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[9] Altes Gymnasium

Altes Gymnasium
Altes Gymnasium mit dem Reuterdenkmal davor.
Alte Gelehrtenschule
Breitscheidstraße mit der alten Gelehrtenschule
Alte Gelehrtenschule
Alte Gelehrtenschule als Berufsschule zur DDR-Zeit
Alte Gelehrtenschule
Kurz nach dem II. Weltkrieg
Gymnasium
1929
Gymnasium
Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 1929
Klassenraum
ca. 1925
Gymnasium
Schüler mit Lehrer 1910
Gymnasium
Schülerverbindung 1894
Gelehrtenschule
Zeichnung ca. 1860.

Beschreibung

Alte Gelehrtenschule. 

Bereits im Jahre 1337 fand die Lateinschule, später Gelehrtenschule genannt, erste urkundliche Erwähnung. In einer Urkunde wurde die „Bruderschaft der Priester und Scolares" erwähnt. Die Schule ist damit eine der ältesten Schulen Mecklenburgs. Die ältesten Teile des jetzigen Gebäudes stammen aus dem Jahr 1429.

Hart am ersten Schulgebäude, dessen Platz nicht genau lokalisiert werden konnte, befand sich eine kleine runde gewölbte Kapelle. Nicht weit davon waren „Beehus" und „lykhuss", vielleicht außerdem noch eine besondere Taufkapelle. Diese Gebäude befanden sich auf dem späteren Kirchhof um die St. Marienkirche. 

Die Friedländer Kirche war reich. Sie machte die schulische Bildung der jungen Friedländer zu ihrem Privileg. Trotzdem gab es über 100 Jahre nur eine Klasse und auch nur einen Lehrer. Der größte Teil des Unterrichts stand im Dienste der Kirche, es wurden Sänger für den Gottesdienst geschult und Geistliche für spätere Arbeit herangebildet. Die geleistete Bildungsarbeit war jedoch beachtlich. Bereits 1385 pilgert ein Schüler von Friedland nach Prag, um an der von Kaiser Karl IV. gegründeten Universität zu studieren.

1429 erfolgte ein Schulbau auf Kosten der Kirche am heutigen Platz, der jedoch nicht den heutigen Ausmaßen entsprach. Es war ein Bau und das war für die damalige Zeit etwas Besonderes, der feste steinerne Außenwände besaß. Im Untergeschoss gab es einen Unterrichtsraum, während im Obergeschoss 2 Wohnräume für Lehrer vorgesehen waren. Der Fußboden war mit Steinen ausgelegt, die Wände waren geweißt, der Kachelofen schwarz. Das Schulzimmer war mit Bänken, Pult und Katheder ausgestattet. Die Fenster bestanden aus kleinen Rauten, gleichseitigen schiefwinkligen Scheiben, die in Blei geschlagen waren. Die Wohnungen der Lehrer bestanden für jeden aus 2 Zimmern: einer Stube und einer Schlafkammer. Fußboden, Wände, Öfen waren von derselben Beschaffenheit wie im Lehrzimmer.

Erst Mitte des 16. Jahrhunderts wurde eine 2. Lehrerstelle eingerichtet.

1560 war das Haus wieder nicht mehr ausreichend. Die Kirchenvisitatoren entschlossen sich, ein weiteres Gebäude zu Hilfe zu nehmen und bestimmten die nahe Rundkapelle zum zweiten Unterrichtsgebäude. 1605-1607 erfolgte der Neubau der „Schola Fridlandensis", da infolge der Reformation die Schülerzahl wuchs. Dazu wurde das Gebäude der Rundkapelle 1604 abgebrochen.

Beim Großen Brand 1703 brannte die Gelehrtenschule völlig nieder. 1784/85 wurde unter Verwendung der übriggebliebenen Gebäudeteile der heutige zweigeschossige Putzbau errichtet bzw. weiter ausgebaut.

Über der Eingangstür prangt bis heute eine Inschrift in lateinischer und griechischer Sprache. Die erste, griechische Zeile lautet in der Übersetzung: „Aus Fähigen sollen Tüchtige werden“. Die größeren Buchstaben sind Laut- und Zahlzeichen zugleich. Die einzelnen Zahlen (M-V-I-V-L-I-C-I-V-V-V-D-V-I-L-1) als Summe ergeben die Zahl 1784 und erinnern an den Beginn des Umbaus der Schule im Jahre 1784.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Schule sollte die Amtsübernahme des Rektorats durch Peter Wegner im Jahre 1796 werden. Als Wegner sein Amt übernahm, war die Schule in tiefem Verfall. In der Zeit der Übernahme des Amtes gab es an der Gelehrtenschule nur noch 44 Schüler; in der obersten Klasse waren nur noch 3 Schüler. Es gab keine Zeugnisse, die den Leistungsstand aufzeigten. Die Schule stand vor ihrer Auflösung.

