Kein Thema hat in den 1980er Jahren die Gemüter der Vöhringer Bevölkerung mehr erhitzt als die Diskussion um die Zukunft des Gasthauses „Zum schwarzen Adler“ und des Adlersaals. Erbaut wurde es in der Wannengasse 19 im Jahr 1913 von dem Brauereibesitzer Georg Lepple. Geplant hatte den Neubau der Münchner Architekt Franz Xaver Huf (1878-1973), ein Vertreter der sogenannten „Heimatkunstbewegung“.
Im Oktober 1920 erwarb die Gemeinde Vöhringen den neuerbauten Gasthof. Im Erdgeschoss eröffnete die erste Apotheke Vöhringens, das erste Obergeschoss wurde als Gemeindekanzlei genutzt, die Gaststätte wurde verpachtet. Im Jahr 1927 verkaufte die Gemeinde den „Adler“ wieder und die Gemeindekanzlei wurde in einen Schulsaal verlegt.
Nach 1945 wurde der Adlersaal als Tanzlokal stark frequentiert und galt in der näheren und weiteren Umgebung als „Eheanbahnungsinstitut“. Häufige Pächter- und Mieterwechsel bezüglich der Wohnräume hatten dem Gebäude im Laufe der Jahrzehnte stark zugesetzt. Schließlich erwarb die Stadt Vöhringen im November 1979 den „Adler“ vom Allgäuer Brauhaus. Sie beabsichtigte, ihn von der Denkmalliste streichen zu lassen, um einem Abriss und damit einer Verbindung von der Bundesstraße 19 zur Illerstraße den Weg frei zu machen. Eine Bürgerinitiative brachte dieses Vorhaben zu Fall.
Ende 1989 beantragte die Stadt Vöhringen schließlich die Sanierung und Erweiterung des Gasthofs zu einer kulturellen Begegnungsstätte. Der Saalanbau wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Kulturzentrums „Wolfgang-Eychmüller-Haus“ im Jahr 1990 abgerissen. Vorbildlich restauriert dient der ehemalige Gasthof als Heimstätte dreier örtlicher Vereine. Heute wird die Gaststätte unter dem Namen „Colosseum“ im Kulturzentrum betrieben.










