Station: [943] Vor 200 Jahren

  • Bibelhaus Erlebnis Museum

Vor 200 Jahren entstehen weltweit Bibelgesellschaften. Eine internationale Konferenz in London im Jahr 1810 gründet dort die erste der Bibelgesellschaften. Innerhalb von 10 Jahren gibt es rund um den Globus hunderte solcher Gesellschaften. Ihr Ziel ist es, die heilige Schrift in alle Sprachen der Welt zu übersetzen und so zu den Menschen zu bringen. Dazu gehört auch die Frankfurter Bibelgesellschaft. Sie besteht bis heute und ist der Trägerverein des Bibelhaus Erlebnis Museums. Eine Gruppe Frankfurter Bürger gründet ihre Bibelgesellschaft am 4. Januar 1816 im Rathaus am Römer mit Unterstützung der Mutterorganisation in London. Zum Reformationsjubiläum 1817 erscheint eine Bibel zur Ausgabe an Frankfurter Schulen im Auftrag der neuen Bibelgesellschaft. Das Reformationsjubiläum 1817 steht ganz im Zeichen der damals neuen Nationalbewegung. Martin Luther gilt in diesen Jahren als ein Held, der mit der Bibelübersetzung den Deutschen eine gemeinsame Sprache gegeben hat. Religiöse Unterschiede treten bei dem Jubiläum in den Hintergrund. Auf der Jubiläumsmünze aus Frankfurt in Gold steht daher auch: vereinigte evangelische Christen. Besonders der Unterschied zwischen lutherischen Protestanten und reformierten Calvinisten schien nicht mehr zeitgemäß. Einer der Gründer der Frankfurter Bibelgesellschaft ist Johann Friedrich von Meyer, später Bürgermeister der Stadt. Er übersetzt die Bibel in ein zeitgenössisches Deutsch aus dem Hebräischen und Griechischen - zum besseren Verständnis. Die Lutherbibel war zu dieser Zeit bereits 200 Jahre alt. Ein Briefwechsel ist aus der Auseinandersetzung der Kirche mit den Nazis aus dem Jahr 1934 erhalten. Hitler strebte an, insbesondere die verschiedenen evangelischen Kirchen in Deutschland zu einer Hitler-treuen Reichskirche zu machen. In verschiedenen evangelischen Kirchen regt sich dagegen 1934 Widerstand. Dafür steht auch der Streit um ein Bibelfest im Jahre 1934. Die Frankfurter Bibelgesellschaft in Person ihres Vorsitzenden Pfarrer Karl Goebels weigert sich, bei dem von der Reichsleitung angeordneten Bibelfest mit zu wirken. Der Widerstand von kirchlicher Seite war nicht groß. Es ist nicht bekannt, dass Frankfurter Pfarrer sich gegen die Verfolgung der Juden öffentlich geäußert hätten. Propst Dieter Trautwein legte als Vorsitzender der Frankfurter Bibelgesellschaft daher großen Wert, in der 1992 entstehenden Bibelausstellung in Frankfurt den Ursprung der Christenheit im Judentum und ihren heiligen Schriften zu betonen. Im Zentrum der Ausstellung steht eine Tora-Rolle. Sie ist auch Teil der Dauerausstellung des Bibelhaus Erlebnis Museums bis heute. Siehe den Verweis im Faltblatt zur Eröffnung des ersten Frankfurter Bibelzentrums 1992.