Station: [934] Vor 500 Jahren

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Die Bibel in der eigenen Sprache zu lesen und zu verstehen - das ist ein wichtiges Anliegen der Reformation. Vor 500 Jahren gibt es verschiedene Umstände, die dazu führen, dass mit der Bibelübersetzung das erste Medienereignis der Weltgeschichte seinen Lauf nimmt. 1516 erscheint erstmals im Druck das Neue Testament in seiner griechischen Ursprache. Um 1500 wächst die Erkenntnis, dass die lateinische Heilige Schrift der römischen Kirche nicht den ältesten biblischen Handschriften auf Hebräisch und Griechisch entspricht. Gelehrte arbeiten mit Hochdruck an einem griechischen Text. Er ist die Grundlage für eigenständige Übersetzungen in der Reformationszeit. Sie sehen hier die erste Handausgabe des Neuen Testaments auf Griechisch aus dem Jahr 1521. Druckfrisch nahm Martin Luther dieses Buch mit auf die Wartburg - und verdeutscht erstmals das ganze griechische Neue Testament. Martin Luthers Streit mit der römisch-katholischen Kirche bekommt durch die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den Ablass auch auf Deutsch eine große Öffentlichkeit. Es entsteht ein Buchmarkt in deutscher Sprache: die Auseinandersetzung zwischen Mönch und Papst stößt auf großes Interesse und lässt die Auflagen in die Höhe schnellen. In den Jahren 1517 bis 1525 übertrifft erstmals die Anzahl von Druckwaren auf Deutsch diejenige auf Latein oder in anderen Sprachen. Daran haben vor allem Flugblätter Anteil. Die Verdeutschung der biblischen Schriften aus dem Hebräischen und Griechischen durch Martin Luther und seine Kollegen in Wittenberg trägt zu diesem Medienereignis bei. 80 autorisierte Auflagen und 160 Raubdrucke der Lutherbibel überschwemmen den Buchmarkt. Zu Lebzeiten Luthers sind bereits eine halbe Million Lutherbibeln gedruckt - das meist verbreitete Buch der damaligen Zeit. In der Lutherbibel begegnet erstmals eine Art Standard-Deutsch, das in allen deutschen Landen zu verstehen ist. Es ist die Grundlage der Entwicklung einer deutschen Hoch- und Schriftsprache. Viele Wortbilder und Redewendungen der Lutherbibel sind bis heute selbstverständlich. Die Lutherbibel "letzter Hand" aus dem Jahr 1545 hat besonders große Wirkung: diese letzte Ausgabe vor Luthers Tod im Jahre 1546 wird mit wenigen Änderungen über 300 Jahre in Deutschland gelesen. Ihre Wirkung geht über Wortschatz und Sprachform bis hinein in die Rechtschreibung. Luthers Verdeutschung führt zu einem ersten Übersetzungsboom in Europa. Die nun entstehenden Übersetzungen hängen von der Vorlage Luthers in mancher Hinsicht ab, auch wenn sie ihn an einigen Stellen mit guten Gründen korrigieren. Ein Beispiel hierfür ist die Übersetzung des Psalm 23. Im Hebräischen Original wie auch im Lateinischen und Griechischen lautet der Text etwa so: "Der HERR weidet mich". Luther verdeutlicht den Psalm mit einem Bildwort und übersetzt: "Der Herr ist mein Hirte." Die meisten Übersetzungen bis heute weltweit folgen Luther, wie zum Beispiel im Englischen: "The Lord is my shepherd". Die Bibelübersetzung erscheint unter dem Schutz von Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen, dem zweit mächtigsten Mann nach dem Kaiser im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Medaille erinnert daran, wie Friedrich die Geschäfte des deutschen Königs 1507 für einige Monate vertrat.