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[12] Neubrandenburger Tor

Neubrandenburger Tor
Das Tor geschmückt zu den 725. Stadtjubiläum 1969 und dem XX. Jahrestag der Gründung der DDR.
Neubrandenburger Tor
Stadtseitige Ansicht in den 1960-er Jahren. Tor beschildert mit "Heimatmuseum" und sozialistischer Propaganda.
Museum im Neubrandenburger Tor
Ausstellung vom Heimatmuseum kurz nach dem II. Weltkrieg.
Heimkehr durch das Neubrandenburger Tor
Abends kehren die Kühe der Stadtbürger durch das Tor wieder nach Hause zurück, ca. 1925.
Mauer und Tor
Stadtmauer und Südseite des Neubrandenburger Tores ca. 1925.
Neubrandenburger Tor
Neubrandenburger Tor und ehemalige Heilig-Geist-Kirche stadtseitig 1904.
Neubrandenburger Tor
Neubrandenburger Tor mit Fischteiche, feldseitig ca. 1900.
Neubrandenburger Tor
Neubrandenburger Chaussee und Tor geschmückt, zur Rückkehr der Krieger des Deutsch-Französischen Krieges 1871.
Burgtor
Zeichnung ca. 1860.

Beschreibung

Neubrandenburger Tor (Burgtor)

Das Neubrandenburger Tor, ein schönes Bauwerk der norddeutschen Backsteingotik, wurde als quadratischer dreigeschossiger Backsteinbau über der spitzbogigen Durchfahrt in der zweiten Hälfte des 15. Jh. errichtet. Früher wurde das Tor als „Burgtor“ bezeichnet. Möglicherweise erinnerte dieser Name an eine slawische Befestigungsanlage aus dem 7. bis 13. Jh., die in unmittelbarer Nachbarschaft lag. 

Um 1450 wurde das im spätgotischen Stil gestaltete Burgtor an Stelle eines bis dahin vorhandenen Holztores fertiggestellt. Es zählt zu den schönsten Bauwerken der norddeutschen Backsteingotik. Durch seine Erbauung im römischen Kastellstil ist es einmalig unter der Vielzahl von Toranlagenin Norddeutschland. Das Tor sicherte den südwestlichen Zugang zur Stadt. 

Bis 1871 ist das Tor abends geschlossen worden. Wer dann noch hinein wollte musste bezahlen. Auch kam ansonsten kein Fremder leicht in die Stadt. Wenn man Geld vorweisen konnte war Alles kein Problem, aber als wandernder Geselle musste man Papiere vorweisen können. Bettler und Landstreicher wurden erst gar nicht nach Friedland reingelassen.

Der Torturm des Burgtores ist quadratisch. Er zeigt als typischer Vertreter der Spätgotik einen kraftvollen, klar und straff gegliederten Baukörper. Der Backsteinbau wird wirkungsvoll an den vier Ecken durch schlanke polygonale Ecktürme mit einem Durchmesser von 3 m und Kegelhelmen betont, die organisch mit dem Hauptbau verbunden sind. Einer der Türme ist als Treppenturm ausgebaut, die 3 anderen sind erst im 2. Obergeschoss als Kampferker zugänglich. Dadurch kommt das Hauptmotiv, die kraftvoll gegliederten Staffelgiebel, beherrschend zur Entfaltung.

In der Mitte des Torturmes liegt die Durchfahrt mit hochgotischem Spitzbogen. Der Vorliebe der Spätgotik zur Durchbrechung der starren symmetrischen Formen entsprechend sind in malerischer Belebung der Fläche einzelne Feldsteine unregelmäßig in die Türme eingemauert und die Putzblenden und Fenster haben unterschiedliche Formen erhalten.

Die Staffelgiebel an der Feldseite mit reichem Putzblendenschmuck, gegliedert durch waagerechte Putzstreifen, verleihen dem Turmkörper den aufstrebenden Charakter der Gotik. Die feldseitigen Türme sind mit zwei achtseitigen Pyramiden bedeckt und mit kleinen Dreiecksgiebeln an der Traufe besetzt. Das Giebeldreieck des dritten Obergeschosses (Türmerraum) ist mit zweimal zwei doppelten flachbogigen Blendnieschen und mit fünf Fialen (Türmchen) mit kleiner Pyramide geziert. Auf der Abtreppung zwischen den Fialen befinden sich 2 kleine Dreiecksgiebel. Ein Putzband schließt zum Anfang des Giebeldreiecks Tor und Türme zusammen.

Der Blendenschmuck ist hier, dem Abwehrcharakter entsprechend, sehr sparsam verwendet. Lediglich 2 kleine Fenster der Wehrseite durchbrechen die geschlossene Fläche. Außer den 4 schmalen Blendnieschen befinden sich zur Belebung der Flächen nur offene Rüstlöcher. Links und rechts der Toreinfahrt ist der Falz für das Fallgitter in den kleinen Pfeilervorlagen, welche in Höhe des hochgezogenen Fallgatters endeten, deutlich erkennbar. In der Mitte ist eine Metallöse zum Aufhängen des Gitters vorhanden.

