Ab 1913 wurde in Vöhringen, dem starken Bevölkerungszuwachs geschuldet, die neue Stadtpfarrkirche St. Michael erbaut. Entworfen hat diese, nicht nur für Vöhringen so bedeutenden Kirche, der Münchner Architekt Franz Zell (1866–1961). Er hatte zuvor schon die Aufgabe erhalten, den neuen Friedhof mit Leichenhaus und Friedhofskapelle an der Ulmer Straße zu planen, und auch schon zwischen 1910 und 1912 die Gsöll-Schule, zusammen mit dem Architekten Franz Xaver Huf, erbaut. Der Friedhof, 1908 fertiggestellt, fand 1910 in der „Süddeutschen Bauzeitung“ eine großartige Würdigung. Franz Zell war nicht nur Architekt und Professor an der Baugewerkschule, sondern auch Volkskundler und als solcher war er 1902 an der Gründung des Vereins für Volkskunst und Volkskunde in München beteiligt gewesen.
Nach Übergabe der Kirche für den gottesdienstlichen Gebrauch 1915, folgte im Jahr 1919 die Ausstattung des Innenraums. Kein geringerer als der Münchner Maler und Freskant Waldemar Kolmsperger d. Ä. (1852–1943), der zuvor die Deckenfresken in der Klosterkirche in Roggenburg neu geschaffen hatte, bekam den Auftrag für die Deckenfresken in Vöhringen. Die dekorative Malerei wurde von Franz Zell selbst entworfen und von Georg Fuchs aus München ausgeführt. Am 16. Mai 1920 wurde die Kirche durch den Augsburger Bischof Maximilian Lingg geweiht.
Im selben Jahr setzten in der regionalen und überregionalen Presse die Lobeshymnen für die Gestaltung ein. Zweifelsfrei ist den an diesem Bau Beteiligten, vor allem unter der Leitung des Architekten, ein großartiges Werk der „Heimatkunst“, mit starken Anklängen zum Neubarock, gelungen. Die Kirche passt zum Gesamtkonzept von Kunst und Architektur, welches man in Vöhringen im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts verfolgte.










