Stadt.Land.Kultur. > Vöhringen >

[5] Der Fährbetrieb an der Iller

Beschreibung

In den Jahren 1862/63 begann Anton Spitz mit dem Aufbau eines Fährbetriebes an der Iller. Er selbst arbeitete zunächst als Taglöhner, dann in seinem Beruf als Zimmermann, seine Frau Apollonia steuerte die Fähre. Nach 1900 übernahm sein Sohn Alois und dessen Frau Viktoria den Fährbetrieb. Nach dem plötzlichen Tod der Eheleute im Jahr 1914 lenkten die älteren der 12 Waisenkinder die Fähre über die Iller. 1921 heiratete der älteste Sohn Alois (II) Spitz und übernahm den Fährbetrieb.

Eine Fahrt kostete sechs, später zehn Pfennig, für die fuggerschen Forstleute und Jäger wurde eine Jahrespauschale bezahlt. Mittel eines über den Fluss gespannten Drahtzuges, an dem eine Glocke hing, konnte der Fährmann gerufen werden.

Zu den regelmäßigen Kunden zählten die Bewohner des Wochenauer Hofes und der Gemeinde Dorndorf, für die die Fähre der kürzeste Weg zum Bahnhof nach Senden war. Häufiger Gast war der Schuster Matthäus Willbold von Dorndorf, gebürtiger Illerzeller, der regelmäßig mit seinen Flickschuhen auf der bayerischen Seite der Iller unterwegs war.

Bei Hochwasser war der Fährbetrieb zu gefährlich und eingestellt, die Stege waren auch nicht passierbar. Trotz der Gefahr fuhren die wagemutigen „Spitz-Buben“ oftmals durchs reißende Wasser und sammelten Treibholz. Glücklicherweise ist es bei diesen waghalsigen Fahrten nie zu einem Unfall gekommen.

Gelegentlich transportierte der Fährmann mit seinem Schiff auch Holz und andere Güter über den Fluss. Nach dem Bau der Illerbrücke in Vöhringen blieben die Fahrgäste aus, der Fährbetrieb wurde um 1930 eingestellt.