Station: [931] Vor 600 Jahren

  • Bibelhaus Erlebnis Museum

Vor 600 Jahren steigt in Europa die Nachfrage nach der Heiligen Schrift in der Muttersprache. Die Bibel gibt es fast nur in der lateinischen Übersetzung des Hieronymus von Dalmatien etwa aus dem Jahr 400, genannt Vulgata. Diese Vulgata-Bibel findet zahlreiche Übersetzer. Reformbewegungen in England unter John Wyclif und in Böhmen unter Jan Hus rücken die Heilige Schrift ins Zentrum. Es entstehen neue Übersetzungen auf Englisch und auf Tschechisch. Auch auf Deutsch gibt es verschiedene Übertragungen des Bibeltextes. Zum Beispiel diese Handschrift aus Regensburg mit Bildern aus dem Privatbesitz des Herzogs Ludwig des Bärtigen von Bayern. Es ist ein Neues Testament übersetzt auf Mittel-Bairisch. Es stammt aus den Jahren um 1430. Diese Nachbildung des wertvollen Buches aus dem Mittelalter lässt die Arbeit der Buch-Künstler erkennen. Die Bibel ist von Hand geschrieben und bemalt. Vier verschiedene Maler arbeiten daran. Ludwig von Bayern stirbt in der Zeit der Ausmalung. Die Bibel bleibt unvollendet. Erst hundert Jahre später findet ein Erbe das wertvolle Buch: der Pfalzgraf Ottheinrich aus Heidelberg. Er lässt die fehlenden Darstellungen ergänzen - von einem bedeutenden Maler des neuen Stils der Renaissance, Mathis Gerung. Um 1530 ist die Bibel nach hundert Jahren fertig gestellt. Bekannt ist die Handschrift als Ottheinrich-Bibel. Im Laufe der Jahre ist sie in acht Bände aufgeteilt worden. Ein Rettungskauf im Jahr 2008 brachte die acht über Europa zerstreuten Bände zusammen in den Besitz der Bayrischen Staatsbibliothek. Da sich das Bibelhaus Erlebnis Museum bei dem Rückkauf der Bibel beteiligen konnte, entstand im Rahmen einer Ausstellung dieses Faksimile, das einen Eindruck von dem ursprünglichen Buch des Mittelalters gibt. Die Originale liegen in München. Diese Bibel auf Deutsch war das Privatexemplar für einen Fürsten! Bücher waren Mangelware. Das änderte sich erst durch das neue Verfahren des Buchdrucks von Johannes Gutenberg um 1450.