Auf Grund einer herzoglichen Verordnung im Zuge einer Schulreform wurde um 1800 die Schule der Stadt einem Herzoglichen Konsistorium unterstellt, sie wurde eine humanistische Bildungsstätte unter der Leitung der Kirche mit Vermittlung vor allem alter Sprachen wie Lateinisch und Griechisch, die Schulaufsicht wurde aber der Geistlichkeit weggenommen und städtischen Amtspersonen übertragen.

Rektor Wegner reorganisierte während seiner Dienstzeit die Schule und machte sie, zu einer den Anforderungen der Zeit entsprechenden, fortschrittlichen Anstalt. 1821 wurde das Zeugnis der Reife eingeführt. Vom gleichen Jahr an diente das Gebäude mit allen Räumen dem Unterricht, während vorher ein Teil als Wohnung genutzt wurde.

Die Anerkennung der Leistungen der Schule fand ihren sichtbaren Ausdruck in der offiziellen Ernennung zum Gymnasium im Jahr 1840 durch Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz. Viele bekannte Persönlichkeiten waren Absolventen des Friedländer Gymnasiums.

Von Michaelis 1824 bis Ostern 1828 besuchte der spätere niederdeutsche Dichter und Demokrat Fritz Reuter als Tertianer und Sekundaner die Friedländer Gelehrtenschule. Reuter gehörte nicht zu den besten Schülern. Allein dem Turn- und Zeichenunterricht und dem deutschen Aufsatz brachte er Interesse entgegen.

1828 bis 1834 war Heinrich Arminius Riemann, Mitbegründer der deutschen Burschenschaften, als Lehrer in den oberen Klassen der Gelehrtenschule tätig. 1849 legte der später bekannteste deutsche Orgelbauer Wilhelm Sauer am Friedländer Gymnasium seine Abiturprüfung erfolgreich ab.

1844 erfolgte auf Grund ständig steigender Schülerzahlen der letzte Umbau des Schulgebäudes mit finanziellen Mitteln der Stadt. Es bekam sein heutiges Gesicht durch die Einfügung des mittleren Querbaues. Nach Fertigstellung wurde das Gebäude durch Vertrag mit der Kirchenökonomie in die vollständige Zuständigkeit und Verantwortung der Stadt übergeben.

Durch Gesetz vom Juni 1923 übernahm der Freistaat Mecklenburg-Strelitz alle höheren Schulen der Stadt einschließlich des Gymnasiums in staatliche Verwaltung. Dies war der Beginn des staatlichen Schulwesens in Friedland. Aus dem Gymnasium wurde ein Reformrealgymnasium. 1926 wurde die höhere Mädchenschule ins Gymnasium integriert, 1929 machte ein Mädchen als Novum in der Geschichte der Schule ihr Abitur.

Im April 1945 hielt das Schulgebäude zwar dem gelegten Brand der Innenstadt stand, trotzdem wurde der Schulbetrieb 1946 eingestellt, das Schulgebäude nun als landwirtschaftliche Berufsschule genutzt und in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts als polytechnisches Zentrum der Friedländer Schulen. 1953 wurde das Gebäude restauriert.

Im August 1991 setzte die Stadt die Tradition der „Schola Fridlandensis" mit der Neueröffnung des Friedländer Gymnasiums fort. Der Unterricht fand in dem neuen Schulgebäude an der Ecke Wollweber-/ heute Carl-Leuschner-Straße statt. 1994 wurde auf Grund der Kreisgebietsreform das Teilgymnasium Woldegk aus dem Gymnasium Strasburg ausgegliedert und in das Friedländer Gymnasium eingegliedert.

1997 erfolgt eine grundlegende Rekonstruktion des Gebäudes der ehemaligen Gelehrtenschule. Es wird dann von städtischen Ämtern genutzt. Heute findet sich hier der Ratssaal und das Traditionskabinett des TSV 1814 e. V. Friedland.

 

J. Sch. Museum Friedland 2026