Station: [694] Das Newe Testament Deutzsch (Martin Luther)


Luthers Verdeutschung des Neuen Testamentes

1522; Wittenberg: Melchior Lotther d. J.; Holzschnitte aus der Werkstatt Lukas Cranach d. Ä.; Median Folio; UB Münster 4‘ B 6107

1522 erscheint im Herbst das Septembertestament – Luther hatte auf der Wartburg das gesamte Neue Testament anhand des griechischen Textes verdeutscht. Es erscheint anonym, ohne Angabe des Verfassers Martin Luther. Die 1500-3000 Exemplare sind nach vier Wochen vergriffen. Hier ausgestellt ist das so genannte Dezembertestament aus demselben Jahr. Im Dezember 1522 erscheint bereits die verbesserte zweite Auflage von Luthers Verdeutschung.

Aufgeschlagen ist das Inhaltsverzeichnis. Martin Luther gibt darin zu erkennen, welche der Schriften des Neuen Testamentes er weniger schätzt. Sie werden ohne Nummer nachgeordnet. Diese Änderung der Reihenfolge setzt sich bis heute in allen folgenden „Lutherbibeln“ fort.

In seiner Vorrede zum Neuen Testament äußert Luther seine Ansicht, dass es nicht „vier“ Evangelien gebe, sondern nur ein Evangelium von Gottes Gnade und Christi Werk. Diese Auffassung von der „einen guten Botschaft“ (Evangelium) bezieht er auf die ganze Bibel, auch das Alte Testament. Die Betonung des „Evangeliums“ in der Reformation führt viel später zum Begriff „evangelisch“ für Mitglieder der reformatorischen Kirchen.