… eine der höchsten Backsteinkirchen Norddeutschlands.
Pfarrkirche St. Marien
Ehemalige Hauptkirche der Stadt. Dreischiffiger Hallenbacksteinbau von elf Jochen aus dem 14. und 15. Jh. Vom Gründungsbau des 13. Jh. ist das aus Feldsteinen gefügte Untergeschoss des quer-rechteckigen Turmes erhalten. Weiter bauliche Veränderungen wurden im 15., 18. und 19. Jh. vorgenommen. Aus den Jahren 1866 und 1885/89 stammen u.a. der östliche Stufengiebel, die Seitengiebel am Turm sowie der achtseitige Helm.
Von den ehemals 6 mittelalterlichen Kirchen der Stadt ist heute nur noch eine intakt erhalten, die St. Marienkirche. Die ehemalige Hauptkirche der Stadt. Das Gotteshaus hat eine wechselvolle Geschichte und zahlreiche architektonische Eigenheiten. Die Pfarrkirche St. Marien ist eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Besucher der Stadt nimmt den hohen Kirchturm schon aus der Ferne wahr.
Man nimmt an, dass das Gründungsjahr der ersten St. Marienkirche etwa um 1248 lag. Stadtgründungen waren meist mit der Errichtung von katholischen Gotteshäusern verbunden.
Als größte, zunächst katholische Kirche der Stadt wurde im 14. und 15. Jahrhundert die heutige mächtige dreischiffige, elfjochige, auf Rippen kreuzgewölbte Backsteinhallenkirche gewaltigen Ausmaßes unter Verwendung des Vorgängerbaues aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut. Die Grundmauern der Vorgängerkirche stellen den Feldsteinunterbau des heutigen Westturmes dar, der noch 44 regelmäßige Feldsteinquaderschichten hoch sichtbar ist. Sie sind im Innern der Kirche rechts vom Haupteingang in einem Kellerraum mit mittelalterlichen, schlecht erhaltenen Fresken, ebenfalls zu erkennen. Die Kirche wurde in sechs Abschnitten über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten unter Festhaltung eines einheitlichen Planes errichtet.
Im Jahre 1295 war die Stadt bereits Sitz des katholischen bischöflich-havelbergischen Propstes; in einer Urkunde von 1295 wurde Propst Nikolaus von Friedland erwähnt. Der Propst betreute zeitweise 81 Kirchgemeinden. Wohnsitz des Propstes war ein Haus an der Ecke der heutigen Schulstraße/Riemannstraße. Dieses älteste Pfarrhaus Friedlands hieß noch lange „Propstei-Stelle".
1429 wurde aus Mitteln der Kirche eine Orgel in der Kirche installiert und ein Anbau an der Südseite der Marienkirche errichtet.
Die Reformationsbewegung in Friedland begann im Sommer 1525 mit Predigten eines Augustinermönchs aus dem Kloster Anklam, mit Namen Henning Kruckow. Er fand unter den Einwohnern der Stadt großen Anklang. Aber Magistrat und der katholisch-bischöfliche Vertreter in Friedland Heinrich Hasse verboten die Predigten. Es kam zu Bürgerauseinandersetzungen; der katholische Priester Liborius Schwichtenberg inszenierte in den Jahren 1525 bis 1527 stürmische Bewegungen gegen die Reformationsbestrebungen in der Stadt. Im Jahre 1527 musste er die gegen ihn aufgebrachte Stadt verlassen.
1532 wurde auf Bitten von Bürgern der Stadt an Herzog Heinrich V. Georg Behrenfeld als erster evangelischer Prediger in der Stadt eingesetzt.
Während des 30-jährigen Krieges wurde Tilly mit seinen kaiserlichen Truppen vom schwedischen König Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen besiegt. In dieser Schlacht fiel König Gustav Adolf. Den Leichnam des Königs überführte man in die Heimat. Auf dem Transport dorthin hat der Sarg mit dem Leichnam eine Nacht über in der Marienkirche gestanden.
