Der historische Turnplatz.
ÄLTESTER TURN-UND SPORTVEREIN DEUTSCHLANDS, der TSV 1814
Das Jahr 1814 ist für die Stadt das Jahr des Beginns des organisierten Turnens.
Nach der Bewilligung durch die Stadt wurde der nach Plänen Jahns errichtete alte Turnplatz im Norden der Stadt, nahe der Chaussee nach Schwanbeck, am Brakofen (Brakhäuser = Gebäude zum Flachs und Hanf brechen) bei Güntersfelde am 23. April 1815 durch den Prorektor der Gelehrtenschule Christian Ehregott Leuschner eingeweiht. Der Einweihung wohnten etwa 1500 Besucher bei einer Einwohnerzahl von damals knapp 4000 Einwohnern bei. Es war der zweite Turnplatz in Deutschland und der erste in Mecklenburg. Der Turnplatz in Friedland ist für Mecklenburg die eigentliche Pflanzstätte des Turnens gewesen. Leuschner hatte den Turnplatz zunächst auf eigene Kosten aufgebaut und leitete das Turnen bis 1818.
Der Platz war mit den verschiedensten Turngeräten bestückt:
mit verschiedenen Klettergerüsten, mehreren Kletterstangen, einem Schwebebaum, einem Hangelgerüst, mehreren Springgestellen, zwei Turnpferden, drei Barren, einem Waagebalken und anderem mehr. Außerdem gab es auf dem Turnplatz einen Spielplatz für Ball- und Laufspiele, eine etwa 100 m lange Laufbahn, eine Schlängelbahn und Sprunganlagen für Weit- und Hochsprung.
Schon 1818 schrieb Carl Leuschner, dass ihm 1815 eine Turnhütte versprochen sei und dass diese 1818 errichtet werden sollte. Mit Beginn der Winterturnübungen war das neu erbaute Turnhaus fertig. Es ist nicht mehr bekannt, wo dieses Turnhaus gestanden hat, wie groß es war und wie es genutzt wurde.
Der Turnplatz nahm eine sehr gedeihliche Entwicklung. Der durchgeführte Turnbetrieb umfasste Elemente des heutigen Geräteturnens und der Leichtathletik, der Schwerathletik und des Ringens, der körperlichen Grundausbildung und des Wehrsports. Auskunft darüber gibt das Friedländer Turnalbum, das von Anbeginn im Jahre 1814 geführt wurde. Regelmäßig gingen Turnberichte von Friedland nach Berlin an Jahn. Das alte Turnalbum, das bis 1878 lückenlos geführt wurde, ist durch eine Forschungsgruppe Friedländer Sportler aus der alten deutschen Schrift in die lateinische Schrift übertragen und veröffentlicht worden. Das Original befindet sich im Besitz des Friedländer Museums.
1829 übernahm Heinrich Arminius Riemann die Leitung des Turnplatzes. In Friedland war das Turnen zunächst kein Pflichtfach im Gymnasium. Trotzdem waren im Sommer 1842 von 138 Schülern des Gymnasiums 120 eingetragene Turner.
Bis 1879, bis zur Vereinsgründung in der Stadt, wurde das Turnen von Lehrern des Gymnasiums geleitet, war aber in dieser Zeit nie eine rein schulische Angelegenheit. Durch die Bindung an das Gymnasium war eine gewisse staatliche Aufsicht gesichert. Im Sommer 1879 gründete sich der Männer-Turnverein von Friedland.
Auf dem alten Turnplatz in Friedland wurde 1879 ein Leuschner-Jahn-Denkmal errichtet, das 1978 von den Friedländer Sportlern auf die Sportstätte Hagedorn umgesetzt wurde. Es trug die Inschrift: „Zur Erinnerung an den Begründer des Turnens in Friedland, den Prorektor Leuschner, und den Förderer seines Werkes, den Turnvater Jahn, der einst fröhlich hier weilte". Heute befindet sich ein Findling als Gedenkstein auf dem alten Turnplatz mit der Inschrift:
„Alter Friedländer Turnplatz - Wirkungsstätte von C. Leuschner und F. L. Jahn errichtet 1814/15".
Zum 200. Geburtstag Jahns wurde der alte Turnplatz von den Friedländer Sportlern mit Hilfe eines Friedländer Landwirtschaftsbetriebes wieder in Ordnung gebracht. Er diente vorher jahrelang als Materiallagerplatz. Am Eingang des Platzes wurde eine Informationstafel aufgestellt.
J. Sch. Museum Friedland 2026
































