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[7] Katholische Kirche

Katholische Kirche
Die NW-Seitenansichtansicht in den 1960-er Jahren.
Katholische Kirche
Frontalansicht in den 1960-er Jahren.
Katholische Kirche
Die Katholische Kirche mit Pfarramt in der Salower Straße, ca. 1925.
Katholische Kirche
Die Katholische Kirche mit der Salower Straße, ca. 1925.

Beschreibung

Katholische Kirche in der Salower Straße. Errichtet 1913/1914.

Zur ersten Kampagne der Zuckerfabrik im Herbst 1891 kamen aus dem thüringischen Eichsfeld mehr als 100 Arbeiter meist katholischer Konfession. Sie baten die Direktion der Zuckerfabrik um die Möglichkeit, katholische Gottesdienste abhalten zu können. Später wurden zur Arbeit auch Saisonarbeiter aus dem damaligen Russisch-Polen herangezogen, ebenfalls katholischer Konfession. Die Zuckerfabrik erreichte, dass die Stadt Friedland die Aula der Höheren Töchterschule in der Wollweberstraße für den Gottesdienst zur Verfügung stellte.

Da für die katholischen Gottesdienste in der Aula der Schule keine Genehmigung der Regierung in Neustrelitz vorlag, wurde die Abhaltung der katholischen Gottesdienste verboten. Die Zuckerfabrik stellte daraufhin zur Abhaltung der Gottesdienste für die Saisonarbeiter den Dachboden der Arbeiterkaserne auf dem Fabrikgelände zur Verfügung. Der zur Verfügung gestellte Raum erwies sich bei dem immer größer werdenden Zugang von polnischen Saisonarbeitern als zu klein. Es wurde daher der Saal im „Elysium" (heute „Anklamer Tor") gemietet.

Teilweise erlernten die katholischen Pastoren die polnische Sprache, um für die Gläubigen den Gottesdienst in ihrer Muttersprache abhalten zu können.

Mit Vertrag von April 1913 verkaufte die Stadt der katholischen Gemeinde zum Bau einer Kirche in der Salower Straße ca. 2000 qm Boden zum Preis von 4 M/qm. Die Baupläne für die katholische Kirche lieferte der Architekt Lange aus Neustrelitz. Zum Bau der Kirche spendeten die Zuckerfabrik 2000 M, die Friedländer Brauerei 400 M, die Friedländer Kaufleute etwa 500 M. Das Mosaikplattenwerk schenkte der Kirche den Fußboden. 

Der Bau der katholischen Kirche begann am 1. Juli 1913 und am Sonntag vor Ostern 1914 war der Rohbau so weit fertig, dass der erste Gottesdienst abgehalten werden konnte. Im Februar 1922 wurde für die katholische Kirche eine 3 Zentner schwere Glocke auf der Kieler Werft erworben. Es war die Glocke des Kriegsschiffes „SMS (Seiner Majestät Schiff) Schwaben", die umgegossen wurde.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges zeigte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) reges Interesse für die katholische Kirche. Es erfolgten eingehende polizeiliche Durchsuchungen des Pfarrhauses, man durchstöberte die kirchlichen Akten. Es erfolgte eine ständige polizeiliche Kontrolle der Gottesdienste für die polnischen Saisonarbeiter in Friedland und Umgebung. Die Abhaltung des Gottesdienstes in polnischer Sprache wurde verboten. Als bei einem katholischen Gottesdienst für die französischen Gefangenen ohne Wissen des Pfarrers auch eine Polin erschien, wurde der Pfarrer zwei Stunden lang vernommen. Er wurde nach Neustrelitz befohlen, wo er eine ernste Verwarnung entgegennehmen musste.

Mit der Verlegung eines Divisionsstabes der Deutschen Wehrmacht nach Friedland im Jahre 1943 zelebrierte der katholische Divisionspfarrer Jäger täglich in der katholischen Pfarrkirche. Er wurde 1944 auf den bischöflichen Stuhl der Diozöse Paderborn erhoben.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 konnte auf Anordnung des sowjetischen Stadtkommandanten bereits 1945 die Durchführung von Gottesdiensten in der katholischen Gemeinde wieder aufgenommen werden. Die Kirche war durch die Rote Armee unangetastet geblieben.

Die katholische Kirche erhielt im November 1955 weitere drei Glocken zur Erweiterung des Geläuts. Sie wurden geliefert von der Firma Schilling & Lattermann in Apolda. Die größte Glocke ist 753 kg schwer, auf den Ton „gis" gestimmt und trägt die Inschrift „Christi Reich Liebe und Gnade". Die elektrische Läuteanlage kam aus der damaligen Bundesrepublik. 1956 erfolgte der Einbau einer modernen Gasluftheizung durch die Ofenbaufirma Wulf & Wagner. 1960 wurde der Altarraum neugestaltet. Dazu musste der Altar um 1 m vorgerückt und im Keller darunter noch zwei Traversen eingezogen werden.

Im Mai 1962 erfolgte die bischöfliche Weihe durch den Bischof Dr. Schräder aus Schwerin, bis dahin war die Kirche lediglich priesterlich gesegnet.

In den Jahren 2002/2003 wurde ein Zusatzbau am kath. Pfarramt zur Kirche hin errichtet, der als Gemeinderaum für kirchliche Veranstaltungen dient.

Durch das Schrumpfen der Friedländer katholischen Gemeinde war diese zuletzt nicht mehr groß genug, um den Gemeindebetrieb aufrecht erhalten zu können. Einen Pfarrer gibt es heute nicht mehr und die Kirche steht zum Verkauf. 

 

J. Sch. Museum Friedland 2026