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[9] Die Schule in Illerzell

Beschreibung

Bis um 1800 hatte Illerzell keine Schule. Die Gemeinde hatte nur 100 Einwohner, darunter 16 Kinder, die in den Wintermonaten vom Mesner unterrichtet wurde. 1804 wurde erstmals der Mesner und Weber Johann Glocker als Lehrer angestellt. Er unterrichtete in seiner Wohnstube, genau so wie sein Sohn Joseph Glocker, der ihm als Lehrer nachfolgte.

Als 1837 in Illerzell ein Pfarrhof mit Stall und Stadel gebaut wurde, wurde in den Stadel ein „Schullokal“ eingebaut. Lehrer Glocker unterrichtete dort in engen Verhältnissen bis zum seinem Tod 1863, wie auch seine Nachfolger im Amt. Noch immer konnte sich die Gemeinde keinen Schulhausbau leisten.

Retter in der Not war der Müller Joseph Eberle. Er bot der Gemeinde das ihm gehörige Privathaus mit der damaligen Hausnummer 5 gegen billiges Entgelt zum Kauf an. Pfarrer Johann Babtist Kraus beantragte Zuschüsse, die Gemeinde verkaufte Grundstücke und mit großzügigen Spenden privater Wohltäter konnte das Gebäude zum Schulhaus mit Lehrerwohnung umgebaut und 1873 fertiggestellt werden.

Nachdem nach 1900 die Schülerzahl stetig gestiegen und mit Schülerzahlen über 50 zu rechnen war, beschloss die Gemeinde im Jahr 1912, das bisherige Schulhaus als Armenhaus zu nutzen und dafür im geräumigen Schulgarten ein neues Schulhaus zu erstellen. Dem Plan und Kostenvoranschlag des Architekten Xaver Huf aus München wurde im August 1913 zugestimmt. Schon im September erhielt die Gemeinde die Zustimmung der Regierung und so konnte noch im gleichen Jahr mit den Arbeiten begonnen werden. Bis zum Herbst 1914 war der Bau fertiggestellt.

Aufgrund der guten Finanzierung und der hohen Inflation in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg konnten die Schulden der Gemeinde großen teils mit entwertetem oder gänzlich wertlosem Papiergeld getilgt werden. Illerzell ist somit zu einem günstigen und für damalige Verhältnisse modernen Schulhaus mit Lehrerwohnung gekommen.

Bis in die fünfziger Jahre war das Illerzeller Schulhaus ausreichend groß aber durch den Zustrom von Heimatvertrieben und Arbeitern musste für die sechziger Jahre mit bis zu 70 Schülern gerechnet werden. Eine Teilung der Schule war dringend nötig. Den notwendigen Schulsaal gewann man durch den Einbau in die Lehrerwohnung in den Jahren 1960/61. Gleichzeitig erstellte die Gemeinde auf dem Schulhofgelände einen Neubau mit Lehrerwohnung und Diensträumen für die Gemeindeverwaltung. Im Mai 1961 wurde die Schule zweiklassig.

Als im Jahr 1967 im Zuge der Neuordnung des bayerischen Volksschulwesens die Aufhebung der Zwergschulen beschlossen wurde, mussten die Jahrgänge 4 bis 8 ab dem Schuljahr 1967/68 in die Schule nach Vöhringen, die Jahrgänge 1 bis 3 blieben noch bis 1971 in Illerzell. Mit der Eingliederung der Gemeinde Illerzell nach Vöhringen im Jahr 1972 endet auch die Schulgeschichte des Ortes.

Im Schulgebäude ist inzwischen die Städtische Kneipp-Kindertagesstätte „Pusteblume“ untergebracht. 1981 wurde das Schulhaus entsprechend umgebaut und in den 90er-Jahren erweitert. Durch einen Anbau und Sanierung im Jahr 2006 hat Illerzell heute eine moderne Kindertagesstätte und viel Platz im ehemaligen Schulhof.

Wie Jahrzehnte zuvor, ist heute im ehemaligen Schulhaus wieder „Leben in der Bude".