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[23] Küssaburg

Beschreibung

Die Küssaburg

Die Geschichte von Lauchringen ist in vielfacher Hinsicht mit der auf dem 629 m hohen Küssenberg gelegenen Küssaburg, früher auch als Schloss Küssenberg bezeichnet, verbunden.
Über die Erbauung der Burg auf dem im 9. Jahrhundert (seit 876) urkundlich genannten Küssenberg liegen keine Erkenntnisse vor. Die geografischen Gegebenheiten und die damit verbundene strategische Bedeutung legen die Wahrscheinlichkeit nahe, dass hier, wie auf dem Hornbuck bei Riedern am Sand oder unterhalb von Berau sich eine vor- oder frühgeschichtliche Fliehburg befand, deren Graben auch der späteren Burg als Halsgraben diente, und die Römer zur Sicherung der über den Bergsattel bei Bechtersbohl von Windisch nach Schleitheim und weiter bis Rottweil führenden Militärstraße einen Wachturm auf der Berghöhe errichtet hatten.

Die urkundlich belegbare Vergangenheit beginnt erst mit der Erwähnung des Geschlechts der Herren und seit 1177 Grafen von Küssaberg im Jahr 1135, in deren Besitz die Küssaburg bis zum Verkauf an den Konstanzer Bischof Heinrich II. von Tanne (1233 – 1248) durch den Letzten des Geschlechts, Graf Heinrich III. von Küssenberg, in der Zeit zwischen 1239 und 1245 und dessen zwischen 1245 und 1251 erfolgtem Tod blieb. Unter bischöflich konstanzischer Herrschaft wurde der im Osten angelegten Vorburg im Jahr 1346 von Bischof Ulrich III. (1345 – 51) das Stadtrecht verliehen. Vermutlich geht die in der Landgrafschaft Klettgau sonst nirgends anzutreffende Bezeichnung Schultheiß für den Ortsvorgesetzten von Bechtersbohl auf den einstigen Schultheiß der Vorburg oder Stadt Küssaberg zurück. Diese zum Teil bereits von den Bauern zerstörte Vorburg wurde jedoch beim Ausbau der Burg (1525 – 29) nach dem Bauernkrieg aus waffentechnischen Gründen niedergelegt, das zur 1360/70 erwähnten Kaplanei gehörige Haus nun in Dangstetten („Pfaffenhuus“) erbaut und die Kaplanei Küssaberg mit der Verpflichtung, wöchentlich eine Messe in der Schlosskapelle zu lesen, der 1622 von den Grafen von Sulz gestifteten Pfarrei Oberlauchringen einverleibt.

Zusammen mit den Dörfern Dangstetten, Küßnach, Reckingen und Rheinheim, später auch Bechtersbohl, bildete die Küssaburg die Herrschaft „Küssenberger Schloss und Tal“.

Die Bischöfe von Konstanz als Besitzer von Burg und Herrschaft verpfändeten diese abwechselnd an eine Reihe von Adeligen oder ließen sie durch Burgvögte verwalten wie durch den 1410 als Bischof abgesetzten Albrecht Blarer.

Im Jahr 1497 wurden die Grafen von Sulz unter Bischof Hugo von Landenberg (1496 – 1529 und 1531/32) Pfandherren der Burg und setzen Johann Jakob von Heidegg als Burgvogt ein. Nachdem die Eidgenossen im Schweizerkrieg von 1499 im April des gleichen Jahres die Burg mit schwerem Geschütz bedrohten, ergab sich die Besatzung kampflos, doch kam die Küssaburg nach dem am 22. September 1499 geschlossenen Frieden von Basel wieder an das Haus Sulz.

Die unter Graf Rudolf von Sulz nach der Bedrohung im Bauernkrieg zu einer wehrhaften Festung ausgebaute Küssaburg fand einen angesichts ihrer Bedeutung und gewaltigen Anlage unwürdigen Untergang, als die kaiserliche Besatzung sie beim Anmarsch schwedisch-französischer Soldaten im Jahr 1634 in Brad steckte und dem Feind überließ, ein Zerstörungswerk, das wenige Jahrzehnte später durch einen 1664 erfolgten Bergsturz vollendet wurde.

Dem zunächst geplanten Wideraufbau der Burg standen vor allem der Mangel an den hierfür erforderlichen Mitteln der Landgrafen und je länger desto mehr auch der schwindende strategische Wert der Bergfestung entgegen.

Durch zwei Jahrhunderte diente die Ruine den umliegenden Gemeinden zur Versorgung mit Baumaterial, weil der Abbruch dort bequemer und billiger als in den Steinbrüchen war. Aber auch zu öffentlichen Bauten wurden unter der Herrschaft der Fürsten von Schwarzenberg (1687 – 1812) und des Großherzogtums Baden Quadern von der Küssaburg geholt, bis seit 1855 „manches zur Verbesserung der Burgruine“ vom Staat als Eigentümer in Angriff genommen und die Burg vor weiterem Verfall geschützt wurde. In Oberlauchringen wurde 1883 ein „Küssenberg-Verein“ mit dem Ziel der Restaurierung und Verschönerung der Küssaburg gegründet, dem auch der aus Schleitheim stammende Schriftsteller und Heimatforscher Samuel Pletscher (1838 – 1904) angehörte, der eine Geschichte der Küssaburg veröffentlichte, die 1924 in 2. Auflage von Heimatdichter Ferdinand Hasenfratz von Untereggingen (1858 – 1943) bearbeitet wurde.

Erst in der Zeit von 1933 bis 1939 wurde die Burganlage planmäßig freigelegt, vor allem nachdem der 1934 ins Leben gerufene Küssaburgbund sich dieses Anliegens annahm.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Küsaburgbund dank der Initiative von Landrat Wilfired Schäfer (1912 – 1973) im Jahr 1956 neu gegründet. 1978 ging die Küssaburg aus der Hand des Landes Baden-Württemberg unter Landrat Dr. Norbert Nothhelfer in den Besitz des Landkreises Waldshut über.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde seit 1981 das Burgtor mit Brücke, einer Zugbrücke mit Torturm restauriert.

Quelle: 
Brigitte Matt-Willmatt/Karl-Friedrich Hoggenmüller: Lauchringen. Chronik einer Gemeinde