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[10] Markt mit ehemaligen Rathausgebäuden und Apotheke

Markt
Markttreiben am Mittwoch auf dem Innenstadtmarkt in Friedland.
Weihnachtsmarkt
Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz 2008.
Ausgrabung
Ausgrabungen Mitte der 1990-er Jahre auf dem Markt, im Bereich der ausgebrannten Rathausgebäude.
Ausgrabung
Ausgegrabene mittelalterliche Gewölbe unter dem ehemaligen Rathaus.
Markt
Blick von der Marienkirche aus Richtung Markt, um 1990.
Weltkugel
Die Skulptur einer Weltkugel auf dem Markt um 1970.
Marktdekoration
Die Stadt schmückt sich anlässlich des XX. Republikgeburtstages 1969.
Maifeier
Tribüne und Umzug anlässlich des 1. Mai in den 1950-er Jahren.
Maidemonstration
Der 1. Mai 1946 inmitten der zerstörten Stadt.
Markt Luftbild
Marktbereich 1938 mit Rathausquartier.
Markt, Blick zur Marienkirche
Ansicht über den Markt zur Marienkirche 1943.
Rathaus
Rathaus mit Apotheke linksseitig 1920.
Sportlertreffen auf dem Markt
25. August 1929. Gautreffen der Sportler in Friedland.
Kreuznagelung auf dem Marktplatz
Auf dem Markt eine Veranstaltung der Bürgerschaft, der Vereine und Traditionsverbände die der finanziellen Unterstützung der Deutschen Armee zur Weiterführung des I. Weltkrieges. Nagelung eines Eisernen Kreuzes. 1915
Feuerwehrübung
Marktplatz Friedland mit einer Spritzenprobe der Freiwilligen Feuerwehr. Mittig zu sehen auf dem Marktplatz, der Löwenbrunnen. 1886
Markplatz
Südseite 1930.
Markt, Blick zur Marienkirche
Ansicht über den Markt zur Marienkirche 1915. Die Häusezeile Hinter dem Rathause brannte 1927 ab und wurde nicht wieder neu errichtet, damit der Kirchgiebel besser zur Geltung kommt.
Markt Nordseite
Nordseite 1910. An der nordöstlichen Ecke zur Turmstraße, das Karstadt Kaufhaus.
Rathaus mit Apotheke
Ansicht von 1910. Im Jahr 1911 wurde der Balkon am Rathaus angebaut.
Markt mit Rathaus und Apotheke
Markt mit Rathaus und Apotheke ca. 1860.
Stich - Marktansicht
Marktplatz mit Rathaus, Marienkirche und Neptunbrunnen. Zustand von 1708 - 1803.
Stadtansicht
Zeichnung aus dem Anfang des 17. Jh. mit dem Stadtzentrum.

Beschreibung

Der Marktplatz

In der Mitte der Stadt liegt der viereckige Marktplatz, der frühere Schultenbrink, der bis 1945 von stattlichen Häusern umgeben war und in dessen Mitte man das Rathaus mit seinen Nebengebäuden und die Apotheke fand. Der Platz ist neugestaltet worden und das ursprüngliche Rathausensemble ist jetzt ein Teil der Marktfläche. Der Markt mit dem Löwenbrunnen ist das Zentrum der Stadt mit seinen Wochenmärkten und unterschiedlichen städtischen Veranstaltungen darauf. 

Neben dem Hauptmarkt im Stadtzentrum, gab es in Friedland zwei weitere Marktplätze. Den Gänsemarkt für Kleinvieh an der Wassermühle und den Pferdemarkt an der Nicolaikirche. Der Pferdemarkt kann sogar als der älteste der Märkte in Friedland gelten, da er sich an der ältesten Kirche, der Nicolaikirche, befindet. Der heilige Nicolai ist der Schutzpatron der Kinder, Seeleute und auch der Kaufleute im katholisch-christlichen Glauben. 

Schon seit der Stadtgründung im Mittelalter hat der zentrale Markt eine immense Bedeutung für die lokale Wirtschaft und für die Versorgung der Bevölkerung mit den Gütern, die sich nicht im eigenen Haushalt generieren ließen. Das Marktquartier selbst war eng bebaut mit Handels- Verwaltungs- und Gewerbebauwerken. Es war kein großer, leerer Platz, wie zu heutigen Zeiten. Diese großen freien Marktplätze in den Städten kamen erst zu späteren Zeiten auf, als große Militäraufmärsche in den Städten durchgeführt wurden. 

Im Verlauf der Zeit ist der Hauptmarkt immer wieder Schauplatz im öffentlichen Leben wie im Jahr 1911 während eines Kaisermanövers in der Umgebung der Stadt. Hier war Großherzog Adolf Friedrich V. in der Stadt. Auch Hindenburg stattete in diesem Zusammenhang den Honoratioren der Stadt im Rathaus einen Besuch ab. Im I. Weltkrieg fanden hier Kreuznagelungen, zur finanziellen Unterstützung der Armee statt. Zwischen den Weltkriegen begannen hier der Demonstration zum 1. Mai. Die erste fand im Jahr 1919 statt. Die Fahnenweihen der Vereine und Verbände wurden hier durchgeführt, wie die Fahnenweihe des Grenadierbundes 1925. Zum Gausportfest 1929 versammelten sich die Sportler auf dem Markt und zu den alljährlichen Spritzenproben der Friedländer Freiwilligen Feuerwehr traf man sich hier auf dem Marktplatz. 