Der Große Brand 1703 zerstörte die Marienkirche bis auf das untere Mauerwerk. Im Juni 1709 begann der Aufbau der durch den Brand zerstörten Marienkirche. Angesehene Bürger und Ratsmitglieder hatten Spendengelder in den umliegenden deutschen Kleinstaaten gesammelt. Im August 1711 konnte Richtfest gefeiert werden. Im November 1714 wurde die neu aufgebaute Marienkirche feierlich eingeweiht; 1744 der Bau der großen Orgel vollendet.
Die Kirche umgab, wie in jenen Zeiten üblich, ein Kirchhof. 1803 wurden die alten Kirchhofmauern in der Stadt zwischen Marienkirche und Gelehrtenschule auf Grund eines herzoglichen Erlasses niedergerissen. Man verwendete die Steine als Einfassung für einen neuen Friedhof vor dem Steintor. Während der napoleonischen Kriege 1806/1808 wurde in der St. Marienkirche trotz Beschwerden der Bevölkerung ein französisches Munitionsdepot eingerichtet. 1807 diente die Kirche als Gefangenenlager für schwedische Gefangene.
Die Friedländer Kirche war während des gesamten 19. Jahrhunderts der größte Grundbesitzer der Stadt. Die Kirchenhufen wurden parzellenweise gegen Entgelt an Bürger der Stadt verpachtet. Außerdem gehörte der Kirche das Kirchdorf Sandhagen bei Friedland.
Im Januar 1810 wurde die St. Marien-kirche nach Wiederherstellung des Innenraumes infolge der zweckentfremdeten Nutzung während der Kriege durch die Franzosen feierlich wieder eingeweiht. Von der Kriegsentschädigung, die die Stadt 1820 erhielt, erhielt unter anderem die Marienkirche neue Glocken, von denen heute noch die zwei kleineren existieren, die 1994 in Bayern restauriert wurden.
Im Frühjahr 1835 begann der Schmied Ernst Sauer aus Schönbeck mit dem Bau einer neuen Orgel. Die Einweihung dieser Orgel fand zum Reformationsfest 1835 statt. 1838 verkaufte Ernst Sauer seine Schmiede in Schönbeck, zog nach Friedland und eröffnete hier eine Orgelbauwerkstatt. Schmied Sauer war der Vater des bekannten Orgelbauers Wilhelm Sauer (1831 in Schönbeck geboren). Unter dessen Regie verließen annähernd 1100 Orgeln unterschiedlicher Größen den von ihm später in Frankfurt/Oder gegründeten Betrieb.
Im Jahre 1934 wurde die vom Orgelbauer Sauer 1905 für Berlin-Zehlendorf gebaute Orgel nach Friedland in die Marienkirche umgesetzt.
Der Baukörper erlebte mancherlei Veränderungen und Erweiterungen im Laufe der Jahrhunderte. Im Zuge umfassender Instandsetzungen 1866 wurden der östliche Stufengiebel und die Seitengiebel am Turm in Backsteinmauerwerk erbaut.
1876 erhielt die Kirche eine Glocke mit einem Gewicht von 4029 kg von der Fa. C. Voss & Sohn in Stettin.
1885 wurde der provisorisch erbaute Kirchturm der St. Marienkirche abgebrochen und von 1885 bis 1887 die heutige Turmspitze der Kirche neu errichtet. Über dem Giebel der Kirche erhebt sich nun die hohe achteckige Turmpyramide mit dem in Goldglanz strahlenden Turmknopf und Kreuz. Die Fenster, mit denen die Turmspitze versehen ist und die eine außerordentlich weite Fernsicht erlauben, sind senkrecht eingesetzt und haben über sich ein kleines Dach. Die vormaligen Pultdächer sind in Satteldächer verwandelt und mit einem schöngearbeiteten schmiedeeisernen Firstgitter geschmückt. Die hohe Turmspitze ist mit Schiefer gedeckt. Im Jahre 1887 war der Turmbau soweit vollendet, dass der Turmknopf mit einem Durchmesser von 80 cm und das 3 m hohe Kreuz enthüllt werden konnten. Alles ist aus Kupfer gearbeitet worden. Die Gesamtkosten des Baus beliefen sich auf 100.000 Mark. Der schlanke Turm ist mit Turmkreuz genau 91 m hoch.
