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Grundlagenwerk zur jüdischen Geschichte vorgestellt

23. Apr 2019
Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Reges Interesse erfreute sich am 10. April die Präsentation des neuen kikut-Heftes, das als Sonderheft der jüdischen Geschichte Stavenhagens gewidmet ist. Zu ungewohnter Stunde am späten Nachmittag waren viele Interessierte aus Stavenhagen, Teterow, Malchin und aus der näheren Umgebung der Einladung des Museums gefolgt, darunter zahlreiche Repräsentanten von Stadtvertretung und Stadtverwaltung, auch Lehrer und Schüler der Reuterstädter Gesamtschule.

Kikut steht im Besonderen für plattdütsche Literatur un för Nahrichten ut de Reuterstadt. Und ganz allgemein für Ausschau und Umschau. Das ist der Anspruch, der auch mit dem neuen Themenheft eingelöst wird, das wegen seines Formats etwas aus dem Rahmen fällt; mit gutem Grund übrigens.

Zu den Sonder- bzw. Themenheften des kikut gesellt sich nun Michael Häckers Beitrag zur jüdischen Geschichte Stavenhagens. In  mehrfacher Hinsicht besonders, ist die Arbeit die erste größere und umfassende Veröffentlichung zu diesem wichtigen Teil der Geschichte Stavenhagens. Sie geht dabei weit über die großen Linien hinaus. Die zurückhaltende Betitelung soll aber auch deutlich machen, daß  mit dieser Veröffentlichung ein Anfang gemacht ist, dem noch umfänglichere Arbeiten und Spezialuntersuchungen folgen sollen.

Das erloschene jüdische Leben in Stavenhagen bleibt beispielsweise in Reuters Werken sichtbar und erfährt Wahrnehmung vor allem in der Begegnung und Auseinandersetzung von Einwohnern und Gästen Stavenhagens - darunter viele Schüler - mit diesem Teil unser Geschichte. Die so glücklich wiedererstandene Synagoge setzt ein besonderes, weithin wirksames Zeichen. Zur Eröffnung im Juni 2017 entstand in Zusammenarbeit des Vereins Alte Synagoge e.V. und des Fritz-Reuter-Literaturmuseums eine in der Synagoge dauerhaft gezeigte Ausstellung. Sie war Anlaß für diese Veröffentlichung. Ursprünglich als Begleitheft bzw. Katalog angelegt, ist daraus ein Kompendium entstanden, das grundlegende Informationen zu Anfängen, Entwicklung, Struktur, Alltag und der beklemmenden Zerstörung jüdischen Lebens in Stavenhagen und Mecklenburg liefert. Dabei bekommen einstige Bewohner, ja, Mitbürger dieser Stadt Namen und Gesicht, werden in Erinnerung gerufen. Zugleich wird uns vor Augen geführt, wie anfällig das gewachsene Miteinander war.

Besonderes Anliegen der engagierten Mitglieder des Verein Alte Synagoge e.V., des Fritz-Reuter-Literaturmuseums und insbesondere des Verfassers und Bearbeiters Michael Häcker war es, daß mit dieser Publikation eine Vielzahl von Quellen und Dokumenten aufbereitet und vorgelegt wird, zusammengetragen aus Archiven und Privatbesitz. Der weitaus größte Teil wird in den Sammlungen des Museums und hier ganz überwiegend in den Beständen des Historischen Stadtarchivs bewahrt. Im Heft sind die Originaldokumente (z.B. Briefe, Aktenmaterial, Zeitungsausschnitte) meist lesbar bildlich wiedergegeben, durch die jeweilige Signatur gekennzeichnet und - zum besseren Verständnis und als Grundlage für die erhoffte Auseinandersetzung - auch in transkribierter Form wiedergegeben.

So ist dieses Heft auch als Arbeitsmaterial für die Schüler der Reuterstädter Gesamtschule gedacht. Ein Klassensatz wurde von Schulleiter Lutz Trautmann gleich in Besitz genommen; erste Projektideen sind schon im Gespräch.

Für seine Arbeit gebührt Museumsmitarbeiter Michael Häcker, der in Fachkreisen bereits hohes Lob erhielt, Dank und Anerkennung. Viel Applaus bekam er auch für seinen Vortrag "Zur Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Entwicklung der Stadt Stavenhagen". Mit kaum bekannten Details, Namen und Zahlen stellte er grundlegende Forschungsergebnisse zur "Stadtwerdung" Stavenhagens im späten 18. und 19. Jahrhundert vor, die noch über die "frische" Publikation hinausgingen und unbedingt veröffentlicht werden sollen.

Das kikut-Sonderheft "Zur jüdischen Geschichte der Reuterstadt Stavenhagen" (84 Seiten, Großformat, ISBN 3-910030-15-7) ist für 9 Euro im Fritz-Reuter-Literaturmuseum erhältlich.

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