Der Große Stadtbrand vom April 1945 vernichtete auch das Marktensemble mit dem Rathaus, der Apotheke und den Wohn- und Geschäftshäusern ringsherum. Nur wenige Gebäude blieben am Markt erhalten. 

Jahrzehntelang passierte hier nicht viel Am Markt und auf den Resten der Rathausgebäuden. Fahnen und Skulpturen wurden aufgestellt und wieder entfernt und in den 70-er Jahren wurde ein Verkehrsgarten angelegt. Eine Eisbude kam nach 1980 hinzu. Auf Initiative des Rates der Stadt fand im Dezember 1988 der 1. Friedländer Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz statt. 

Nach der Wende 1990 wurde der Wochenmarkt auf dem Marktplatz wieder jeden Mittwoch zum festen Bestandteil des Friedländer Handels.

Die Bebauung der Ost- und Nordostseite mit Wohn- und Geschäftshäusern konnte um 1990 realisiert werden. Heute sind diese Neubauten nochmals modernisiert und verkleinert worden, um attraktiven Wohnraum und ein besseres Marktambiente zu schaffen. 

1993 war Baubeginn für ein Geschäfts- und Dienstleistungszentrum mit über 80 Parkplätzen an der Südseite des Marktes. Die Fertigstellung und Übergabe an die Nutzer erfolgte 1995. Dieses Stadt-Center hat über 20 Verkaufsflächeneinheiten auf einer Gesamtfläche von etwa 5000 qm. Davon hat ein Supermarkt eine Fläche von 1239 qm für sich in Anspruch genommen. Im Obergeschoss sind etwa 1650 qm Büroflächen vorhanden, die zeitweise von der Stadtverwaltung Friedland genutzt wurden. 

In den Jahren 1999/2000 wurde der Friedländer Marktplatz mit dem Löwenbrunnen komplett neu gestaltet. 

 

Das Rathaus 

Nach dem großen Stadtbrand von 1703 neu errichtetes repräsentatives Bauwerk und in der Folgezeit mehrfach modernisiert. Letztendlich zum Ende des II. Weltkrieges abgebrannt und bis heute nicht wieder neu aufgebaut. 

Beim Großen Brand 1703 brannte das alte, im Dreißigjährigen Krieg verwüstete Rathaus bis auf die untersten Mauern herunter. Von 1707 bis 1709 wurde am Markt das neue Rathaus wieder erbaut, bis 1708 soweit vollendet, dass eine Ratsversammlung darin abgehalten werden konnte. Es war ein massiver Putzbau mit Mansardendach und Dachreitern. Zum Teil errichtete man es auf den Grundmauern des alten, verfallenen Gebäudes, vergrößerte es dabei aber wesentlich. 

Im Jahre 1803 ist der Segmentgiebel zu einem Dreiecksgiebel umgeändert worden. Im Oktober des Jahres konnte das rekonstruierte Rathaus eingeweiht werden. Der Rundgiebel wurde in einen dreieckigen Giebel über der Eingangstür umgebaut und die Fenster romantisch-mittelalterlich verändert. 1851 erhielt das Rathaus einen neuen schiefergedeckten Turm. 1912 wurde in der Mühlenstraße das Wohnhaus vom Tierarzt Heinrichs abgerissen. Die Säulen des dortigen Säulenganges wurden genutzt, um das Rathaus im selben Jahr noch mit einem Balkon zu versehen. 

Direkt hinter dem Rathaus stand das Gerätehaus der Feuerwehr mit Schlauchturm. Im Südlichen Bereich des Rathausensembles befand sich ein Polizeigebäude. Hier waren außer der städtischen Polizei noch das Stadtarchiv und die Gefängniszellen untergebracht. Die Polizeiwache überstand das Feuer 1945 mit Schäden am Dach, wurde als Polizeistation und Archiv weiter genutzt und wurde erst 1994 im Zuge der Vorbereitungsarbeiten zur Marktplatzneugestaltung abgerissen.

Wie in vielen Rathäusern, fand man auch im Friedländer Rathaus einen „Ratskeller“. Diese Gastwirtschaft fand man aber nicht in den Kellerräumen, sondern im Erdgeschoss, auf der linken Seite. Im zweiten Weltkrieg wurde eine größere Polizeiwache benötigt. Daher wurde dem Pächter der Gaststätte gekündigt und 1939 hier eine Polizeiwache eingerichtet.

Beim Einzug der Roten Armee gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 fiel dem willkürlich gelegten Brand auch das Friedländer Rathaus auf dem Markt den Flammen zum Opfer. Von 22 Häusern am Markt blieben lediglich 4 erhalten.

