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[30] Neuer Friedhof

Friedhof Trauerhalle
Die Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof.
Jüdischer Friedhof
Jüdischer Friedhof, Abteil mit eigenem Zugang auf dem Neuen Friedhof.
Neuer Friedhof
Die ersten Gräber und Denkmale auf dem neuen Friedhof, ca. 1910. Grabstele für den Lehrer des Friedländer Gymnasiums Eugen Marx.
Neuer Friedhof
Die ersten Gräber und Denkmale auf dem, nach 1905 eingerichteten, neuen Friedhof, ca. 1910. Grabstele für den Direktor des Friedländer Gymnasiums Karl Ubbelohde.

Beschreibung

Neuer Friedhof

1905 wurde der Neue Friedhof in der Pasewalker Straße eröffnet und ist bis heute im Gebrauch. 

Als erster Bürger wurde hier der Bürgermeisterrat Hermann Voß feierlich beigesetzt, der 29 Jahre lang in Friedland in Amt und Würden war. Im Volksmund wurde der Neue Friedhof später auch Voß-Berg genannt.

Im Juli 1955 konnte die, auf dem städtischen Friedhof erbaute Verabschiedungs- und Friedhofskapelle, ihrer Bestimmung übergeben werden. Die evangelische Gemeinde der Stadt stiftete das Bauholz aus ihrem Wald, viele Handwerker der Stadt leisteten unbezahlte Arbeit im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerkes".

Im 9. April 1946 erfolgte die Beisetzung der Urne des, wegen Wehrkraftzersetzung vom Volksgerichtshof 1944 zum Tode verurteilten und durch das Fallbeil hingerichteten Friedländers, Emil Scheil auf dem Neuen Friedhof, in der Abteilung D, Reihe 17, Grabnummer 17. 

In den letzten Kriegstagen des II. Weltkrieges wurden noch zwei junge deutsche Soldaten, die Desertiert und gefangen genommen wurden, zur Hebung der Moral der letzten versprengten Wehrmachtstruppen, an einem Baum an der Straßenkreuzung Pasewalker Straße/Hagedornstraße erhängt. Eine Gedenktafel erinnert hier noch heute an diese Ereignisse. 

Jüdischer Friedhof

Den Anspruch der jüdischen Bürger unserer Stadt auf einen Flächenanteil auf dem Neuen Friedhof wurde stattgegeben und so konnte ab 1904 im südlichen Bereich des  neuen Friedhofes eine separate Abteilung mit Umzäunung und separaten Eingang eingerichtet werden. Auf ihn wurden vermutlich auch mehrere Verstorbene des alten Friedhofes umgebettet, mit den dazu gehörigen Sandsteingrabsteinen, die durch das hohe Alter stark verwittert sind. Auf diesem jüdischen Friedhof sind insgesamt 20 Personen, die zwischen 1822 und 1960 verstorben sind, begraben. Es sind dies die Grabstätten der jüdischen Familien Beerwald, Luft, Krotoschinski, Flasch, Porth, Schlawanski, Knopp, Pinkus, Kohn, Simonson, Lychenheim, Liebenthal und anderer, deren Namen auf den Grabsteinen nicht mehr zu erkennen sind. 

Dazu existiert auf dem christlichen Teil des Friedhofs bis zum heutigen Tag das Erbbegräbnis der Familie des von 1871 bis 1909 am Friedländer Gymnasiums unterrichtenden Konrektors der Schule Prof. Eugen Marx, der ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammen muss. Allerdings ist bis heute nicht nachweisbar, warum Prof. Marx auf dem christlichen Teil des städtischen Friedhofs beerdigt wurde. Jedenfalls weist an seinem Grabstein der dort angebrachte Davidstern auf seine jüdische Abstammung hin.

Die Schüler von Marx riefen nach seinem Tod eine Stiftung ins Leben. Dazu gab es im Jahre 1911 eine Marxspende. Der Zinsbetrag dieser freiwilligen Spende, die Sammlung hatte immerhin 1400 Mark erbracht, wurde alljährlich am Geburtstag des Verstorbenen einem würdigen Schüler der oberen Klassen als Beihilfe zu seiner weiteren Ausbildung überreicht. Dies geschah nachweislich bis 1940.

In der NS-Zeit wurde der jüdische Friedhof gesperrt und geschlossen und nicht mehr gepflegt. Unkraut überwucherte die Gräber und Denkmale. 

Der Friedhof wurde 1962 im Auftrag der damaligen Jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg restauriert. Bis heute wird der Jüdische Friedhof gepflegt und befindet sich in einem ansehnlichen Zustand.

Soldatenfriedhof

Auf dem Ehrenfriedhof für die bei der Eroberung der Stadt durch die Rote Armee gefallenen, oder hier an Verwundungen verstorbenen Soldaten, befinden sich 24 Gräber der Roten Armee. Ursprünglich befand sich der Soldatenfriedhof der Sowjetsoldaten an der Anklamer Chaussee, unweit des Anklamer Tores, wurde aber in Jahr 2001, in Zusammenarbeit mit der Kriegsgräberfürsorge, auf den Neuen Friedhof verlegt. Auch die deutschen Soldaten, die bei der Einnahme der Friedländer Region gefallen sind, sind auf dem Neuen Friedhof begraben worden. 

 

J. Sch. Museum Friedland 2026