Stadt.Land.Kultur. > Vöhringen >

[7] Die Obere Mühle in Illerzell

Ohne Titel
Ohne Beschreibung
Ohne Titel
Ohne Beschreibung

Beschreibung

Die Mühle hatte über Jahrhunderte ihren Standort am Mühlbach, etwas oberhalb des heutigen Zusammenflusses mit dem Wieland-Kanal. Sie bestand sicherlich schon vor 1373 und kann damit eine sehr lange Mühlentradition in Illerzell belegen.

Fritz Roth von Zell verkaufte 1373 „... die Burg, den Kirchensatz und alle Zugehörungen des Ortes sowie die Mühle oberhalb von Illerzell …“ an die Grafen von Kirchberg. Die nächste Erwähnung der Mühle datiert aus einem Streitprotokoll Fugger gegen Vöhlin aus dem Jahr 1569 „… uff die Mühle in Illerzell …“. In einer Ausfertigung einer Mühlordnung für das Herrschaftsgebiet der Fugger aus dem Jahr 1609 ist die Illerzeller Mühle wiederum erwähnt. Im Jahr 1691 trug der Pfarrer von Illerzell ins Sterbebuch den „oberen Molitor“, also den oberen Müller, ein, ohne einen Familiennamen zu nennen. Zu bemerken ist, dass es seit 1690 in Illerzell auch eine „untere Mühle“ gab, nach deren Bau es wohl eine Spezialisierung der beiden Mühlen gab. In der „oberen Mühle“ würde fortan nur noch Öl geschlagen und ein Trendelgang geführt.

Die erste namentliche Nennung eines Müllers findet man 1692 in den Matrikeln, als ein Johannes Schwehr erwähnt wird, der die Mühle an seinen Sohn Jakobus Schwehr, der wiederum an seinen Schwiegersohn Simon Schlager übergab. Erst als dessen Tochter Maria Schlager 1768 den Johannes Stegmann ehelichte, gab es einen Besitzerwechsel. Die damalige Öl-, Trendel- und Schleifmühle blieb über mehrere Generationen im Besitz der Familie Stegmann und hatte drei Wasserräder und 37 PS Gesamtleistung bei 93 cm Gefälle. Als 1869 der Wieland-Kanal fertiggestellt wurde, kam es in den Folgejahren immer wieder zu einem Wasserrückstau am Mühlbach, so dass die Mühle fast ihr gesamtes Gefälle verlor. Dieser Missstand war Nährboden für zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen dem Müller und der Verwaltung der Wieland-Werke. Als 1895 der damalige Besitzer Franz Joseph Stegmann verstarb, heiratete die Witwe Juliana Stegmann den Mahlknecht Anton Bucher und nach dessen Tod 1921 führte die Witwe Bucher die Mühle allein weiter. Dann verstarb 1926 die Altmüllerin Juliane Bucher und das Anwesen ging an den Sohn aus erster Ehe Franz Anton Stegmann. 

Dieser führte die Müllerei nicht weiter und verkaufte deswegen im Jahr 1934 zunächst 15 cm Wassergefälle, gleich 6 PS, an die Wieland-Werke in Vöhringen gegen eine Entschädigung von 12.000 RM. Im Jahr 1938 ging das Anwesen letztendlich durch Verkauf komplett an die Wieland-Werke über. 1941 ließ man das Mühlgebäude abbrechen, 1965 wurden schließlich auch die Wasserrechte übergeben. Im gepachteten Mühlenstadel richtete 1947 Erwin Weiß eine Glaserei, Schreinerei und Wagnerei ein, welche er bis 1969 betrieb. Zusätzlich hatte der Unternehmer Gerhard Straub dort von 1965 bis 1970 eine Modellschreinerei betrieben. 1971 war mit dem Abbruch des Mühlenstadels die letzten Reste der Mühle endgültig verschwunden.

1971 erstanden im Auftrag der Wieland-Werke auf dem Mühlengelände vierstöckige Wohngebäude für überwiegend türkisch stämmige Wieland-Gastarbeiter. Mit dem Zuzug dieser neuen Bewohner stieg 1973 im Vergleich zum Vorjahr die Bürgerzahl in Illerzell um mehr als 70 Personen von 537 auf 610 an.

600 Jahre lang ist der idyllische Ort am Mühlbach von einer Mühle und Mühlengeklapper geprägt worden, heute stehen dort die erwähnten vierstöckigen Wohngebäude, die 2025 renoviert und optisch aufgewertet wurden.