Ironischerweise blieb vom ganzen Rathaus selbst nur der solide Balkon stehen, sodass dieser als Tribüne für die erste Maidemonstration nach dem II. Weltkrieg im Jahr 1946 genutzt werden konnte. 

Später wurde das Gelände des Rathauses und der Apotheke einplaniert, begrünt und u. A. als Aufstellungsort für Fahnen und Skulpturen des Sieges des Sozialismus genutzt. In den 70-ern Jahren wurde ein Verkehrsgarten angelegt und eine Eisbude kam auch noch hinzu. 

Nach der Wende 1990 begann man wieder an einen Neubau eines Rathauses zu denken. Zur Vorbereitung wurden Ausgrabungsarbeiten begonnen. Das Rathausquartier und der Markt sind in den Jahren 1994 bis 99 mit Unterbrechungen größtenteils archäologisch untersucht worden. Es sind die alten Kellergewölbe des Rathauses und der Apotheke, die Reste der Steinburg, Grundrisse weiterer Gebäude auf dem Markt und ältere Steinpflasterschichten freigelegt worden. 

Doch zu einem Neubau eines Rathauses kam es aus finanziellen Gründen nie, sodass die Stadtverwaltung heute im Rathaus, in der ehemaligen Knabenschule am Anklamer Tor, zu finden ist. 

Der Markt ist neugestaltet und das ursprüngliche Rathausensemble ist jetzt ein Teil der Marktfläche.

 

Die Apotheke

1658 wurde die Ratsapotheke gegründet. Der erste nachweisliche Apotheker war Joachim Löffler. Die Ratsapotheke stand neben dem alten Rathaus. Parallel zum Rathausneubau nach dem Stadtbrand von 1703 wurde damit begonnen, gleich in der unmittelbaren Nachbarschaft, eine Apotheke zu errichten. Es wurde urkundlich festgelegt, dass in diesem Bau zukünftig nur die Stadtapotheke untergebracht sein sollte. 

Die Apotheke in Friedland gilt auch als Geburtsort der Komponistin Emilie Luise Friederika Mayer (* 14. Mai 1812 in Friedland, † 10. April1883 in Berlin). Emilie Mayer gehört zu den bedeutendsten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. Sie war in ihrer Zeit vor allem für ihr Sinfonienschaffen hochgefeiert. Emilie Mayer komponierte acht Sinfonien, Konzertouvertüren, ein Klavierkonzert, Kammermusik und Lieder. Ihre Werke sind stilistisch von der Wiener Klassik sowie ab den 1850er Jahren von Beethoven beeinflusst, wobei sie zunehmend eine eigene Tonsprache fand. In den 1860er Jahren komponierte sie überwiegend Kammermusik; besonders in ihren Violinsonaten zeigen sich frühromantische Anklänge. 

Letzter Besitzer der Apotheke am Rathaus war Herr Pharmazierat Bertholt Rhode. Nach dem II. Weltkrieg, nachdem auch das Apothekengebäude mit abgebrannt war, führte er die Apotheke in der alten Druckerei der „Friedländer Zeitung“ an der Hauptstraße fort.  

 

Die Steinburg

Die Steinburg stand zwischen dem Rathaus und der Marienkirche als ein selbständiges Gebäude. 

Bei den im November 1994 begonnenen archäologischen Grabungen auf dem Markt sind unmittelbar westlich, an die Kellerreste des ehemaligen Rathauses grenzend, bauliche Reste zu Tage getreten, die sich der ehemaligen Steinburg zuordnen lassen. Es waren Pfeiler eines Kreuzrippengewölbes mit vielen Formsteinen und Abschnitte der westlichen Abschlusswand mit Eingang. Teile der östlichen und der südlichen Wand waren im Bereich des Rathausstandortes beim Rathausumbau nach 1703 in das Gebäude einbezogen worden. 

Das Format und die Beschaffenheit der Ziegelsteine sowie die Bauweise ließen auf einen frühgotischen, repräsentativen Bau aus der Gründerzeit der Stadt schließen. Es fanden sich auch einige Münzen, die zwischen 1410 und 1420 durch den Deutschen Orden geprägt worden sind. Ein silberner Doppelschilling aus dem Jahre 1563 stammte aus Lübeck und zwei weitere Silbermünzen von 1611 und 1618 aus Dänemark.

Möglicherweise war die Steinburg ursprünglich der Sitz des in der Gründungsurkunde bestimmten Stadtvogts und stellte somit, nach Aufgabe der slawischen Burg, das neue, steinerne Symbol der städtischen Macht dar und erhielt eben den Namen „Steinburg", ohne selbst eine Befestigung gewesen zu sein. Die Steinburg diente als Versammlungsort des städtischen Rates und war seit der zweiten Hälfte des 13. Jh. bis zum 30-jährigen Krieg Sitz des Friedländer Schöffenstuhls.

Das Bauwerk war schon zur Zeit des 30-jährigen Krieges stark baufällig. Beim großen Brand 1703 brannte die Steinburg vollständig aus und wurde später eingeebnet und überbaut.

 

J. Sch. Museum Friedland 2026