Der Museumszug der MPSB mit der Lokomotive DR Nr. 99 3352, einem Personen- und einem Güterwagen wird 1994 in der Ausstellungshalle am Bahnhof untergebracht und ist ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung des Museums der Stadt Friedland zur Geschichte der Bahnen in Friedland und der Region.
Der letzte MPSB-Zug in Friedland
Aus einer 1888 eröffneten Feldbahn entwickelte sich bis zum ersten Weltkrieg das größte eigenständige Schmalspurbahnnetz in Deutschland mit einer Spurweite von 600 mm.
Über die Jahre erschloss die Bahn verkehrstechnisch große Teile unserer Region und hatte einen großen Anteil am wirtschaftlichen erstarken von Stadt und Land. In Verbindung mit der Neubrandenburg-Friedländer-Eisenbahn, war sie ab ihrer Gründung im Jahr 1892 der Grundpfeiler der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Stadt Friedland. Ohne die immense Transportleistung der Kleinbahn hätten die Stärke- und die Zuckerfabrik in Friedland kaum wirtschaften können. Den Menschen in den Dörfern ermöglichte sie eine Reise in die große weite Welt.
Erfolgreich, unterbrochen nur vom I. WK und der Wirtschaftskrise danach, wirtschaftete die Bahngesellschaft selbständig bis zum Ende des II. Weltkrieges.
Nach der Einnahme Friedlands durch die Sowjetischen Truppen, Ende April 1945, wurden die Fahrzeuge und Anlagen der MPSB beschlagnahmt und als Reparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert. Nur wenige Lokomotiven, Güter- und Personenwagen verblieben bei der MPSB. Darunter auch die Fahrzeuge des Museumszuges. Viele Anstrengungen der Eisenbahner kostete es, den Fahrbetrieb nach dem Krieg wieder aufzunehmen und das Streckennetz wieder halbwegs aufzubauen. Doch in den 1960er Jahren zeichnete sich der endgültige Niedergang immer deutlicher ab. Auch in der DDR wurde der Güter- und Personenverkehr per Straße immer weiter vorangetrieben.
So wurde der Bahnbetrieb im Jahr 1969 endgültig eingestellt. Die Gleise und Anlagen wurden verschrottet, die baulichen Anlagen von der DR weiter genutzt und die Fahrzeuge verschrottet oder verkauft. Gerade für die Lokomotiven gab es Interessenten aus dem kapitalistischen Ausland. Einige kann man heute noch im Ausland bei Museumsbahnen gut restauriert und fahrbereit erleben. Auch die Lokomotive mit der Reichsbahnnummer 993352 sollte für Devisen das Land verlassen und stand schon transportfertig auf der Fähre nach England. Doch der zukünftige Eigentümer wollte sicher gehen, dass die Lock funktionstüchtig ist und ließ sie nochmals anfeuern. Dabei stellte sich heraus, dass sie nicht fahrbereit war. Ein Zylinder ist defekt. Die Lock war unverkäuflich und sollte im RAW Görlitz verschrottet werden. Durch eine Initiative der Eisenbahner in Friedland konnte die Lokomotive gerettet werden.
Ein musealer Eisenbahnzug wurde gegenüber dem Hauptbahnhof im Jahre 1973 aufgebaut. Als Eigentümer tritt seit dieser Zeit, bis heute das Verkehrsmuseum Dresden auf. Die Lock mit Tender wurde durch einen Personenwagen, einen Güterwagen und einer Motordraisine ergänzt. Der Personenwagen befand sich schon bei der Pioniereisenbahn in Berlin und sollte entsprechend umgebaut werden. In Friedland konnte er nun auch im annähernd originalen Zustand überdauern. Zum Schutz vor dem Klima wurde über dem Museumszug ein halb offenes Dach errichtet.
So verbrachte der Museumszug die Jahre am Bahnhof in Friedland. Doch Wind und Wetter forderten ihren Tribut. Metallteile korrodierten und das Schutzdach sackte ab, sodass es schon mit Hilfe der Fahrzeugdächer abstützt werden musste. Dieser Zustand konnte so nicht bleiben und so plante man ab Mitte 1989, den Zug neben dem Friedländer Heimatmuseum, auf der Freifläche zwischen Stadtverwaltung und Museum, unter einem neuen Schleppdach aufzustellen, als Ergänzung der Museumsausstellung. Die Planungen waren weit vorangetrieben worden, auch über die Zeit der politischen Wende.
Anfang der 1990er Jahre wurde mit der optischen Restaurierung und Konservierung der Fahrzeuge mit Hilfe der ABM begonnen. Umfangreiche Fördermittel für eine neue Ausstellungshalle wurden bewilligt und der Bau konnte letztendlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Am 21. Januar 1994 konnten die Fahrzeuge der ehemaligen MPSB ihr neues Zuhause beziehen. Zu den Feierlichkeiten der 750-Jahrfeier Friedlands wurde die Halle feierlich eingeweiht. Seit dieser Zeit steht der Museumszug, betreut durch das Museum der Stadt Friedland, in dieser Halle.
Exponate in der MPSB – Ausstellungshalle in Friedland
Lokomotive:
- Ab 1973 Exponat des Museumzuges Friedland.
- Lokname KAYSER
- letzte MPSB - Nummer 4
- letzte DR – Nummer 99 3352
- Bauart C1´n2t
- Hersteller Jung
- Baujahr 1907
- Fabriknummer 1138
- Höchstgeschwindigkeit 25 km/h
- Einsatz ab 19. 08. 1907
- Einsatz bis 09. 10. 1968
Personenwagen:
- Ab 1973 Exponat des Museumzuges Friedland.
- letzte MPSB - Nummer 12
- letzte DR – Nummer 960-210
- letzte Gattungsbezeichnung B4
- Hersteller Waggonfabrik Wismar
- Baujahr 1913
- 8 Sitzplätze 2. Klasse
- 30 Sitzplätze 3. Klasse
- Gasbeleuchtung
- Milddampfheizung System Körting
- Körting Luftsaugbremse
Güterwagen:
- Ab 1973 Exponat des Museumzuges Friedland.
- letzte MPSB - Nummer 196
- letzte DR – Nummer 96-01-32
- letzte Gattungsbezeichnung GGw
- Hersteller Waggonfabrik Wismar
- Baujahr 1914
- Tragfähigkeit 7500 kg
J. Sch. Museum Friedland 2026
































