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[13] Fischerburg

Fischerburg
Im aktuellen sanierten Zustand, Örtlichkeit für die Kultur.
Sanierung
Sanierungsarbeiten Anfang 1980-er Jahre.
Umbau
Der Jugendklub des Heimatmuseum Friedland hilft bei Umbau- und Sanierungsarbeiten an der Fischerburg.
Fischerburg
Kaiserstraße am Bürgerhospital. Den Endpunkt bildet die Fischerburg. ca. 1915
Fischerburg und Warmwasserbadeanstalt
Fischerburg als Wohnstätte ca. 1910.
Fischerburg
Fischerburg feldseitig, 1903.
Mühlenwall mit Fischerburg
Blick über den Mühlenwall zur Fischerburg im Winter, 1870.
Fischerburg mit Zingel
Fischerburg mit Zingelbau auf dem Mühlenwall. Zeichnung 1875.
Fischerburg
Stadtseitige Ansicht der Fischerburg, 1862.

Beschreibung

Fischerburg und slawische Burg

Fischerburg

Im 15. Jh. ausgebautes rechteckiges Gebäude aus Backstein, Bestandteil der Stadtbefestigung. Stadtseits ist die Fischerburg durch einen Backsteingiebel mit gotischer Blendarchitektur geschlossen und auf der Feldseite mit einer schönen frühgotischen Fassade in reichem weiß gekalktem Putzblendenschmuck ausgestattet. Die Fensterdurchbrüche stammen aus dem 19. Jh.

Die Fischerburg war anscheinend ein vierter Torzugang zum Stadtgebiet im Mittelalter. Hinter diesem Zugang lag die alte Burganlage, die schon vor der Stadtgründung bestand. Dieser Bereich verblieb im Eigentum der Mecklenburgischen Fürsten, als Herren über Land und Stadt. 

Die Gebäude in diesem Bereich dienten wahrscheinlich im Mittelalter auch als Münzstätte. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war die Friedländer Münze bereits tätig. 1343 wurde erstmals in Friedland gültiges Geld, „Moneta Vredelandensis", urkundlich erwähnt. 1391 wurde ein Claus Voß als Münzmeister und ein Mann namens Ghereke als Münzer in Friedland genannt. Am 14. November 1439 erließ Herzog Heinrich IV. von Mecklenburg für das Land Stargard eine Münzordnung. Die Stadt Friedland erhielt hierdurch das offizielle Recht, Münzen zu prägen. In dieser Münze wurden die Friedländer Schillinge, die man auch „Friedländer Witten" oder „Vinkenoogen" nannte, geprägt. Der Name „Witten" rührte vom hellen Aussehen der Münzen her, hervorgerufen durch den Silbergehalt. Die Friedländer Schillinge zeigten in der Mitte ein Kreuz, dessen Balken von einem Kreis ausgingen; dazu die Umschriftung: „Moneta Vredeland. Civitat Magnopol" = „Münze von Friedland, einer Stadt in Mecklenburg". Gleichzeitig musste Herzog Heinrich II. (1417-1466) auf Grund seines schlechten Geldes, das Versprechen abgeben, die Prägetätigkeit seiner Münze in Stargard für zwei Jahre ruhen zu lassen und danach eine erneute Prägung nur unter Aufsicht in Neubrandenburg oder Friedland durchzuführen. 

Ab dem 18. Jh. wurde das Gebäude, wie der Name schon sagt, von Fischern genutzt, die den Mühlenteich bewirtschafteten. Möglicherweise deutet das Hauptwort „-burg“ auf seinen Standort im Bereich einer früheren slawischen Burganlage hin. 

Zu Zeiten der DDR wurde die Fischerburg vom Kulturbund der DDR genutzt. Eine erste Wiederherstellung des wurde im Jahre 1965 vorgenommen. 

Im Oktober 1997 begannen Sanierungsarbeiten am Gebäude der Fischerburg. Die Kosten beliefen sich auf ca. 150000 DM. Im August 1998 wurde mit dem Innenausbau begonnen. Aufgearbeitet wurden auch die bleiverglasten Fenster und die Außentür. Im April 1999 wurde die Fischerburg an den Friedländer Kulturkreis e.V. wieder zur Nutzung übergeben. Der Verein übernahm eine neue, „alte" Fischerburg mit sichtbarem altem und neuem Mauerwerk, alten Fußbodendielen, weiß gestrichenen Wänden und offenen Räumen. 

Jahrelang bietet die Fischerburg, als Domizil des Kulturkreises, Raum für verschiedene künstlerische Ausstellungen. Heute finden wir hier keine konkrete Nutzung vor. 

 

Die Slawische Burg

Überreste einer slawischen Burganlage wurden ab 1995 bei Ausgrabungsarbeiten für den Bau der Diakonie und die Erweiterung des Seniorenheims an der westlichen Stadtmauer zwischen Fischerburg und Gänsemarkt gefunden. Sie nahm eine Fläche von etwa 1 ha ein und reichte ursprünglich bis an den heutigen Mühlenteich heran. Überreste einer aufgelockerten Bebauung fanden sich in der Innenfläche der Burganlage. Umgeben war sie von einer hölzernen Palisade auf einem Erdwall. Dem Wall war außerhalb ein Wassergraben vorgelagert. Reste der Burg sind im ehemaligen Garten zwischen der Wassermühle und der Fischerburg gefunden worden. 

Erbaut wurde diese Burganlage etwa in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Vorübergehend zugrunde gegangen ist sie vermutlich am Ende des 10. Jahrhunderts durch eine, von Kampfhandlungen ausgelöste, Brandkatastrophe, vermutlich während des Feldzuges von Kaiser Otto I. im Jahre 936 gegen den slawischen Stamm der Redarier. Der Name der Burganlage ist nicht überliefert. Bis etwa zum 11. Jahrhundert lag die Burganlage nach der Zerstörung brach, erst im 11. Jahrhundert wurde die Burg dann von Slawen wieder aufgebaut und intensiv genutzt.

Nach der Stadtgründung 1244 wurde die alte Slawenburg weiter genutzt und ausgebaut. Gesichert ist, dass man in der Phase der Stadtgründung daran ging, einen Teil der Anlage zu räumen und den Graben zu verbreitern und zu vertiefen. Doch wurden diese Arbeiten offensichtlich nicht vollendet. Möglicherweise stand die Maßnahme im Zusammenhang mit der Errichtung der Wassermühle, für die, laut Gründungsurkunde der Stadt, der Lokator Johann von Grevendorp zuständig war. Durch das Anstauen des Datzeflusses zum Mühlenteich wurde mindestens die Hälfte der ursprünglichen Burganlage überflutet. Der Mühlenstaudamm ging mitten durch die alte Slawenburg. 

Spätestens mit dem Beginn des Baus der Stadtmauer nach 1304, die den kurz zuvor geräumten Grabenabschnitt der Burg querte, hatte die alte Slawenburg ihre Bedeutung verloren. Im Zuge der Befestigungsarbeiten wurden Wälle und Gräben planiert und darüber die Stadtmauer errichtet.

 

J. Sch. Museum Friedland 2026