Station: [941] Vor 300 Jahren

  • Bibelhaus Erlebnis Museum

Aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges stammt dieses Miniatur-Bildprogramm der lutherischen Reformation. Es ist aus Anlass einer weiteren Jahrhundertfeier entstanden: am 25. Juni 1630 feierten die Protestanten die Jahrhunderfeier ihrer Gründung durch das so genannte Augsburgische Bekenntnis, auch Confessio Augustana genannt. 1530 übergaben protestantische Fürsten ihre Lehrsätze dem Kaiser. Sie können die Szene auf der Vergrößerung als Bild erkennen. Bis heute ist das Augsburgische Bekenntnis von 1530 eines der Grunddokumente der Protestanten weltweit. Kurioserweise finden sich diese Miniaturen in einer Schraubtalerdose - eine Münze, umgearbeitet zu einer flachen Schraubdose mit eben jenem Inhalt. Kurios ist auch, dass das Fürstenpaar auf der Medaille zum streng römisch-katholischen Adel in Wien gehört. Vor 300 Jahren findet dann ein entscheidender Schritt in der Mediengeschichte statt. Sie sehen vor sich das Buch, das zwischen den Jahren 1710 und 1800 in etwa 6 Millionen Drucken erschien: die so genannten Canstein-Bibel aus Halle, hier mit einem Vorwort aus dem Jahr 1717 - dem Gedenkjahr der Reformation. So hohe Auflagen sind nur möglich durch die aufwendige Herstellung eines Steh-Satzes. Freiherr von Canstein bringt sein Vermögen ein und besorgt weitere Gelder, um 1710 die über tausend Seiten der Lutherbibel in Blei zu gießen und mit diesem Druckstock die Bibel millionenfach in die Häuser zu bringen - über den deutschen Sprachraum hinaus. So steht die Bibel bis um das Jahr 1800 tatsächlich in jedem Haushalt. Zwei geistige Strömungen jener Zeit unterstützen die Bildung in allen gesellschaftlichen Schichten: Pietismus und Aufklärung. Die Auseinandersetzungen der Reformationszeit führen zu unterschiedlichen Zielsetzungen: die einen wenden sich ab von den Lehr-Streitigkeiten der Theologen und möchten eine tätige Nächstenliebe in die Tat umsetzen. Das ist die fromme Strömung des so genannten Pietismus. Tägliche Bibel-Lese gehört da zum guten Ton. Bahnbrechend war hier die Schrift des Frankfurter Pfarrers Philipp Jakob Spener, Pia Desideria. Bis heute gibt es den Brauch aus jener Zeit, für jeden Tag einen Bibelvers auszulosen - die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Andere wenden sich von den Lehr-Streitigkeiten der Theologen ab und suchen in der Vernunft eine Lösung der Probleme - das sind die Vertreter der Aufklärung, auch genannt des Rationalismus. Zur Bibeltreue des Pietismus kommt nun die Bibelkritik, die sich in den nächsten Jahrhunderten in den Kirchen und Universitäten ebenso durchsetzt, wie manche fromme Erweckung.