Stadtmauer und Wallanlage
Vredeland schützte sich nach der Gründung 1244 mit einer festen, hölzernen Palisadenmauer, starken Holztoren, breiten Gräben und hohen Erdwällen.
1304 beurkundete Heinrich II. der Stadt das Recht der Befestigung mit steinernen Mauern und Toren. Dies war die Grundlage für die Errichtung der noch heute in weiten Teilen erhaltenen und restaurierten Wehranlagen der Stadt. Nach der Fertigstellung umschloss die gesamte Stadt eine Mauer aus Feldsteinen. Sie war etwa sechs Meter hoch. Davor wurden bis zu acht Meter tiefe Wassergräben gegraben. Im Abstand von 50 m wurden in die Stadtmauer 29 viereckige oder halbrunde Wiekhäuser eingebaut, von denen noch heute einige erhalten sind. Die Wiekhäuser waren stadtwärts offen und feldseitig aus der Mauer herausgebaut.
Nach und nach wurden drei Stadtore errichtet. So ab 1304 das Treptower Tor, am Übergang über die Datze. Das Vortor und der Zingel waren hier über die Datze vorgeschoben. Im 30-jährigen Krieg geschleift, wurde durch Blitzschlag das Tor 1781 weiter beschädigt. 1802 erfolgte der Abriss durch einen Friedländer Bürger, der sich aus den gewonnenen Ziegelsteinen ein Wohnhaus in der Stadt errichtete. Ebenfalls wurde ab 1304 das Steintor (heute Anklamer Tor) errichtet und bis 1450 das Burgtor (heute Neubrandenburger Tor) in Stein ausgeführt. Stein- und Burgtor waren mit Doppeltoren im Zingel und mit Zugbrücken versehen. Außerdem wurden in die nördliche Stadtmauer ein Fangelturm eingebaut.
Die Umwallung im Südosten der Stadt, zur Niederung des Hagedorn hin, zwischen den beiden noch heute erhaltenen Toren war, da hier das feste Land bis an die Stadt herantrat, durch insgesamt vier Wälle und tiefe Gräben gesichert. Auf dem ersten Wall steht die Stadtmauer. Der vierte, der Schusterwall, ist später mit dem Aufkommen des Pulvers und der Feuerwaffen zirka 130 m weiter vorgeschoben worden. Die Höhe der Wälle über der Grabensohle betrug ursprünglich 8 m. In der Westseite der Stadtmauer, unweit am Anklamer Tor, befand sich ein Pulverturm, zur sicheren Unterbringung der Schießpulvervorräte der Stadt.
Im Jahre 1453 überfielen die Pommern das Land Stargard. Dabei zogen die Pommern über die Pasewalker Landstraße nach Friedland. Zur Abwehr des Angriffs staute der Archenmeister das Wasser der Datze vor dem Treptower Tor, sodass sich die Wallgräben bis dicht unter die Kronen füllten. Die Pommern versuchten in einer Nacht das tiefe Wasser am Burgtorzingel durch eine Brücke zu überwinden. Von den nächsten Wiekhausbesatzungen wurden die Pommern samt ihrer Brücke in den Graben zurückgeworfen. Von dieser Zeit an führte der äußere Graben am Burgtor den Namen „der Sturzgraben", durch Wortverstümmelung entstand der Begriff „Struzgraben". Trotz achttägiger Belagerung der Stadt durch die Pommern konnten sie die Stadt nicht einnehmen.
Im Januar 1824 schuf man im südlichen Wallteil, am heutigen Volkshaus, einen einfachen Mauerdurchbruch, um durch eine Fußgängerpassage den Bürgern einen schnelleren Weg zu den Stadtwällen und dem alten Friedhof auf dem Gertraudenkamp zu ermöglichen. Dieser Durchbruch wurde im Volksmund „Pariser Tor" genannt und zwar nach dem Schneider Paris der diesen Durchgang des Öfteren nutzte, um zu seiner Stammgastwirtschaft auf dem Stadtwall zu kommen.