Über dem Fallgatterbereich befindet sich das 2. Obergeschoss mit dem Kampfraum und 4 schmalen flachbogigen Blendnischen, senkrecht gefurcht. In dieser Fläche sind 3 Schießscharten zu erkennen. An der Feldseite des Tores ist zu erkennen, dass mittig neben zwei Fenstern der „wendische" Mauerverband (2 Läufer, 1 Strecker) durchbrochen ist und aus Backsteinen ein Kreuz eingearbeitet wurde. Die Menschen der damaligen Zeit glaubten, dass man durch ein solches Kreuz besonders vor Unheil geschützt sei.

Auf der Stadtseite, der Ostseite, schließt ein Putzband am Anfang des Giebeldreiecks Tor und Türme zusammen. Die beiden stadtseitigen Ecktürme sind mit Kegelhauben bedeckt. Am Tor darunter sind zwei Reihen mit Sägefries eingearbeitet.

Im Inneren des Treppenturmes befindet sich eine backsteinerne Wendeltreppe, die zunächst in das 1. Obergeschoss, den Wachraum, führt. Dieser Raum war ein heller großer Raum mit weißgetünchten Wänden, roten Backsteinbogen über bleiverglasten Seitenfenstern. Wuchtige Strebepfeiler springen vor und tragen das schwere, schwarze Gebälk und die braune Decke. Das Innere des Raumes war, dem gesteigerten Wohlstand entsprechend sowie dem Lebensbedürfnis des 15. Jahrhunderts angepasst, mit einem Kamin und Aborterker ausgestattet, der an der südlichen Außenseite des Tores ausgekragt ist und bis in die Höhe des 2. Obergeschosses reicht.

Das 2. Obergeschoss, der Kampfraum, ist wegen der kleineren Fenster in den Schießscharten, jeweils drei an jeder Seite, nicht so hell wie der untere Wachraum, dafür aber geräumiger, weil er keine Strebepfeiler hat. Die in den Ecktürmen befindlichen Kampferker mit ihren drei Schießscharten sind von diesem Raum aus zugänglich.

Der Dachraum (Türmerraum) zeigt ebenfalls nur kleine Fenster in den Schießscharten, die aber bei klarem Wetter einen weiten Blick in die Ferne öffnen. Unmittelbar neben dem Durchgang des Neubrandenburger Tores stand noch ein Torwächterhaus. 

Nach dem 30-jährigen Krieg verlor die Stadtbefestigung die starke militärische Bedeutung und verfiel langsam. 1853 wurden dann die ursprünglichen Zingelmauern abgerissen und durch eine niedrige Straßeneinfassung ersetzt. Kurz vor dem I. Weltkrieg, im Jahr 1913 wurde das Tor äußerlich grundlegend Restauriert und erhielt das heutige Aussehen, mit den zu Fenstern ausgebauten Schießscharten. Im Sommer 1853 wurden die 40 m langen hohen Steinmauern am Neubrandenburger Tor abgerissen und die durch das Tor führende Straße erweitert. Gleichzeitig wurde hier eine breite massive Brücke errichtet.

1928 öffnete im Neubrandenburger Tor erstmalig das städtische Heimatmuseum seine Pforten. Dem voraus ging die Initiative des Friedländer Heimat- und Geschichtsvereins, das Tor auszubauen und darin ein Museum zu errichten. Aus gespendeten Geldern und durch die Mitarbeit der Friedländer Handwerker konnte dieses Vorhaben verwirklicht werden. Durch Sach- und Geldspenden der Friedländer Bevölkerung wurde ein beachtlicher Fundus zusammengetragen.

Mitbegründer des Friedländer Heimatmuseums war Studienrat Dr. Karl Bayer. Als ehrenamtlicher Betreuer und Verwalter von 1931 bis 1945 richtete er in der obersten Etage des Neubrandenburger Tores eine heimatkundliche Sammlung mit Funden aus der Germanen- und Slawenzeit ein.

Von 1945 bis 1951 war das Museum im Tor ohne Aufsicht; viele wertvolle Stücke gingen verloren. Im August 1951 öffnete das Friedländer Museum nach dem Ende des 2. Weltkrieges wieder seine Pforten im Neubrandenburger Tor für die Bevölkerung.

1984 wurde das Neubrandenburger Tor von der staatlichen Bauaufsicht endgültig für den Öffentlichkeitsverkehr gesperrt und das Heimatmuseum musste in die Mühlenstraße umziehen.

1993 erfolgte als erste Maßnahme zur Erhaltung des Tores die Außeninstandsetzung. Es hatte infolge von Verkehrserschütterungen durch die Bundesstraße 197 starke Risse erhalten, die seine Standsicherheit gefährdeten. Um weiteren Rissen vorzubeugen, sperrten die zuständigen Behörden auf Vorschlag der Architekten und der Denkmalspfleger die Tordurchfahrt für den Durchgangsverkehr zu diesem Zeitpunkt. Mit Hilfe von Stadtsanierungsmitteln konnten das Dach, die Ecktürme und die Fassade beispielhaft repariert werden. Die Risse im Mauerwerk wurden verfüllt und das Mauerwerk mit Plomben versehen, damit neue Risse sofort registriert werden können. Durch archäologische Untersuchungen in Vorbereitung von Straßenbauarbeiten, konnten vor der Toranlage noch Überreste hölzerner Vorgängerbauwerke dokumentiert werden, die sich bis heute im moorigen Untergrund erhalten hatten. 

Eine weitergehende Nutzung des Neubrandenburger Tores ist schwierig und zurzeit nicht vorgesehen.

 

J. Sch. Museum Friedland 2026