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[8] Die Pfarrkirche St. Ulrich Illerzell

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Beschreibung

Die Geschichte der Illerzeller Kirche reicht mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurück. Am 7. Mai 1373 kauft Graf Wilhelm von Kirchberg „die Burg, den Kirchensatz und die Vischenz zu Zelle samt allen Zugehörungen und einer Mühle oberhalb Zelle“ vom Ulmer Patrizier Fritz Roth.

Die älteste Kirche Illerzells hat wohl nach mündlicher Überlieferung in der Nähe des Schlosses auf der Westseite des Dorfes gestanden. Ob das stimmt ist ungewiss.

 

Der unmittelbare Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche stand, wenn auch etwas anders ausgerichtet, bereits am gleichen Platz auf der Ostseite des Dorfes. 

Wann diese Vorgängerkirche erbaut wurde, ist nicht bekannt. Die alte Kirche war „40 Fuß lang und 14 Fuß breit“ (etwa 11,5 x 4,1 m), also nur halb so groß wie die heutige Pfarrkirche. 

Laut Visitationsbericht hatte der untere Teil des Turmes eine ältere Bauphase und war nur 6 m hoch, der obere, jüngere Teil des Turmes wurde 1575 errichtet, 1592 musste das Kirchendach repariert und wiederhergestellt werden. Das lässt erahnen, das die Kirche schon einige Jahre gestanden hat. Sicherlich hatte die Kirche auch während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges gelitten. Immerhin überstand die Kirche, das Pfarr- und Mesner-Haus und vier weitere Häuser die schweren Jahre. Es waren nach 1648 nur noch drei Familien in Illerzell ansässig. Die Kirchengemeinde war arm, große Reparaturen an der Kirche waren auch in den nächsten Zeiträumen nicht möglich.

In den Jahren nach 1850 machten sich zunehmend statische Probleme bemerkbar. Die Nordwand musste mit Stützen gesichert werden, 1958 wurde durch Einziehen von Schlaudern der Dachstuhl repariert.

Am 22. Februar 1859 stürzte in Weißenhorn die Pfarrkirche während des Gottesdienstes ein und begrub die Gläubigen unter sich. Danach fühlten sich der Illerzeller Pfarrer Ambrosius Degenhart und seine Gemeinde in der baufälligen Kirche nicht mehr sicher und kein Gutachter wollte sich für ihre Standfestigkeit verbürgen. Die Schließung der Kirche wurde von der königlichen Baubehörde in Illertissen genehmigt. Am 2. März 1859 hielt Pfarrer Degenhart die letzte Messe. Die Illerzeller Pfarrkirche wurde geschlossen. Als Interimskirche diente der Pfarrstadel.

 

Im Jahr darauf genehmigte König Max II. für die Finanzierung des Neubaus eine Kollekte im ganzen Königreich. Weitere Mittel kamen von Schwäbischen Religionsfond und von der Gemeinde, die dafür Grund verkaufen musste. Die Entwürfe für den Kirchenbau sind vom Weißenhorner Maurermeister Joseph Deibler und dem königlichen Baubeamten in Illertissen, Emil Horstig d´Aubigny von Engelbrunner gefertigt. Entgegen der Pläne setzte sich Pfarrer Degenhart durch, die Sakristei, die hinterm Hochaltar geplant war, außerhalb der Kirche, an die Südwand anzubauen.

Mit dem Abbruch der alten Kirche wurde im Juli 1861 begonnen. Das Fundament der neuen Kirche wurde im März des darauffolgenden Jahres gesetzt. Die Arbeiten wurden bis dahin in unentgeltlichen Handdiensten von den Illerzeller Bürgern selbst geleistet, dann aber an die Maurermeister Salzgeber und Eberhardinger aus Buch und Illertissen vergeben.

Im September 1863 wurde der Dachstuhl aufgerichtet, bis zum Mai 1864 war der Bau fertiggestellt.

Die neue Pfarrkirche wurde am 30. Juni 1864 benediziert. Die Weihe der Kirche fand allerdings erst am 18. Mai 1867 statt.