Bis Oktober 1847 war es den Bürgern der Stadt nicht erlaubt, die Wallanlagen vom Burg- zum Steintor, den sogenannten Bürgermeisterwall, zu betreten. Hier hatten die beiden Bürgermeister der Stadt Weiderecht für ihre Kühe. Am 1. Oktober 1847 haben die beiden Bürgermeister den Bürgermeisterwall für 200 Taler an die Bürger der Stadt abgetreten.
Im Westen schützte die Stadt der Mühlenwall. Als Stauwall geschüttet, staute er mit Hilfe eines Wehres an der Wassermühle das Wasser der nördlich an der Stadt vorbeifließenden Datze westlich der Stadt, zum Mühlenteich. Die Wallkrone ist hier heute durch künstliche Aufschüttung stark verbreitet worden, um eine Straßentrasse zu schaffen.
Der nördliche Teil der Stadtmauer schob sich dicht an die Datze heran. Hier schützte nur eine Wallböschung und Pallisaden die Innenstadt. Bis in die 90-er Jahre des 19. Jahrhunderts war die Stadtmauer auch hier in ursprünglicher Höhe vorhanden; sie wurde erst danach bis zur Brusthöhe abgetragen. Im Kriegsfall konnte der Archenmeister mittels der Stauanlagen am früheren Schützenhaus die Altermannswiesen überfluten. Der Wall ist an der nördlichen Seite über das Datzetal hinaus etwa 250 m als Bollwerk in Gestalt des Eichenwalls und des Treptower Walls vorgeschoben. An der Datzefront hatte die Stadtmauer keine Wiekhäuser. Der Fangelturm wachte hier über das Land und schützte auch den Eichen- und den Mühlenwall vor eventuellen Angreifern. Vor dem Eichenwall befand sich bis ins 20. Jahrhundert ein Graben, der von den Bürgern als der „schwarze Graben" bezeichnet wurde, weil in ihm das schwarz aussehende Abwasser der damaligen Eisengießerei Roeser von der Salower Straße aus abgeleitet wurde. Auch dieser Graben wurde nach 1945 mit Schuttmassen aufgefüllt.
Über den heute nicht mehr vorhandenen Schützenwall im Osten der Stadt führte die Befestigung an das Steintor heran und schloss den Verteidigungsring.
Von den errichteten Wällen und Gräben sind nur zwei, zur stark befestigten Seite Richtung Hagedorn, in ihrer Mächtigkeit noch erhalten. Trotz verschiedener Einebnungen mit Bauschutt nach 1945 konnte die vollständige Beseitigung der Gräben durch den Einfluss von Denkmalpflegern im Einvernehmen mit der mecklenburgischen Landesregierung noch zu Zeiten der DDR verhindert werden. Heute sind die Wallgräben teilweise noch 4-5 m tief.
Bis zum Ende des II. Weltkrieges waren weite Bereiche der Stadtmauer noch intakt. Durch Vernachlässigung und durch Abriss für wichtige Bauprojekte, wie dem Bau von Garagen, verschwand viel von der mittelalterlichen Wehranlage. Ab Mitte der 1980-er Jahren wurde dann doch noch versucht, die Reste der Stadtmauer zu sichern. Eine kreislich geleitete Denkmalpflegebrigade wurde aufgestellt, die nun auch an der Stadtmauer Reparaturarbeiten durchführte. Nach der Wende 1990 versuchte man durch ABM-Maßnahmen weiterhin die Stadtmauer weiter zu sanieren, was aber durch fehlende Expertise der Ausführenden zu keinem akzeptablen Ergebnis führte. Mit Hilfe von weiten Fördermitteln und professionellen Baubetrieben konnten in der Folgezeit dann doch etliche Bereiche der Stadtmauer für die Zukunft gesichert werden.
Die heute parkartig gestalteten Wallanlagen laden zum Spaziergang ein und sind vor allem für die Vogelwelt ein wertvolles Habitat.
J. Sch. Museum Friedland 2026
