In den Jahren 1888 und 1889 wurde der nach dem großen Brand von 1703 nur in Fachwerk ausgeführte Chorgiebel heruntergenommen, mit reichen neogotischen Verzierungen aus Kirchenmauersteinen wieder hochgezogen und mit einem Klingturm und acht Staffeltürmen geschmückt. Die Kirche ist heute mit einem geraden Chorschluss in Backsteinrohbau und einem gleich breiten kreuzrippengewölbten, querrechteckigen Westbau mit stattlichem Portal in Feldsteinquaderbau bis zur Schifftraufe versehen.
1942 schmolz man die berühmte Glocke der St. Marienkirche der Stadt aus dem Jahr 1876 für Kriegszwecke ein.
Im April 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, vermuteten die angreifenden Kräfte der Roten Armee Beobachter in der Stadt. Sie feuerten Granaten auf herausragende Ziele in der Stadt ab. Dabei wurde auch der Turm der Marienkirche getroffen.
In den Jahren 1947 bis 1950 wurde die Ruine des ersten Pfarrhauses in der ehemaligen Kaiserstraße gegenüber der Kirche zur sogenannten Winterkirche der Marienkirche ausgebaut.
1971 deckte man die Kirche neu ein und ergänzte die in der Turmkugel befindlichen Dokumente aus den Jahren 1860 bis 1887 durch neue Dokumente aus neuerer Zeit. Die über die Stadt hinaus berühmte Sauerorgel der Kirche wurde generalüberholt und im August 1991 wieder eingeweiht.
Vor der Nordseite der Marienkirche wurde 1993 anlässlich des 200. Geburtstages von Heinrich Arminius Riemann, einst Pfarrer an der Marienkriche, auf Initiative der Mecklenburger Landsmannschaft ein Ehrenmal zum Gedenken an H.A. Riemann eingeweiht.
Als Eingang dient heute an der Westseite das breite, dreimal abgestufte Granitportal mit stumpfem, fast rundbogigen Spitzbogen. Über dem Portal befindet sich ein Fenster mit gleichseitigem Spitzbogen.
Eingänge führen an der Nordseite zwischen dem 2. und 3. Joch als einflügelige Tür und zwischen dem 6. und 7. Joch das Nordportal als zweiflügelige Tür ins Innere der Kirche.
Nicht unerwähnt bleiben sollen Zeugen des mittelalterlichen Aberglaubens sein, die neben dem früheren Portal rechtsseitig in Kniehöhe zu sehen sind. Gemeint sind kleine schälchenförmige, in den Backstein geriebene Vertiefungen. Fünf dieser Vertiefungen sind am Nordportal des Kirchenschiffs festzustellen. Sie stammen noch aus der katholischen Zeit der Kirche, denn von nachreformatorischen Kirchenbauten sind solche Schälchen nicht bekannt.
Bekannt ist aber, dass Ziegelmehl und auch Staub aus Kirchen in der mittelalterlichen Volksmedizin Verwendung fand. Es wurde unter Speisen und Viehfutter gemischt und Kranke „pusteten" das Fieber in solche Schälchen, um zu genesen.
Der Umstand, dass im Ostteil fünf bis sieben Heiligen-Nischen eingemauert sind, macht ebenfalls die Existenz als katholische Vorgängerkirche bis zur Reformation deutlich.
In der Kirche finden Gottesdienste und, vor allem in den Sommermonaten, vereinzelte Konzerte statt.
Den großen Stadtbrand zum Ende des II. Weltkrieges glücklicherweise fast unbeschädigt überstanden, prägt sie bis heute das Stadtbild Friedlands.
J. Sch. Museum Friedland 2026
