Der Erbauer der Illerzeller Pfarrkirche, Pfarrer Ambrosius Degenhart, hat sein großes Werk nur noch wenige Jahre überlebt. Er starb am 21. November 1867 im Alter von 52 Jahren. Eine schlichte Gedenktafel an der Ostseite der Kirche erinnert an ihn.

 

Die neue Illerzeller Pfarrkirche ist eine Hallenkirche mit Turmfassade im neogotischen Stil. Sie misst 22,75 x 10,20 m. Der Eingang führt durch den, vom Boden bis zur Kreuzspitze des spitzen Helms 34,2 m hohen, zweigeschossigen Turm. Der Saal ist 7,55 m hoch und hat eine flache Decke. In seiner Westhälfte steht auf vier Holzstützen eine 3,40 m tiefe Empore, an seiner Ostseite erweitert hinter dem spitzbogigen Chorbogen der eingezogene, dreiseitig schließende Chor den Innenraum. Der Chor hat eine Länge von 7,70 m und eine Breit von 6,60 m. Sein Fußboden liegt zwei Stufen über dem des Saales. Er ist von einer Stichkappentonne überwölbt, die beinahe die Höhe des Saales erreicht. Die sechs Fenster des Chores haben spitze Bogen, die 14 Fenster des Saales runde. Die Sakristei ist südlich an den Chor angebaut.

Die heute den Raumausdruck prägende Bemalung der Innenwände mit neogotisch anmutender Dekorationsmalerei entstand bei der Renovierung in den Jahren 1988/89, angelehnt der Malerei von Albert Heinle aus der Renovierung im Jahr 1900, deren Spuren wieder aufgedeckt werden konnten. Ein Deckenbild des Münchner Malers Johann Michael Schmidt aus der Renovierung von 1939, das in der „Schlacht auf dem Lechfeld“ zum Teil martialische Szenen zeigte, wurde bei der Renovierung 1988/89 wieder entfernt. Das Deckenbild des Chores aus dem Jahr 1939 blieb erhalten.

Die Kirchenmöbel wurden unmittelbar nach Fertigstellung des Kirchenbaus gefertigt. Der Hochaltar wurde von Schreinermeister Karl Heinle in Hegelhofen gefertigt.  Das Altarbild zeigt den Hl. Ulrich und wurde 1864 vom Bregenzer Maler Jakob Liberat Hundertpfund geschaffen. Die Seitenaltäre sind dem Hauptaltar entsprechend aufgebaut, allerdings etwas kleiner. Die Altäre waren ursprünglich grau gefasst, die rote Fassung geht auf die Renovierung im Jahr 1939 zurück. Die Kanzel wurde von Schreinermeister Nagenrauft in Krumbach entworfen und gefertigt.

 

Von den älteren Ausstattungsstücken kann die im rechten Seitenaltar stehende Muttergottes zweifelsfrei dem Vorgängerbau der Illerzeller Pfarrkirche zugewiesen werden. Sie wurde 1510/15 in der Werkstatt des Ulmer Bildhauers Nikolaus Weckmann geschnitzt. Die am Korb der Kanzel stehende Figur des Hl. Ulrich wurde ursprünglich dem Bildhauer Christoph Rodt zugeschrieben, stammt aber eher aus dessen Umfeld um 1620/30. Das an der rechten Langhauswand hängende Kruzifix kann stilistisch in die Zeit zwischen 1630 und 1680 datiert werden. Eine versilberte und vergoldete Reliquie des Kirchenpatrons St. Ulrich entstand im 18. Jahrhundert. Die Figur des Hl. Joseph auf dem linken Seitenaltar stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Im Kirchturm hängt noch eine aus der Vorgängerkirche stammende kleine Glocke, die dem Ulmer Meister Johannes Fraedenberger (1530-1552) zugeschrieben werden kann. Bis 1908 hing noch eine weitere alte Glocke im Kirchturm, die 1750 vom Patronatsherrn Adam Fugger gestiftet und von Gottlieb Korn in Ulm gegossen wurde. Sie ersetzte eine älter, die 1742 zersprungen war. Bis auf die kleine alte Glocke mussten die Folgeglocken zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Seit der Neubeschaffung und Glockenweihe im Jahr 1949 hängen wieder drei Glocken im Turm und läuten im „Gloria-Motiv“ Es, F und As.