Station: [932] Bewegliche Lettern

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Vor 600 Jahren waren Bücher Luxus-Güter - etwa so wie wertvolle Kunstgegenstände. Sie entstehen in aufwendigen Verfahren: Pergament-Hersteller, Schreiber, Maler arbeiten jahrelang an einem Buch. Alle Bücher waren einmalig und damit wertvolle Unikate. Der Goldschmied Johannes Gutenberg hat um 1450 ein neues Verfahren entwickelt. Daraus entsteht in wenigen Jahren zum ersten mal ein Industrieprodukt: das Buch als Massenware. Im Zentrum des neuen Verfahrens steht die Druckerpresse. Bewegliche, von Hand gegossenen Buchstaben-Lettern aus Metall ersetzen die Schreiber. Neues Papier ist beidseitig zu bedrucken. Das erste Buch, das in einer Auflage von mehreren Dutzend Exemplaren erscheint, ist eine lateinische Bibel, die so genannte Gutenbergbibel. Es gab vorher schon Druckverfahren auch in China und Korea. Die massenweise Herstellung von Büchern ist ein europäisches Ereignis. Mainz ist der Druckort. Verkaufen konnte Gutenberg seine Bibeln nur auf Messen - vor allem in Frankfurt. Die erste Nachricht von der Gutenbergbibel haben wir von einem Kardinal aus Rom, der nach einem Besuch auf dem Reichstag in Frankfurt 1454 beeindruckt von "den guten Frankfurter Bibeln" spricht, die er dort gesehen hat. Frankfurt am Main spielt bei der Verbreitung der neuen Druck-Technik eine Schlüsselrolle. In der Vitrine sehen Sie eine Nachbildung der Gutenbergbibel aus Berlin - Sie dürfen sich vorstellen, dass auch dieses Buch von einer Verkaufs-Messe in Frankfurt am Main stammt. Auch die gedruckten Bücher erscheinen zunächst vor allem in lateinischer Sprache. In etwa 50 Jahren hat sich der Buchbestand in deutschen Landen durch die neue Technik verfünffacht. Dazu tragen auch die ersten gedruckten Bibeln in deutschen Sprachen bei. Ein Beispiel ist die Sorg-Bibel von 1480. Sie sehen hier ein Blatt aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes in einer der oberdeutschen Übersetzungen. Alle vorreformatorischen Bibelübersetzungen ins Deutsche halten sich eng an die lateinische Vorlage. Es gibt noch keine deutsche Hochsprache. Die Bibeln erscheinen auf Alemannisch, Rheinisch oder Westfälisch. 18 vorreformatorische deutsche Bibeln im Druck sind bekannt.