Aktuelle Museums-News von: "Museum Hohe Schule Herborn"

Bildungsgut für Europa: Die Herborner Encyclopaedia des Johann Heinrich Alsted von 1630

21. Jun 2018
Museum Hohe Schule Herborn

Am 25.Juli 1818, vor 200 Jahren, verordnete die nassauische Landesregierung in Wiesbaden die Errichtung des Evangelischen Theologischen Seminars in Herborn. Im Vorjahr hatte man bestimmt, dass die Hohe Schule Herborn zwar aufgehoben sei, ihre theologische Fakultät jedoch als Seminar fortbestehen solle. Seit 1818 findet hier im Anschluss an das Hochschulstudium die Fortbildung für den evangelischen Pfarrerberuf statt, inzwischen für das Kirchengebiet von Hessen und Nassau. Die historische Verbindung des Seminars mit der Hohen Schule besteht nicht zuletzt darin, dass die Hohe Schule einen Schwerpunkt in der Pfarrerbildung hatte. Zu deren Instrumenten gehörten auch die von Johann Heinrich Alsted herausgegebenen Nachschlagewerke. Die Folge seiner eigentlichen Enzyklopädien begann mit einem Druck von 1620, für den er 1618, vor 400 Jahren, die Genehmigung des Herborner Senats eingeholt hatte. Die Krone seines Werks war die Encyclopaedia von 1630, die ein enormes Verbreitungsgebiet erreichte und ein großes, vielstimmiges Echo fand. Von unserer heutigen Warte aus wird man kaum vermuten, dass ausgerechnet im 17.Jahrhundert ein solches Werk, das seine Herkunft aus dem Reformiertentum an keiner Stelle verleugnete, international und überkonfessionell Anerkennung und Verwendung fand. In unserem eigenen zerrissenen Zeitalter beschäftigt man sich seit einiger Zeit mit guten Gründen mit dem Zeitalter der Encyclopaedia, das von einer Klimakatastrophe („Kleine Eiszeit“) ebenso, wie von zahlreichen politischen Katastrophen gequält wurde. Während die Medien voll sind von den Gräueln des Dreißigjährigen Krieges ist es an der Zeit darüber nachzudenken, wie die Zivilisation in Europa dann doch überlebte und welche Kräfte dafür wirkten. Im düsteren Jahr 1629 verfasste Alsted das Vorwort seiner Encyclopaedia. Er legte sie dem Leser im Namen von civilitas und humanitas in die Hände. Gute Sitten und Menschlichkeit garantieren ein gutes Miteinander, das „Gekläff der Ideologen“, wie es Alsted nannte, verderben es. Seine Encyclopaedia war ein Leuchtturm guter Bildung für viele in düsterer Zeit. Daran soll erinnert werden.   

Die Ausstellung ist bis 15. November 2018 zu sehen.

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