (2013, hg. mit M. Cüppers und A. Angrick), Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion, 3 Bde. (2011–2014, hg. mit K.-M. Mallmann, A. Angrick und M. Cüppers), Alfred Rosenberg. Die Tagebücher von 1934 bis 1944 (2015, hg. mit F. Bajohr) und Jewish Responses to Persecution, 1933–1946 (2017, mit E. Kerenji). Klaus Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.
14. Nov 2017
Niederkirchnerstraße 8
Berlin
10963
Deutschland

Aktueller Termin von "Topographie des Terrors"

Ghetto ohne Juden - Fotografien eines Angehörigen des Polizeibataillons 101 in Lodz, 1040/41

Topographie des Terrors 14. Nov 2017 – 14. Nov 2017

Vortrag: Dr. Jürgen Matthäus, Washington DC.
Moderation: Klaus Hesse, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

In den 1990er Jahren sorgte neben der „Wehrmachtsausstellung” auch die öffentlich geführte Debatte über die je nach Interpretation als „ganz normale Männer” oder „ganz gewöhnliche Deutsche” gesehenen Angehörigen des Hamburger Reserve-Polizeibataillons 101 dafür, dass Fotos von deutschen Tätern und Zuschauern des Holocaust breit diskutiert wurden. Generationswechsel und veränderte Sichtweisen brachten weitere Privatsammlungen und Nachlässe ans Licht, die erahnen ließen, wieviel Bildmaterial zur Judenverfolgung Polizisten, Wehrmachtssoldaten und andere Funktionsträger im „Dritten Reich” trotz Fotografierverboten angehäuft hatten. Gleich-zeitig hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Bilder keineswegs für sich sprechen, sondern der Ergänzung durch andere Quellen bedürfen. Der Vortrag versucht, anhand von erst jetzt zugänglichen Privatalben eines Angehörigen des Polizeibataillons 101 aus der Perspektive des Zeithistorikers zu beleuchten, welches Erkenntnispotential fotografischen Quellen dieser Art innewohnt und mit welchen Problemen sie behaftet sind.

Jürgen Matthäus, 1959 geboren, ist Historiker und leitet die Forschungsabteilung am Jack, Joseph and Morton Mandel Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum, Washington, DC. Er ist Mitglied im Internationalen Beirat der Stiftung Topographie des Terrors. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Naziverbrechen. Täter, Taten, Bewältigungsversuche (2013, hg. mit M. Cüppers und A. Angrick), Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion, 3 Bde. (2011–2014, hg. mit K.-M. Mallmann, A. Angrick und M. Cüppers), Alfred Rosenberg. Die Tagebücher von 1934 bis 1944 (2015, hg. mit F. Bajohr) und Jewish Responses to Persecution, 19331946 (2017, mit E. Kerenji).

Klaus Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.